2. Bundesliga

Wüstefeld rät: Hamburger SV sollte Boldt und Walter halten

Am Tag nach dem Scheitern formuliert der HSV-Boss den Aufstieg als klares Saisonziel

Wüstefeld rät: Weiter mit Boldt und Walter

Will an Tim Walter und Jonas Boldt festhalten: Dr. Thomas Wüstefeld.

Will an Tim Walter und Jonas Boldt festhalten: Dr. Thomas Wüstefeld. IMAGO/Philipp Szyza

Bei seiner Entsendung aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand im Januar hat Dr. Thomas Wüstefeld angekündigt, alle Vorgänge zu durchleuchten, um dem Kontrollgremium detailliert zu berichten. Noch diese Woche, voraussichtlich am Donnerstag, wird der Rat zusammenkommen und der HSV-Boss machte am Dienstagmorgen nach dem geplatzten Aufstiegstraum klar: Er wird für den nächsten Angriff mit Jonas Boldt und Tim Walter plädieren.

Die Nacht im Volkspark war lang. Bis 3 Uhr früh hatte der 53-jährige Medizinunternehmer noch in verschiedenen Konstellationen Gesprächsrunden geführt, am Morgen danach trat er dann vor die Presse und bezog klar Stellung: "Wenn ich vom Aufsichtsrat gefragt werde, werde ich sagen, wir sollten in dieser Konstellation in die neue Saison gehen."

"Wir wollen raus aus dieser Liga"

Und das mit einem klarer definierten Ziel als in der abgelaufenen. Da hatten sich die sportlichen Verantwortungsträger dem Motto Entwicklung verschrieben. Für Wüstefeld kann es nach dieser und dem 3. Platz nur um den Aufstieg gehen. "Wir sollten das Ziel formulieren, aufzusteigen. Mit Schalke und Werder sind zwei Hochkaräter weg. Wir wissen zwar, dass die Liga aufrüstet, dass etwa Hannover mächtig Gas gibt." Er nennt auch Düsseldorf, sagt aber: "Wir sind ein Favorit und sollten klare Signale senden."

Wüstefeld hat die Aufbruchstimmung in den zurückliegenden Wochen vernommen, fürchtet aber auch, dass weniger attraktive Heimspiele als zuletzt das Pokal-Halbfinale gegen Freiburg, das letzte Liga-Heimspiel gegen Hannover oder der Relegations-Kracher gegen Hertha auch wieder einen deutlich leereren Volkspark bedeuten könnten. "Wir müssen die Leute mobilisieren, und das wird im fünften Zweitligajahr nicht einfach. Deshalb denke ich, es ist für das Umfeld sehr wichtig, dass wir ein klares Ziel rausgeben." Einen Rüffel seines für den Sport zuständigen Vorstandskollegen hat er nicht zu befürchten. Schon Boldt hatte unmittelbar nach dem Scheitern am späten Montagabend gesagt: "Wir wollen raus aus dieser Liga."

Vagnoman ein Verkaufskandidat

Um im fünften Anlauf endlich ans Ziel zu kommen, sollen nicht nur die Verantwortlichen die gleichen bleiben, sondern auch die Leistungsträger. Josha Vagnoman, amtierender U-21-Nationalspieler, aber auch aufgrund von Verletzungen nicht gesetzt, könnte ein Verkaufskandidat sein, um Einnahmen zu erzielen, Eckpfeiler wie Top-Torjäger Robert Glatzel indes sollen auch bei Angeboten gehalten werden. "Das klare Ziel ist, dass wir standhaft bleiben. Wir wollen die Mannschaft zusammenhalten und nach vorn hin verstärken", sagt Wüstefeld.

Damit einhergehen soll nach Möglichkeit auch eine leichte Aufstockung des Etats. Seit dem Abstieg 2018 hatte der HSV das Budget um 30 Prozent reduziert, war im abgelaufenen Jahr nicht mehr der Finanzkrösus. Jetzt soll der Sport wirtschaftlich gestärkt werden und auf anderen Feldern eingespart oder auch Ressourcen besser ausgeschöpft werden. Wüstefeld sagt nach fünf Monaten im Amt: "In den letzten Jahren hat der HSV nicht alles herausgeholt, was die Marke hergibt. Meine Pläne werde ich dem Aufsichtsrat vorstellen." Und er kündigt an: "Es wird eine intensive Veranstaltung, denn es wird die eine oder andere Neuheit geben."

Nur im sportlichen Bereich nicht. Der HSV wird auf diesem Sektor das erste Mal ohne Veränderungen in die nächste Zweitligasaison gehen.

Sebastian Wolff

Von 1,5 bis 6: Alle Noten zu HSV-Hertha