Bundesliga

Frankfurts Younes im kicker: "Ein bisschen Genugtuung schwingt mit"

Frankfurts Offensivspieler im kicker-Interview

Younes: "Ein bisschen Genugtuung schwingt mit"

Dribbelkünstler Amin Younes blüht bei Eintracht Frankfurt wieder auf.

Dribbelkünstler Amin Younes blüht bei Eintracht Frankfurt wieder auf. imago images

Die Nominierung durch Bundestrainer Jogi Löw für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele bedeutet für den 27-Jährigen den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die längst noch nicht zu Ende sein soll.

Rar gewordene Spezies

Dass er zu einer gerade im deutschen Fußball rar gewordenen Spezies gehört, ist ihm bewusst. Und ebenso, dass Spielertypen wie er häufig vermisst werden. Auf seine Klasse im Eins-gegen-eins, auch für Löw ein erklärtes Qualitätskriterium, möchte sich Younes aber tunlichst nicht reduzieren lassen. "Irgendwie nervt es mich ein bisschen, immer darauf angesprochen zu werden." Denn: "Zum Fußball gehört für mich mehr. Deshalb versuche ich, wie jeder bei uns, auch gut gegen den Ball zu arbeiten", stellt der Frankfurter klar. "Ich versuche, vielfältig zu sein, um der Mannschaft zu helfen."

Wäre ich in Deutschland geblieben, weiß ich nicht, ob es genauso gelaufen wäre.

Amin Younes

Den gerade in Deutschland oft beklagten Mangel an Dribblern wie ihm führt Younes derweil auf bestimmte Defizite in der Ausbildung zurück: "In Deutschland will man vielleicht zu oft denselben Spielertypen: taktisch gut, sauber im Passspiel von A nach B. Aber: Wer dreht auf, wer geht am Gegner vorbei, wer macht ungewöhnliche Dinge? Das entwickelt sich nur, wenn du es auch zulässt."

Spezieller Dank an Horst Hrubesch

Mut zum Risiko und Geduld, so Younes' Diagnose, fehlten Nachwuchsverantwortlichen zu häufig. Er selbst habe seine Entwicklung unterdessen zu einem Gutteil seinem ehemaligen Junioren-Nationaltrainer Horst Hrubesch zu verdanken: Der habe ihn "extrem gefördert". Ausschlaggebend für seinen weiteren Karriereverlauf sei schließlich der Wechsel zu Ajax Amsterdam 2016 gewesen. Sein persönlicher Spielstil habe "genau in die Philosophie des Vereins gepasst", zudem habe er sich in den Niederlanden dank gezielter individueller Förderung "wahrscheinlich auch meine heutige Bissigkeit und Aggressivität angeeignet". Younes Fazit: "Wäre ich in Deutschland geblieben, weiß ich nicht, ob es genauso gelaufen wäre."

Verbleib in Frankfurt "würde an mir nicht scheitern"

In Frankfurt habe er nun aber auch eine ideale Anlaufstelle gefunden. Weshalb es "an mir nicht scheitern würde", sollte die Eintracht bereits in diesem Sommer oder spätestens 2022 die mit Neapel ausgehandelte Kaufoption ziehen. Im Verlauf seiner Karriere, räumt der Profi ein, hätten nach diversen Negativschlagzeilen zwischenzeitlich "die Vereine nicht unbedingt Schlange gestanden". Weshalb aktuell "schon ein bisschen Genugtuung mitschwingt, es einigen Menschen zu zeigen, dass sie falschliegen".

Warum sich Younes am Main praktisch auf Anhieb heimisch fühlte, was ihn mit Trainer Adi Hütter verbindet, warum ihn sein aktueller Coach an einen früheren Ajax-Trainer erinnert und welche Ambitionen er mit der Eintracht verfolgt, lesen Sie im kicker (Montagausgabe oder hier im e-Magazine).

Thiemo Müller