2. Bundesliga

Zäsur am Böllenfalltor in Darmstadt: Bye bye, Gegentribüne!

Großer Abschied beim Heimspiel gegen Ingolstadt

Zäsur am Bölle: Bye bye, Gegentribüne!

Stadion am Böllenfalltor

Bald ist die Gegengerade Geschichte: Die Stehplatztribüne am Böllenfalltor wird am Wochenende verabschiedet. imago

Über dieser speziellen Tribüne gab es seit ihrer Errichtung auf Kriegsschutt des Zweiten Weltkriegs nie ein Dach, standen die Gästefans in den vergangenen Jahren immer an der Seite, von den Heimfans nur getrennt durch einen Pufferblock und schließlich ein paar notdürftig installierte, ebenfalls unüberdachte Gästesitzplätze. Weil die DFL diesen Zustand, an dem sich selten ein Fan gestört hat, partout nicht mehr dulden will, wurden bei der Stadt Darmstadt und vor allem beim SV 98 die Umbaupläne am "Bölle" beschleunigt.

Denn unmittelbar danach beginnen die Abrissarbeiten durch einen (zunächst nur für diese Tribüne beauftragten) Generalunternehmer, der anschließend auch den Bau der neuen Gegentribüne mit Stehplätzen vorn (in etwa die alte Kapazität von 4000 Stehplätzen für Lilien-Fans) und Sitzplätzen dahinter in Angriff nehmen und bis Ende 2019 fertigstellen soll. Die letzten beiden Punktspiele dieses Jahres bestreiten die Südhessen auswärts, in Aue und in Paderborn.

Zum Abschied soll die Gegentribüne noch einmal ganz in Blau und Weiß erstrahlen - mit Ausnahme des Pufferblocks, der frei bleiben muss. Da kommt es der Darmstädter Fanszene gelegen, dass in Ingolstadt ein Gegner anreist, den auswärts relativ wenige Anhänger begleiten. Sie werden aus dem regulären Gästeblock auf Sitzplätze auf der Nordtribüne verfrachtet - und den Lilien-Fans steht diesmal zum Sonderpreis der Gästeblock zur Verfügung.

Wer sich auch nach der Zeremonie am Samstag nicht ganz von der altbackenen, unkomfortablen und gerade deshalb zum Kult gewordenen Tribüne trennen mag, kann sich am Tag nach dem Ingolstadt-Spiel noch seinen Teil retten: Die Fan- und Förderabteilung des SV 98 organisiert zusammen mit Verein und Baufirma die "Rettung" der 100 Wellenbrecher, Bruchstücke der Stufen und Zäune und sogar Teile der Regenabfluss-Gitter (hierfür mussten sich die Interessierten bis Donnerstag anmelden). Zumindest als außergewöhnliche Gartendeko wird die Gegengerade des alten Bölle in der Region also weiterleben.

Jens Dörr