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Zurück in die Weltspitze: Der zweite Anlauf

"Alle zehn Jahre ein Titel"

Zurück in die Weltspitze: Der zweite Anlauf

Virtuelles Meeting: Oliver Bierhoff, Hansi Flick und Martina Voss-Tecklenburg.

Virtuelles Meeting: Oliver Bierhoff, Hansi Flick und Martina Voss-Tecklenburg. Getty Images for DFB

Dieser Doppelpass, auf Deutsch und Englisch formuliert, soll zum Erfolg führen, sportlich wie ideell. Möglichst bald und im zweiten Anlauf. Denn schon nach der missratenen WM 2018 mit dem Aus nach den drei Gruppenspielen sollte es "zurück an die Weltspitze" gehen, wie Oliver Bierhoff, mittlerweile DFB-Direktor, in der unmittelbaren Aufarbeitung das große Ziel seinerzeit formulierte. Die erste Umsetzung gelang jedoch nicht, bei der EM 2021 war nach dem Achtelfinale und dem 0:2 gegen England Schluss. Joachim Löw verabschiedete sich nach 16 Jahren und dem WM-Triumph 2014, sein ehemaliger Assistent Hansi Flick übernahm und stellte den DFB-Vertretern um Bierhoff in den ersten Gesprächen seine Ideen und Ziele mit dem Slogan "back on top" vor. Also ebenfalls zurück an die Spitze. "In Hansi haben wir einen Bundestrainer, der genau dieses Ziel verfolgt", sagte Bierhoff an diesem Mittwochnachmittag bei einem DFB-Workshop in Frankfurt.

Diese Ambition, wieder zur globalen Elite zu gehören, bezieht sich natürlich zunächst auf den sportlichen Bereich, wo die Frauen- wie Herrennationalmannschaft fortan stets mindestens im Halbfinale vorstellig werden wollen. Zusätzlich solle es "alle zehn Jahre ein Titel" sein, so Bierhoff, "da nehmen wir die U 21 auch mit rein". Derzeit, so merkte es Flick an, "sind wir keine Benchmark". Platz 11 in der FIFA-Weltrangliste bestätigt diese Wertung.

"Fantastische" Möglichkeiten in der DFB-Akademie

Zu einer möglichst baldigen, insgesamt kontinuierlichen Besserung soll die DFB-Akademie beitragen. Leiter Tobias Haupt stellte die verschiedenen Themen vor und sagte, in den Bereichen Technik, Taktik und Athletik sei die 100-Prozent-Grenze erreicht, nicht aber in der Kognition, Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung. Entsprechend werde da gearbeitet, beispielsweise mit Messungen der Reaktionsgeschwindigkeit oder des Sehverhaltens. Was heute "Performance Days" heißt, stellt eine Fortführung der Leistungstests dar, an deren Ende die Spielerinnen und Spieler individuelle Programme zur Leistungsoptimierung erhalten. Flick nannte die künftigen Möglichkeiten in der Akademie im Frankfurter Süden "fantastisch".

Abseits des Fußballfeldes wollen Bierhoff und der aus London zugeschaltete Bundestrainer sowie die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg "eine hohe Identifikation" mit den Fans erreichen, "also hohe Einschaltquoten, volle Stadien", wie Bierhoff sagte. "Wir wollen, dass unsere Spieler Vorbilder sind und soziales Engagement zeigen." So wurde eine Mannschaftsstiftung gegründet. Auf das Thema Katar und die Menschenrechte dort will der DFB-Obere die Spieler vorbereiten, der DFB solle da als Einheit sprechen und eine entsprechende Haltung zeigen. Bierhoff verwies auf die zunehmende WM-Begeisterung "in der ganzen arabischen Welt" sowie die Premiere in einem muslimischen Land und fasste zusammen: "Wir wollen dem Turnier eine Chance geben."

Karlheinz Wild