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Zoff beim DFB: Dr. Rainer Koch ist der Sieger - vorerst

Hauen und Stechen beim Potsdamer Krisengipfel

Zoff beim DFB: Dr. Rainer Koch ist der Sieger - vorerst

Bei den zwölf Vertretern der DFL auch umstritten: Dr. Rainer Koch.

Bei den zwölf Vertretern der DFL auch umstritten: Dr. Rainer Koch. imago images

Kein radikaler Schnitt, kein Außerordentlicher Bundestag: Die Präsidenten der Regional- und Landesverbände entzogen auf ihrem Krisengipfel aus dem zerstrittenen fünfköpfigen Präsidialausschuss allein Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen.

Treten Keller und Curtius zurück? Die Intimfeinde erbaten sich nach der zehnstündigen Sitzung am Samstag in Potsdam und nach einem Vieraugengespräch zwischen Keller und Rainer Koch am Sonntag Bedenkzeit. Treten beide (oder einer) nicht zurück, wird es spannend.

Prognosen extrem schwierig

Dann müsste der DFB-Vorstand entscheiden. Ein Mammutgremium mit den 15 Mitgliedern des DFB-Präsidiums, den 21 Vertretern der Landesverbände, den fünf Präsidenten der Regionalverbände und zwölf Mitgliedern der DFL. Da einige Funktionäre in mehreren Gremien tätig sind, würden unter dem Strich immerhin über 30 Personen zum Votum aufgefordert. Welche Entscheidung der Vorstand treffen würde, wagt aktuell niemand zu prognostizieren. Zumal schon in Potsdam Einstimmigkeit allein darüber herrschte, keinen Außerordentlichen Bundestag mit Neuwahlen einberufen zu wollen.

Aus Angst? Hannelore Ratzburg, als Vizepräsident für Gleichstellung, Frauen- und Mädchenfußball übrigens wie Rainer Koch am 26. Oktober 2007 ins DFB-Präsidium gewählt, und Badens Verbandspräsident Ronny Zimmermann, im Süddeutschen Verband als Vizepräsident mit Präsident Koch an der Spitze, baten beim Krisentreffen flehentlich darum, keinen ganz großen Schnitt zu vollziehen. Ihr Argument: Der DFB sei dann handlungsunfähig.

Koch und Osnabrügge genießen Vertrauen

Keller wurde auf der Potsdamer Konferenz das Vertrauen entzogen, weil er Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglich: "Eine derartige Äußerung ist völlig inakzeptabel und macht uns fassungslos." Das Votum: 29 Ja- und neun Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen. Für den Vertrauensentzug gegenüber Curtius votierten 20 Stimmberechtigte, 20 waren dagegen, bei ebenfalls drei Enthaltungen.

Weiterhin das Vertrauen einer Mehrheit der Amateurvertreter genießen Koch (21 Ja, 13 Nein, drei Enthaltungen) und Schatzmeister Stephan Osnabrügge (22 Ja, 13 Nein, zwei Enthaltungen). Über ein Drittel der Präsidenten der Regional- und Landesverbände stärken mithin auch diesem Duo aus dem Präsidialausschuss, dessen fünftes Mitglied Peter Peters ist, nicht den Rücken.

Zwölf DFL-Vertreter keine Koch-Befürworter

Sollte es tatsächlich zum Showdown kommen, dürfte Koch voraussichtlich nicht als der große Sieger daraus hervorgehen, als der er im Moment innerhalb der Funktionärsriege gilt. Denn auch die zwölf Vertreter der DFL im DFB-Vorstand sind seit geraumer Zeit alles andere als Befürworter des bayerischen Multifunktionärs (DFB-Vizepräsident, Präsident des Süddeutschen und des Bayerischen Fußballverbandes, gerade wiedergewähltes Mitglied der UEFA-Exekutive).

Koch, der sich seit jeher als Vermittler in den DFB-Gremien an der Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifußball versteht und bisher Ambitionen auf das Amt des DFB-Präsidenten zurückgewiesen hat, kam auch am Wochenende eine maßgebliche Rolle zu.

In Potsdam nahm er zwar in einem Vieraugengespräch die Entschuldigung Kellers entgegen, diese aber im Grunde nicht an. Mit dem Verweis darauf, das den "dafür zuständigen Gremien überlassen" zu wollen: dem Ethikausschuss, der von Curtius und Osnabrügge angerufen worden ist.

Trio zum Rücktritt gedrängt

Seit dem Einzug Kochs in das DFB-Präsidium im Jahr 2007 hat es auf dem Stuhl des Präsidenten eine Fluktuation wie nie zuvor in der Geschichte des im Jahr 1900 gegründeten und heute mit 7,1 Millionen Mitgliedern weltweit größten Sportfachverbandes gegeben. Von insgesamt 13 Präsidenten in den zurückliegenden 121 Jahren räumten mit Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel drei in den vergangenen neun Jahren ihren Platz, wurden zum Rücktritt gedrängt. Keller wäre der vierte DFB-Präsident in diesem kurzen Zeitraum.

Das Hauen und Stechen in diesem skandalös geführten Verband hat mit dem Potsdamer Krisengipfel jedenfalls kein Ende. Die über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der DFB-Zentrale in Frankfurt richteten gerade über den Betriebsrat hausintern ein Schreiben an die Führungskräfte, besorgt über den Zoff, in Furcht um ihre Arbeitsplätze. Keller veröffentlichte sein Schreiben an die Ethikkommission. Und nebenbei sollen die Zahlungen an externe Berater nun eine Summe von 500.000 Euro erreicht haben.

Rainer Franzke/Benni Hofmann/Steffen Rohr

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