2. Bundesliga

1. FC Köln | Wolf: "Wir wollen den Teufelskreis durchbrechen"

Sportchef Keller umreißt das Trainerprofil

Wolf: "Wir wollen den Teufelskreis durchbrechen"

Kölns Präsident Werner Wolf

Kölns Präsident Werner Wolf IMAGO/Beautiful Sports

Der Rechtfertigungsdruck auf die handelnden Personen ist vermutlich selten so groß wie nach einem Abstieg. Kein Wunder also, dass sich die Führung des 1. FC Köln erklären möchte. Dafür hat sie sich für ein Format mit drei Podcastfolgen entschieden - und beginnt in der letzten Episode, in der es eigentlich um die zukünftige Ausrichtung des Klubs gehen soll, mit einer kleinen Rückschau.

"Der Patient 1. FC Köln war in der Pandemie in akuter Lebensgefahr", betont etwa Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff, der im Januar 2022 ans Geißbockheim wechselte und zuvor für SAP, Red Bull und Birkenstock tätig war. "Eine Situation mit großer Gefahr" sei das gewesen: Das Eigenkapital war nahezu aufgezehrt, es hatten sich Schulden aufgetürmt, die Kreditwürdigkeit des Klubs war schlecht und langfristig vereinbarte Sponsoreneinnahmen waren bereits vorzeitig verbraucht worden.

Wolf will investorenfrei bleiben

Für die Führungsriege um Türoff, Sport-Geschäftsführer Christian Keller und Präsident Werner Wolf Anlass genug, um den Verein anders auszurichten - nach ihren Vorstellungen. "Wir stehen für einen selbstbestimmten, investorenfreien und mitgliedergeführten FC", beschreibt Wolf und legt besonderen Wert darauf, ohne externe Geldgeber auszukommen. "Wenn ich zehn oder zwanzig Prozent des Vereins an Investoren verkaufe, würde ich vielleicht das nötige Geld bekommen", sagt der Klubboss, erklärt aber auch: "Ich brauche dieses Geld aber jedes Jahr. Wir müssen uns so aufstellen, dass es in jedem Jahr reinkommt." Nur dann könne der 1. FC Köln nachhaltig unter den ersten zehn Mannschaften in der Bundesliga mitspielen.

Nun ist der FC aber erst mal in die 2. Liga abgestiegen. "Rein wirtschaftlich ist uns einiges gelungen", versucht sich Wolf an einer positiven Deutung der vergangenen Saison und erklärt, wieso angesichts des sportlichen Desasters mit zweifellos auch wirtschaftlichen Folgen - wie Mindereinnahmen von etwa 40 Millionen Euro - niemand aus der Führung zurücktrat.

"Hin schmeißen und wegrennen gilt nicht", sagt Wolf, der noch heute Auswirkungen der Amtszeiten seiner Vorgänger Wolfgang Overath (2004 - 2011) und Werner Spinner (2012 - 2019) erkennen will. "Wir stehen dafür, den Teufelskreis aus kurzfristigem Handeln zugunsten einer langfristigen Perspektive zu durchbrechen."

Der neue Coach muss mit den Medien können

Deswegen heißt es - zumindest personell - erst mal "weiter so" am Geißbockheim. Eine Ausnahme ist die Trainerposition, die Keller nach dem Aus von Timo Schultz neu besetzen muss. Wer der Nachfolger sein wird, steht noch nicht fest, Keller hat sich im Findungsprozess allerdings bereits auf eine Handvoll Kandidaten reduziert und dürfte auf der Zielgeraden der Entscheidungsfindung sein.

Die Eckdaten der Kölner Vorbereitung

  • Freitag, 21. Juni: Leistungsdiagnostik
  • Montag, 24. Juni: Voraussichtlicher Trainingsauftakt am Geißbockheim
  • Freitag, 5. Juli: Testspiel bei den Sportfreunden Siegen (16 Uhr)
  • 2. - 4. August: Erster Spieltag 2. Liga

Abseits so allgemeingültiger Anforderungen wie Identifikation mit dem Standort Köln und der Spielidee des Klubs soll der oder die Neue explizit auch mit jungen Spielern umgehen können - und eine gewissen "Medienkompetenz mitbringen. Das ist ganz wichtig am Standort Köln."

Der Abstieg wäre vermeidbar gewesen

Wie wichtig seine Entscheidung ist, weiß Keller. "Wir sind ein Fußballklub. Das Wichtigste, das wir produzieren, ist das Ergebnis auf dem Platz. Und das war nicht gut - milde ausgedrückt." Die Entschuldung des Klubs sei zwar ein großer Erfolg, der Preis dafür allerdings hoch. "Dazu gehört die Balance mit der sportlichen Perspektive", sagt der Geschäftsführer und gibt zu: "Das ist ein Fehler, den wir uns vorwerfen lassen müssen. Es wäre möglich gewesen, dass in Balance mit den anderen Punkten am Ende der Ligaerhalt steht."

Nun soll innerhalb der kommenden beiden Saisons der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelingen. In zwei Wochen geht es für die Profis bereits wieder los am Geißbockheim, vorher steht kommende Woche noch der Mitgliederstammtisch an, bei dem die Bosse den Mitgliedern Rede und Antwort stehen werden. Keller: "Ich wäre froh, wenn es uns gelingt am 12. Juni Aufbruchstimmung zu erzeugen."

Jim Decker

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