Eishockey

Zeichen gegen Rassismus: Reaves geht aufs Knie

Protest in der NHL: Lehner, Seguin und Dickinson schließen sich an

Zeichen gegen Rassismus: Reaves geht aufs Knie

Ryan Reaves, Jason Dickinson, Tyler Seguin & Robin Lehner

Zeichen gegen Rassismus: Vegas' Ryan Reaves und Robin Lehner sowie Dallas' Jason Dickinson und Tyler Seguin gingen bei der Nationalhymne aufs Knie. Getty Images

Die NHL musste sich in den letzten Wochen reichlich Kritik gefallen lassen. Die Haltung der besten Eishockey-Liga der Welt im Bezug auf Rassismus und Polizeigewalt sei zu zögerlich gewesen. Auch hielten sich Spieler mit öffentlichen Protesten bislang zurück. Ein erstes Zeichen setzte Matt Dumba, Verteidiger der Minnesota Wild, in der Nacht von Sonntag auf Montag mit einer emotionalen Ansprache. Auch kniete er als Zeichen der Solidarität zur afro-amerikanischen Gemeinde sowie gegen Polizei-Gewalt bei der US-Nationalhymne als einziger Spieler nieder.

"Wenn du einen deiner Brüder dies machen siehst, willst du ihn unterstützen. Du willst ihn nicht da draußen alleine lassen", sagte Ryan Reaves, Stürmer der Vegas Golden Knights, und sprang in der Nacht von Montag auf Dienstag auf genau diesen Zug auf und ging vor dem Spiel gegen die Dallas Stars bei der US-Hymne aufs Knie. "Nicht jeder in diesem Land ist wirklich frei", begründete Reaves seine Aktion.

Dallas Stars - Vereinsdaten
Dallas Stars

Gründungsdatum

09.02.1966

Vereinsfarben

Grün-Silber-Schwarz-Weiß

Vegas Golden Knights - Vereinsdaten
Vegas Golden Knights

Gründungsdatum

22.06.2016

Vereinsfarben

Gold-Grau-Rot-Schwarz

NHL Round Robin - 1. Spieltag
Dallas Stars - Termine

Reaves macht den Anfang - Lehner, Seguin und Dickinson machen mit

Drei weitere Spieler nahmen sich daran ein Beispiel - wohlgemerkt drei Weiße: Vegas-Torwart Robin Lehner sowie die Dallas-Stürmer Tyler Seguin und Jason Dickinson knieten neben Reaves ab. "Es ist eine symbolische Sache, wir müssen etwas verändern", betonte Lehner, der sich vor drei Jahren noch Pro-Trump gezeigt hatte und mit einem entsprechenden Aufkleber auf seinem Helm gespielt hatte. "Das war ein Fehler, den bereue ich jetzt, nachdem ich gesehen habe, wie spaltend alles ist", erklärte der Schwede. "Es geht um Menschenrechte, nicht um Politik."

Seguin, der sich nach dem Tod von George Floyd bereits bei Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt beteiligt hatte, wurde von Reaves beim Aufwärmen angesprochen und teilte in der Kabine sein Vorhaben mit. Auch Dickinson schloss sich daraufhin an und komplettierte das Quartett. "Mein Vater kommt aus St. Kitts, einer meiner Onkel ist schwarz. Es war eine einfache Entscheidung", so der Kanadier Dickinson.

NHL als "weiße Liga" in der Kritik

Ryan Reaves, Jason Dickinson, Tyler Seguin & Robin Lehner

In voller Ausrüstung aufs Knie: Ryan Reaves, Jason Dickinson, Tyler Seguin und Robin Lehner (v.l.n.r.). Getty Images

Die NHL gilt nach wie vor als "weiße Liga", denn mehr als 95 Prozent der 700 Spieler in der NHL sind weiß. Das Rassismus-Thema nahm 2020 an Fahrt auf, auch weil der ehemalige NHL-Spieler Akim Aliu schwere rassistische Vorwürfe gegen Ex-Trainer und -Mitspieler erhoben hatte. Die Liga verurteilte Rassismus daraufhin scharf, allerdings geht das vielen Spielern nicht weit genug. Evander Kane, Stürmer der San Jose Sharks, gründete etwa mit Dumba und fünf weiteren Spielern die "Hockey Diversity Alliance", weil "die Liga keine Anstrengung unternimmt, ihre eigenen schwarzen Spieler zu unterstützen", so Kane.

Zu Beginn des Re-Starts hatten sich in Vorbereitungsspielen zunächst noch die Spieler beider Mannschaften bei der Hymne vermischt, um ein Zeichen der Einheit zu setzen. Auch wirbt die NHL in den beiden "Hub Cities", den zentralisierten Spielorten für die Endrunde, unter anderem mit Schriftzügen wie "We play for Black Lives" (deutsch: "Wir spielen für schwarze Leben") in Anlehnung an die weltweite "Black Lives Matter"-Bewegung. Zuvor gab es schon Motto-Spieltage mit den Slogans "Hockey is for everyone" ("Hockey ist für alle") oder "Hockey is diversity" ("Hockey ist Vielfalt"). Festzuhalten bleibt aber auch: Von den zwölf Spielern in den "Starting-Six" sowie den vier Schiedsrichtern, die bei der Hymne auf dem Eis waren, gingen nur vier Personen aufs Knie - zwölf blieben stehen.

cru