2. Bundesliga

Wüstefeld - wann reagiert der HSV-Aufsichtsrat?

Neue schwere Vorwürfe gegen den Vorstand fügen dem Klub Schaden zu

Wüstefeld - wann reagiert der HSV-Aufsichtsrat?

HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld (li.) und Aufsichtsratsboss Marcell Jansen.

HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld (li.) und Aufsichtsratsboss Marcell Jansen. picture alliance / Eibner-Pressefoto

"Spiegel" berichtet über Millionenklagen

Die Enthüllungen des "Spiegel" sind brisant. Und klingen doch so vertraut. Regelmäßig berichtet das Nachrichtenmagazin schon von Vorwürfen gegen den 53-jährigen Interimsvorstand innerhalb der Medizinbranche, und eigentlich immer geht es um dubiose Geschäfte. "Vor dem Landgericht werden bald mehrere Millionenklagen gegen ihn und seine Firmen verhandelt", heißt es in dem Artikel. Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Untreue bestätigt. Unter dem Aktenzeichen 415 HKO 44/21 verhandelt das Landgericht Hamburg einen Wettbewerbsverstoß. Außerdem berichtet der "Spiegel", die Justizbehörde gehe dem Verdacht nach, der HSV-Boss habe illegal Arzneimittel verkauft. Er soll vor drei Jahren in die Produktion von Cannabisprodukten eingestiegen sein und diese als Medizinprodukte angeboten haben.

Nach den letzten Enthüllungen vor einem Monat hatte Hamburgs Aufsichtsratsboss Marcell Jansen den Vorstand gestützt mit der Aussage, dies alles habe ja nichts mit dem HSV zu tun - doch auch klubintern hat Wüstefeld für weiteren Wirbel gesorgt: Er hat im Juni einen Report verfasst über den von ihm angestrebten Transformationsprozess, diesen den Gesellschaftern und Aufsichtsräten zugestellt, nicht aber mit seinem Vorstandskollegen Jonas Boldt abgestimmt. Hintergrund: Wüstefeld, bislang mit dem Sportvorstand gleichgestellt, strebt den Posten des Vorsitzenden über Boldt an: "Ich stehe auch nur in dieser Funktion und Rolle zur Verfügung."

Keine Entscheidung vor der WM-Pause

Jansen, der mit Wüstefeld vor dessen HSV-Einstieg zunächst als Gesellschafter, geschäftliche Beziehungen hatte, hat bislang erklärt, vor der WM-Pause im November keine Personalentscheidungen treffen zu wollen: Wüstefelds Vorstandsmandat endet mit dem Jahreswechsel, Boldts Vertrag läuft am 30. Juni 2023 aus. Ein professionelles Miteinander zwischen beiden Vorständen ist bereits seit Wochen nicht mehr möglich, mittlerweile kommt auch der Ex-Profi, wenn er seinem Kontrollauftrag seriös nachgehen will, nicht an der Erkenntnis vorbei, dass die ständigen Schlagzeilen eine massive Belastung für den HSV sind.

Wüstefeld verweist auf Kampagne von Wettbewerbern

Und Wüstefeld? Der versichert zum wiederholten Mal, dass an den Gerüchten nichts dran sei, und dass es sich um eine Kampagne von Wettbewerbern handelt. Sein Problem ist: Es gibt nicht nur Anschuldigungen von einer Seite, sondern vergleichbare Vorwürfe aus eigentlich allen Richtungen. Die daraus resultierenden Schlagzeilen kann der HSV-Aufsichtsrat nicht länger ignorieren, wenn er Schaden vom Verein abwenden will. 

Sebastian Wolff