Nationalelf

DFB-Kommentar: Zum vierten Mal 1:1 - und doch verloren

Kommentar

Zum vierten Mal 1:1 - und doch verloren

Enttäuschung überwiegt: Thomas Müller (li.) und Nico Schlotterbeck.

Enttäuschung überwiegt: Thomas Müller (li.) und Nico Schlotterbeck. AFP via Getty Images

Der sportliche Wert der Nations League mag nachrangig sein, die Bedeutung dieser erneuten Punkteteilung damit verschmerzbar - was wehtut, ist die Art und Weise. Denn Ungarn war am Samstagabend nach den Kräftemessen mit den Niederlanden, Italien und England kein Großer, sondern ein Gegner, der die deutsche Elf in erster Linie mit großer Leidenschaft vor Probleme stellte. Und zwar in allen Mannschaftsteilen.

Beide Außenverteidiger, Thilo Kehrer und David Raum, leisteten sich ebenso zu viele Fehler wie Nico Schlotterbeck, der zwar den Ausgleich durch einen langen Ball vorbereitete, im Kerngeschäft aber (schon wieder) Lehrgeld bezahlte. Das wirft grundsätzliche Fragen auf, ob es auf diesem Niveau schon reicht oder eben noch nicht.

Die erste echte Enttäuschung unter Flick

Dass sich die Auflistung der Defizite mühelos fortsetzen lässt, über Leon Goretzka, dem Power und Dynamik fehlt, bis zu Kai Havertz und Timo Werner, die in der Offensive alles schuldig blieben, muss dem Bundestrainer Sorgen bereiten. Weil er sein Team schon wesentlich weiter wähnte, nachdem es auf den überschaubaren Auftritt in Italien mit einer couragierten Leistung gegen England geantwortet hatte.

Der Abend in Ungarns Hauptstadt war, Belastung hin, Kräfteverschleiß her, die erste echte Enttäuschung unter Flick. Beim Einstand, einem mühevollen 2:0 in Liechtenstein, durften noch mildernde Umstände angeführt werden, bei diesem dritten Spiel in der Nations League war es schlicht von allem und fast allen zu wenig.

Der erste Platz ist möglich, der letzte auch

Intensität ist eine Grundtugend, die der Coach immer verlangt. In jedem Spiel, in jeder Einheit. Dass die Ungarn in dieser Disziplin deutlich überlegen waren und die Körpersprache bei seiner Mannschaft zeitweise enttäuschend war, gibt ihm eine zusätzliche Aufgabe auf.

Dem finalen Akt im Juni, am Dienstag in Mönchengladbach, kommt nun eine besondere Bedeutung bei. Deutschland, aktuell Dritter der Gruppe 3, kann bei einem Sieg über Italien auf den ersten Platz vorrücken, und bei einer Niederlage auf den letzten Rang abstürzen. Vor allem aber entscheidet die Partie darüber, mit welchem Gefühl Trainer und Mannschaft aus ihrer ersten gemeinsamen Länderspielsaison gehen. Das vom Samstagabend ist erheblich gedämpft.