2. Bundesliga

HSV-Kommentar: Wüstefeld ist nicht mehr tragbar, Jansen beschädigt

Kommentar

Wüstefeld ist nicht mehr tragbar und Jansen beschädigt

HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld sieht sich immer neuen Anschuldigungen gegenüber.

HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld sieht sich immer neuen Anschuldigungen gegenüber. IMAGO/MIS

Die Fähigkeit, eine Wagenburg um seine Mannschaft herum zu errichten, hatte Trainer Tim Walter schon zum Ende der vergangenen Saison nachgewiesen, als es hör- und spürbar unruhig geworden war in Hamburg. Dass der HSV gegen Düsseldorf den erneuten Schlagzeilen um Anklagen gegen Vorstand Thomas Wüstefeld die mit Abstand beste Saisonleistung folgen ließ, deutet darauf hin, dass ihm dies aktuell wieder gelingt.

Die Schlussfolgerung, alles könne also wie geplant zumindest bis zur WM-Pause im November so weiterlaufen, wäre dennoch töricht. Es kann nicht weitergehen in dieser personellen Konstellation, spätestens nach den neuen Vorwürfen ist der Aufsichtsrat des HSV zum Handeln gezwungen.

Die Unschuldsvermutung für Wüstefeld gilt selbstredend, bis das Gegenteil bewiesen ist. Die Häufung der Schlagzeilen und Vorwürfe gegen ihn aus allen Richtungen aber machen, zumindest zu diesem Zeitpunkt, ein geräuschloses und konstruktives Weiterarbeiten unmöglich. Und die Agenda ist vollgepackt mit Themen: Der HSV hat die Stadionsanierung immer noch nicht durchfinanziert, und es wirkt wie blanker Hohn, wenn Wüstefeld einerseits bei der Stadt um eine Bürgschaft kämpft und andererseits Pläne für ein 200-Millionen-Euro- Projekt im Volkspark öffentlich macht.

Es passt wiederum zu den Widersprüchen, die sich rund um den Medizinunternehmer häufen: Er will den HSV bei potenziellen Geldgebern seriös und solide erscheinen lassen, gleichzeitig erschüttern die Vorwürfe aus der Medizinbranche und Zweifel an seinem Doktortitel seine Glaubwürdigkeit massiv; er will den HSV finanziell gesunden lassen, kämpft aber in seiner Rolle als Gesellschafter darum, dass das Unternehmen niedriger bewertet wird, damit der Kaufpreis für seine Anteile gegenüber Klaus-Michael Kühne sinkt.

Die Personaldiskussion im Kontrollorgan des HSV dürfte nicht bei Wüstefeld enden

Wenn Marcell Jansen als Aufsichtsratsboss wirklich weiterhin glauben machen will, das alles habe mit dem HSV nichts zu tun, so ist das entweder naiv oder aber eine Verletzung seiner Pflicht als Ober-Kontrolleur. Als Mitte August die ersten Millionenklagen gegen Wüstefeld öffentlich geworden sind, hatten der Interimsvorstand und der Aufsichtsrat noch die Möglichkeit, einen eleganten Abgang zu inszenieren. Zum Beispiel, Wüstefelds Amt ruhen zu lassen, zumindest solange die Vorwürfe im Raum stehen. Diese Chance haben beide Seiten verpasst. Zu massiv ist der Schaden, den der HSV durch die immer neuen Anschuldigungen gegen den Boss nimmt.

Hinzu kommt: Durch das Festhalten an seinem Vorstand und einstigen Geschäftspartner Wüstefeld ist auch Jansen inzwischen schwer beschädigt. Um nachhaltig Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen, dürfte die Personaldiskussion im Kontrollorgan des HSV nicht bei Wüstefeld enden. Sie müsste über den Vorsitzenden des eigenen Gremiums zumindest kontrovers geführt werden.

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