Bundesliga

Zingler: "Verlässlichkeit ist zwingend herzustellen"

Union Berlins Präsident erhofft Planbarkeit in der Pandemie

Zingler: "Verlässlichkeit ist zwingend herzustellen, ansonsten zerstören wir Branchen"

Union Berlins Präsident Dirk Zingler.

Union Berlins Präsident Dirk Zingler. imago images/Matthias Koch

Es hat etwas von einem Ausflug in eine andere Welt, auch wenn es den 1. FC Union nur nach Österreich zog. In der benachbarten Alpenrepublik, in der weniger strenge Corona-Maßnahmen gelten als in Berlin, halten die Eisernen ihr zehntägiges Trainingslager ab. Am Sonntag äußerte sich Präsident Dirk Zingler vor Ort in einer Medienrunde.

Dirk Zingler über:

… die Testspiele in Tirol gegen Kiew (1:1) und Nizza (2:0) vor je etwa 400 bis 600 Fans, die ein Stück Normalität boten, und die im Vergleich zu Deutschland weniger strengen Corona-Maßnahmen in Tirol:

"Wir tragen keine Maske im Hotel, hier brauchst du keine Distanz halten, auch im Stadion ist alles so wie früher. Das fühlt sich verdammt gut an. Da merkst du erst mal, was dir in Deutschland noch fehlt. Ich hoffe, dass wir auch zu Hause bald dahin kommen. (…) Die Bedingungen in Deutschland sind anders als in Österreich. Es sind manchmal Dinge, die mich verwundern, weil sich jede Regierung der unterschiedlichen europäischen Staaten auf wissenschaftliche Grundlagen beruft. Ich dachte immer, dass Wissenschaft länderübergreifend richtig oder falsch ist. Aber anscheinend ist das nicht so. Aber gut, wir haben die Regeln des deutschen Staates zu akzeptieren."

… die Frage, ob sich Union einer möglichen Klage in Sachen Zuschauerrückkehr anschließt:

"Wir werden das dann entscheiden, wenn die Situation entstanden ist. Es macht wenig Sinn, eine Situation spekulativ zu beurteilen und Ankündigungen zu machen. Am Ende geht es darum, dass der Staat immer wieder gut begründet unsere Grundrechte so wenig wie möglich einzuschränken hat. Da kämpft er gerade noch so ein bisschen, gerade in der Übergangssituation zwischen Schützen und Lockern, in der Phase sind wir gerade."

… die Vorgabe, dass in die deutschen Stadien 50 Prozent der Zuschauer, aber maximal 25.000 Zuschauer kommen dürfen:

"Dass wir schrittweise starten, finde ich vollkommen in Ordnung. 50 Prozent finde ich auch in Ordnung. Die Begrenzung auf 50 Prozent und maximal 25.000 Zuschauer aber ist für mich sachlich nicht begründet. Niemand begründet sachlich, warum er so entscheidet, sondern es wird einfach so entschieden. 50 Prozent und maximal 25.000 Zuschauer ist im Olympiastadion eine andere Situation als in der Alten Försterei oder bei Aki Watzke in Dortmund. Man versteht das nicht immer alles."

… die Kopplung der 50-Prozent-Regel an die Inzidenz von 35:

"Natürlich befassen sich jetzt alle damit. Ich glaube, dass es nächste Woche ein Treffen oder zumindest eine Abstimmungsrunde der Bundesländer geben wird, um das zu korrigieren und das Überfällige zu tun, nämlich die Warnwerte nicht mehr nur an die Inzidenzen zu knüpfen. Dann wird es diese 35er-Regel als isolierte Regel nicht mehr geben. Ich glaube, dass es danach mehr Planbarkeit gibt."

… die Frage, ob Union in der 22.012 Zuschauer fassenden Alten Försterei auf die Rückkehr von 11.000 Fans vorbereitet ist:

"Ja, sind wir. Aber es ist auch kein Geheimnis, dass es uns geht wie vielen anderen Veranstaltern und Gastronomen. Wir kämpfen um Arbeitskräfte für Catering, für Service. Die waren eineinhalb Jahre auf Stand-by und haben sich im Laufe der Zeit nach anderen Möglichkeiten umgeschaut. Es wird niemand zurückkommen, wenn sie Angst haben müssen, dass in drei Wochen wieder irgendwas eingeschränkt ist und wieder Kurzarbeit oder der Verlust des Arbeitsplatzes droht. Verlässlichkeit ist zwingend herzustellen, ansonsten zerstören wir Branchen."

… Befürchtungen, dass im Herbst angesichts steigender Inzidenzen alle Lockerungen wieder kassiert werden könnten:

"Ich habe die Befürchtung nicht, denn dann wäre alles, was wir heute erzählen, für die Katz. Wir wollen, dass sich die Menschen impfen, damit sie ihre Rechte zurückbekommen. Wenn wir schon wieder mit der Rechte-Rücknahme im Herbst drohen, konterkarieren wir den Prozess, den wir jetzt fördern. Das ist so widersprüchlich. Ich glaube, dass es richtig ist, dass dann, wenn die Menschen geimpft sind, das Leben wieder in die Eigenverantwortung gegeben wird und die Menschen selber entscheiden, ob sie eine Maske aufsetzen, ob sie sich in einen Raum mit 1000 eng zusammenstehenden Menschen begeben oder nicht. Wir müssen den Menschen ihre freiheitlichen Rechte zurückgeben."

… das Ausbleiben eines klaren Bekenntnisses - wie etwa in Großbritannien - zur Rücknahme aller Beschränkungen ab einem klar definierten Zeitpunkt:

"Das fasse ich mal so zusammen: Ich freue mich auf die Bundestagswahl, dass wir hoffentlich aus dem Bundeskanzleramt auch mal lösungsorientierte Äußerungen bekommen und nicht nur Verbots- und Behinderungs-Äußerungen."

Aufgezeichnet von Jan Reinold

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