Bundesliga

Zoff um den neuen Grundlagenvertrag

CSU-Politiker Kupka attackiert DFB und DFL

Zoff um den neuen Grundlagenvertrag

Engelbert Kupka

Engelbert Kupkas Schreiben an DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch sorgt für Wirbel. imago

Seit dem Jahr 2001 wird der Geldfluss aus den Vermarktungserlösen der beide Verbände über einen Grundlagenvertrag geregelt. Seit diesem Zeitpunkt zahlt die Liga drei Prozent ihrer Erlöse aus der Vermarktung der Fernsehrechte an den DFB. Deklariert ist diese Zahlung als "Pachtzins" für die Abtretung der bis zum Jahr 2000 durch den DFB erfolgten zentralen Vermarktung an die Liga.

Kupka spricht von einem "Missbrauch von Leistung und Gegenleistung". Und er behauptet: "Im staatlichen Bereich würde jeder Rechnungshof massiv einschreiten. Denn im Verhältnis zu 1,5 Milliarden Euro Einnahmen stellen 45 Millionen Euro keinen angemessenen Pachtzins dar, sondern eher eine Teilschenkung."

Umgekehrt leiste der DFB eine prozentual weitaus höhere Beteiligung aus der Vermarktung der Nationalmannschaft (TV-Rechte, Sponsoren, Eintrittsgelder) an den Ligaverband. Kupka bezieht sich auf Paragraf 5, Absatz 3 im Grundlagenvertrag: "Für die Leistungen des Ligaverbandes gemäß Absatz 1 und Absatz 2 zahlt der DFB jährlich eine variable prozentuale Beteiligung zwischen 15 und 30 Prozent." Kupka fordert jetzt: "Um den gesamten Fußball, also auch dem Amateurbereich nachhaltige Strukturen zu sichern, ist ein Pachtzins von 10 Prozent nicht nur gerechtfertigt, sondern auch absolut notwendig."

Ligapräsidium ist verärgert

Im Ligapräsidium herrscht Verärgerung. Auch wegen des Verdachts, dass Koch in den Führungsgremien des DFB die Diskussion um den neuen Grundlagenvertrag nochmals entfacht hat. Obwohl sich die Parteien schon einige waren. Auf der Generalversammlung der Profiklubs am 24. August in Berlin hatte Liga-Vizepräsident Peter Peters das Eckpunktepapier für den neuen Vertrag präsentiert. Im Beisein von DFB-Präsident Reinhard Grindel und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius.

Offenkundig hegt Kupka Zweifel, dass diesem Papier energische Verhandlungen vorausgegangen sind: "Dass bei einer Anhebung des Pachtzinses harte Verhandlungen mit der DFL notwendig sind, ist ganz natürlich. Pflicht eines jeden Verhandlungspartners ist es jedoch nicht in erster Linie, auf Harmonie zu achten, sondern die Eigeninteressen zu vertreten. Erst auf Grundlage gerechter Ergebnisse kann so etwas wie Harmonie entstehen."

Von Solidarität kann weder innerhalb der DFL noch im Verhältnis DFB/DFL die Rede sein.

Engelbert Kupka

Kupka fährt hartes Geschütz auf: "Von Solidarität kann weder innerhalb der DFL noch im Verhältnis DFB/DFL die Rede sein. Nach Außen aber bemüht man sich weiterhin gemeinsam Harmonie zu beschwören." Sollte das DFB-Präsidium auf dem Bundestag in Erfurt die Beibehaltung des seit 15 Jahren unveränderten Pachtzinses den Delegierten vorschlagen, wäre es seines Erachtens "ehrlicher, der DFL gleich die Entscheidung darüber zu lassen, was sie zu zahlen bereit ist, anstatt 'Scheinabstimmungen' im Bundestag durchzuführen, die das Präsidium, wie es in der Homepage des DFB zu lesen ist, nur als 'reine Formsache' ansieht."

Kupka sieht auch eine Interessenskollision darin, dass fünf Vertreter der Liga im DFB-Präsidium die Entscheidung in der Sache beeinflussen können, auch wenn sie kein Stimmrecht bei diesem Thema genießen: "Eine korrekte Vorgehensweise würde zunächst eine Beschlussfassung unter Ausschluss der DFL-Vertreter über die Höhe des zu fordernden Pachtzinses verlangen." Ferner moniert er, dass auf dem Bundestag 74 von insgesamt 240 Delegierten Mitglieder der Liga sind, die ihrerseits erst nach dem Bundestag über den Grundlagenvertrag entscheiden wird - ohne Beteiligung des DFB. Sollte das DFB-Präsidium auf dem Bundestag "keine angemessene Erhöhung des Pachtzinses vorschlagen", fordert Kupka eine Aussetzung der Beschlussfassung und neue Verhandlungen.

Kupka über Grindel-Äußerung: "Da bleibt mir die Spucke weg"

Im Münchner Merkur hatte Kupka am vergangenen Freitag knallhart gesagt: "Wir haben unsere Rechte gegenüber der DFL zu einem Preis verschleudert, der nicht gerechtfertigt ist." DFB-Präsident Grindel hielt er vor: "Er hat gesagt, er wolle keinen Ärger mit der DFL haben. Da bleibt mir die Spucke weg. Die Struktur beim DFB stimmt nicht mehr. Die, die gewählt werden, kümmern sich zu wenig um die Anforderungen des Amtes. Das muss ich ganz offen sagen."

Die DFL will sich erst nach der Aufsichtsratssitzung an diesem Montag zu dem neuen Zoff äußern.

Rainer Franzke