Bundesliga

Zu langsam im Wettlauf aus dem Keller: Wie Köln der Abstiegskampf entgleitet

Fortschritte sind erkennbar, doch die Konkurrenz punktet schneller

Zu langsam im Wettlauf aus dem Keller: Wie Köln der Abstiegskampf entgleitet

Wieder kein Sieg: Jan Thielmann, Florian Kainz und Denis Huseinbasic (von links) holten immerhin einen Punkt in Stuttgart.

Wieder kein Sieg: Jan Thielmann, Florian Kainz und Denis Huseinbasic (von links) holten immerhin einen Punkt in Stuttgart. IMAGO/Eibner

Unmittelbar nach dem 1:1 des 1. FC Köln am Samstagnachmittag in Stuttgart war viel Positives in den Statements der Protagonisten herauszuhören. FC-Trainer Timo Schultz sprach von einem "gewonnenen Punkt", Torschütze Eric Martel fand, mit dem Ergebnis könne man zufrieden sein. Und der Leiter Lizenzspieler der Kölner, Thomas Kessler, glaubte, der zusätzliche Zähler sei nicht nur wichtig für die Tabelle, "sondern auch für die Moral. Weil wir gesehen haben, dass wir gegen jeden Gegner punkten können".

Der Rückstand aufs rettende Ufer wird größer

Falsch war keine der drei Aussagen, aber der Blick auf die Tabelle am Sonntagabend dürfte die Gefühlslage bei den Geißböcken gedreht haben. Vor dem zurückliegenden 23. Spieltag trennten die Kölner sechs Punkte von Borussia Mönchengladbach auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz 15. Nun sind es bereits satte acht Punkte Vorsprung, die der VfL Bochum voraus hat.

Spiel des 1. FC Köln

Kessler sprach dann noch aus, was angesichts der derzeitigen Situation viele rund ums Geißbockheim denken: "Unser Ziel ist, mindestens mit der Relegation die Chance zu bekommen, die Klasse zu halten." Zwar arbeite man natürlich daran, es auch ohne diesen Umweg zu schaffen. Im Moment aber macht dafür wenig Hoffnung.

Ein Grund dafür ist die auf den ersten Blick etwas widersprüchliche Diskrepanz zwischen der zunehmenden Stabilität der Kölner auf dem Platz und der immer weiter aufreißenden Lücke zu Platz 15. Bei Schultz' Amtsantritt Anfang Januar waren es nur drei Punkte, damals auf Union Berlin. Nun hat sich dieser Rückstand mehr als verdoppelt, obwohl der Effzeh lediglich zwei Niederlagen in sieben Partien einstecken musste.

Es wäre schön, wenn wir zwischendurch auch mal wieder drei Punkte holen.

Kölns Leiter Lizenzspieler Thomas Kessler

Allerdings war auch nur ein Sieg darunter, insgesamt kamen sieben Punkte aus sieben Partien zustande. Mainz (5) und Darmstadt (3), die hinter dem FC rangieren, schnitten seit Beginn des neuen Jahres schlechter ab, ebenso Wolfsburg, Hoffenheim (beide 6) und Freiburg (5). Die vermeintlich einzuholende direkte Konkurrenz im Keller aber enteilt: Augsburg holte acht Punkte, Bochum neun, Union gar zwölf und Bremen 13. Dass der 1. FC Köln verlässlich punktet, hilft da wenig: Die anderen klettern derzeit schneller.

Schultz hatte immerhin zarte Fortschritte in der lahmen Offensive gesehen, zur Wahrheit gehört aber auch: Vier Chancen in mehr als 90 Minuten Spielzeit waren erneut zu wenig, auch wenn das nach einem Duell gegen den Tabellendritten hart klingen mag. Doch das Team kann sich nicht mehr aussuchen, gegen wen es gewinnen soll. Es müssen dringend Punkte her, wenn der Anschluss nicht vollends verloren gehen soll.

Immerhin stimmte im Schwabenland mal wieder die defensive Ausrichtung und ebenso der Kampfgeist - auch wenn es wieder nicht mit Schultz' Forderung klappte, gegentorlos zu bleiben. "Genau mit dieser Einstellung schauen wir auf die nächste Woche", sagte Kessler mit Blick auf das kommende Spiel gegen Tabellenführer Bayer 04.

Der 1. FC Köln braucht einen Überraschungserfolg ausgerechnet gegen das Team, das keine Überraschungen zulässt. Denn mit Gladbach und Leipzig werden die Aufgaben danach nicht leichter - und sicher auch nicht die Fähigkeit, jedes Mal wieder unbelastet in das nächste Spiel zu gehen. Kein Wunder also, dass Kessler fordert: "Es wäre schön, wenn wir zwischendurch auch mal wieder drei Punkte holen."

Jim Decker

Thielmann löst Littbarski ab: Jüngste Kölner mit 100 Bundesliga-Spielen