Bundesliga

Zittern um eine Milliarde Euro

Medienrechte: Klubs müssen mit hohen Mindereinnahmen rechnen

Zittern um eine Milliarde Euro

Die Corona-Krise geht nicht spurlos am Fußball vorbei.

Die Corona-Krise geht nicht spurlos am Fußball vorbei. imago images

Nachdem der Markt für Medienrechte bereits vor der Pandemie in Ländern wie England und Italien spürbar abgekühlt war, scheinen nach kicker-Recherchen auch die Offerten der Sender und Streamingdienste für Bundesliga und 2.Liga deutlich geringer auszufallen als zuletzt. Am Montag wird DFL-Boss Christian Seifert die neuen Verträge für die Spielzeiten bis 2024/25 präsentieren.

Angesichts der äußeren Rahmenbedingungen dürfte es ein Erfolg sein, wenn erneut die Schallmauer von im Schnitt einer Milliarde Euro pro Saison fallen würde. Zum Vergleich: Der einschließlich der kommenden Saison laufende Vertrag sah durchschnittlich 1,16 Milliarden Euro pro Saison vor. Die Klubs hatten sich vor der Corona-Krise noch für den Vierjahreszeitraum ab Sommer 2021 mindestens 5,4 Milliarden Euro erhofft.

Für diese Rechnung gab es einen einfachen Schlüssel. 1,35 Milliarden Euro, die in dem laufenden Vertrag für die Saison 2020/21 vereinbart worden waren, multipliziert mit 4. Doch schon in der kommenden Saison fließen mit 1,2 Milliarden Euro mindestens 150 Millionen Euro weniger (kicker berichtete exklusiv).

Warum gerade jetzt eine Ausschreibung?

Unter anderem die Kündigung des bisherigen Partners Eurosport, gesunkene Zahlungen der anderen DFL-Partner und Investitionen in Hygienekonzepte sind ursächlich dafür. Dass die DFL zum derzeitigen Zeitpunkt ausschreibt, ist der Vertragslogik geschuldet: Mögliche neue Rechte-Inhaber benötigen ein Jahr Vorbereitung auf den Sendestart, bestehende Partner können den Kunden Zweijahresverträge (2020/21 und 2021/22) anbieten.

Zudem: Die Prognosen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sehen eher eine weitere Verschlechterung vor, was auch auf den Medienmarkt durchschlagen könnte. Beim Abschluss der aktuellen Verträge erzielte Seifert im Frühjahr 2016 ein als Sensation bewertetes Ergebnis von 4,64 Milliarden Euro. Eine Steigerung um 83 Prozent gegenüber den im vorangegangenen Vertrag gezahlten 2,512 Milliarden Euro. Kurz vor Abschluss der Auktion am Wochenende lautet die Frage: Wird die Grenze von vier Milliarden Euro für den neuen Vierjahresvertrag überhaupt überschritten?

Dazu kommen niedrigere Erlöse aus der internationalen Vermarktung, die sich noch nicht seriös prognostizieren lassen. In dieser und in der kommenden Saison fließen bei den internationalen Erlösen bereits jeweils 60 Millionen Euro weniger als ursprünglich vereinbart. Bei einem Blick über die Grenzen hinaus verbieten sich Klagen deutscher Vereine. Sollte es beim neuen nationalen Medienvertrag bei einem Minus im einstelligen Prozentbereich bleiben, wäre dies im internationalen Vergleich wenig.

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Rainer Franzke