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Wohlfühloase statt Vakuum: Griezmanns Abschied wirft Fragen auf

Wie reagieren die Barça-Fans auf seine Worte?

Wohlfühloase statt Vakuum: Griezmanns Abschied wirft Fragen auf

Raus aus dem Nebel, zurück ins Rampenlicht: Antoine Griezmann.

Raus aus dem Nebel, zurück ins Rampenlicht: Antoine Griezmann. Getty Images

So richtig prominent wurde der Name Griezmann nicht gehandelt in diesem Sommer-Transferfenster. Erst am frühen Abend des "Deadline Day" sickerten erste Informationen durch: Griezmanns Rückkehr zu Atletico - das wird immer konkreter.

Kurz vor Transferschluss hieß es dann von Seiten der "Marca", der Transfer habe sich womöglich zerschlagen, der geplatzte Wechsel von Atleticos Saul Niguez zu Chelsea die Folgetransfers blockiert. Auch Sevilla-Stürmer Luuk de Jong könne in diesem Fall nicht zu den Katalanen wechseln. Erst um 1.25 Uhr machte Barça den Griezmann-Deal offiziell, die Verpflichtung von de Jong wurde mitten in der Nacht, um 3.34 Uhr, vermeldet.

Griezmann ist "dankbar", "traurig" und "stolz"

Am Mittwochmittag verabschiedete sich Griezmann via Social Media von den Barcelona-Fans. "Dankbar" sei er für die ihm entgegengebrachte Herzlichkeit. "Ich habe alles in diesem Trikot gegeben, mich für diesen Klub engagiert." Er sei aber auch "traurig, den Leuten in der Kurve nicht noch mehr Freude bereitet zu haben", schrieb der 30-Jährige. Dennoch sei er "stolz, einer von euch gewesen zu sein".

Offenbar aber nicht stolz genug, um den Katalanen treu zu bleiben. 2018 hatte er einen Wechsel von Atletico zu Barcelona noch bedeutungsschwanger im 32-minütigen Dokumentarfilm "La Decision" abgelehnt. Selbst seine Eltern seien "verärgert" über diese Art der Selbstdarstellung gewesen, räumte "Griezi" später ein. Im Sommer 2019 wechselte der Franzose dann doch zu Barça, für satte 120 Millionen Euro.

Bei Valdano den Frust von der Seele geredet

Nach zwei Jahren kehrt er wieder zurück, so richtig angekommen ist er ja sowieso nie bei der Blaugrana. Im November 2020 suchte er mal wieder den Weg in die Medien. Im TV-Interview mit Jorge Valdano sprach er über die Erwartungshaltung ("Immer, wenn etwas passiert, wird über mich geredet"), seine Probleme ("In anderthalb Jahren hatte ich drei Trainer, das ist nicht einfach") und die Kritik an seiner Person ("Die Journalisten sollen mir nicht ständig mit dem Stock eins überziehen und mich etwas in Ruhe lassen").

Griezmann hatte sich den Frust von der Seele geredet. Würde er nun befreit aufspielen, womöglich eine Trotzreaktion zeigen? Nicht wirklich. Seine Leistungen blieben wacklig, Tore selten. 26 gelangen ihm letztendlich in 90 Spielen für Barça. Nicht zu vergleichen mit der Quote bei Atletico (120 in 237 Spielen).

Mit Lionel Messis Abschied bot sich für Griezmann die nächste Chance für den späten Durchbruch, der Franzose hätte schließlich das Vakuum füllen können, das der Superstar hinterlassen hat. Stattdessen spielte sich aber Neuzugang Memphis Depay in den Vordergrund, zwei Tore und eine Vorlage gelangen ihm in den ersten drei Partien. Griezmann  blieb ohne Scorerpunkt.

Ergeht es Griezmann wie Umtiti?

Durchbeißen wollte er sich offenbar nicht mehr, er wählte den einfachen Weg. Und so wirkt sein Abschied ein wenig wie eine Flucht Richtung Wohlfühloase Atletico. Die Rojiblancos dürften sich sowieso ins Fäustchen lachen, die Kaufoption beträgt schließlich "nur" 40 Millionen Euro, sie haben ihren Schnitt gemacht. In der vergangenen Saison hatte Luis Suarez nach seinem Wechsel von Barcelona maßgeblich zum Meisterschaftstitel beigetragen. 

Suarez erfreut sich trotzdem nach wie vor einer gewissen Beliebtheit bei den Barça-Fans. Ob Griezmann bei ihnen mit seinen warmen Worten Gehör findet, ist anzuzweifeln. Samuel Umtiti wird, selbst wenn er sich nur aufwärmt, seit Wochen ausgepfiffen, weil er sich nicht verkaufen ließ, um finanziellen Spielraum für Messis Verbleib zu schaffen.

Barças Transfers lassen tief blicken

Auf einen allzu warmen Empfang sollte sich Griezmann, der (zu) Spätentschlossene, also nicht einstellen beim nächsten Besuch im Camp Nou (Atletico wird dort Anfang Februar 2022 vorstellig). Es sei denn, es kommt doch noch ans Tageslicht, dass die mit 1,2 Milliarden verschuldeten Katalanen schlicht auf die Gehaltseinsparungen angewiesen waren, um die diversen Vorgaben von La Liga erfüllen zu können - was Barça dann auch dementsprechend deutlich kommunizieren sollte.

Dass der Kultklub am letzten Tag des Transferfensters auch Ilaix Moriba (für 15 Millionen zu RB Leipzig) und Emerson Royal (für 25 Millionen Euro zu Tottenham) abgeben musste und dafür "nur" de Jong holte, lässt jedenfalls tief blicken. 

So oder so: Griezmann und Barcelona, das passte einfach nicht. Sein Vertrag bei den Katalanen läuft noch bis 2024, theoretisch könnte er im kommenden Jahr oder 2023 nochmal zurückkehren. In seinen Abschiedsworten klingt aber eines besonders deutlich hervor: Endgültigkeit.  

Christoph Laskowski

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