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WM-Organisatoren geben Ausbeutung von Arbeitern in Katar zu

Amnesty erhebt erneut Vorwürfe in Richtung Weltmeisterschaft 2022

WM-Organisatoren geben Ausbeutung von Arbeitern in Katar zu

Die FIFA-Weltmeisterschaft in Katar, die Ende dieses Jahres steigt, wird nach wie vor kritisch beäugt.

Die FIFA-Weltmeisterschaft in Katar, die Ende dieses Jahres steigt, wird nach wie vor kritisch beäugt. IMAGO/Schüler

Nach erneuten Vorwürfen von Amnesty International haben die WM-Organisatoren in Katar die Ausbeutung von Arbeitern bei mindestens zwei Fußball-Turnieren zugegeben. Drei Firmen hätten sich in mehreren Bereichen nicht an Regeln gehalten, hieß es in einer Stellungnahme des WM-Organisationskomitees. Diese Verstöße seien "absolut inakzeptabel" gewesen. Die Menschenrechtsorganisation hatte zuvor einen Bericht veröffentlicht und privaten Sicherheitsfirmen in Katar darin die Ausbeutung von Arbeitsmigranten vorgeworfen.

In ihrem jüngsten Bericht von diesem Mittwoch prangert die Organisation "schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen" im privaten Sicherheitssektor an, "die teilweise Zwangsarbeit entsprechen". So hätten diese Menschen gegen ihren Willen und unter Androhung von Strafen ihre Arbeit verrichten müssen. "Manche von ihnen mussten bis zu 84 Wochenstunden arbeiten - und das mit dem Wissen der katarischen Regierung", kritisierte die Menschenrechtsorganisation.

Den WM-Organisatoren zufolge kam es während der Klub-WM 2020, die damals Bayern München gewann, und des Arabien-Pokals 2021 zu Verstößen bei den drei Firmen. Diese hätten "zu einer Reihe von Maßnahmen geführt, darunter das Platzieren von Auftragnehmern auf Beobachtungslisten oder schwarzen Listen, um zu verhindern, dass sie bei zukünftigen Projekten arbeiten - inklusive der FIFA-Weltmeisterschaft - bevor diese Auftragnehmer dem Arbeitsministerium für weitere Untersuchungen und Strafen gemeldet wurden".

Das Organisationskomitee unternehme alles, um die Arbeiter zu schützen.

Das offizielle abgeschaffte Kafala-System

Amnesty berief sich für den neuen Bericht auf Gespräche mit Personal von acht Sicherheitsfirmen. Darin beklagen Mitarbeiter, ihnen würden freie Tage und Urlaub vorenthalten. "Wir arbeiten von Januar bis Januar, von Sonntag bis Sonntag, kein freier Tag", zitiert die Organisation einen Wachmann aus Uganda. Anderen Mitarbeitern sei der Lohn gekürzt worden, wenn sie wegen Krankheit nicht arbeiten konnten.

Dem reichen Emirat werden immer wieder die Ausbeutung von Arbeitsmigranten und andere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Katars Regierung weist die Vorwürfe zurück und führt dabei Reformen an. So sei das Kafala-System abgebaut worden. Dieses bindet ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen wie einen Arbeitgeber und öffnet Ausbeutung häufig Tür und Tor. In Katar können Migranten laut Gesetz ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers ausreisen oder den Job wechseln.

Menschenrechtler kritisieren, offiziell sei das Kafala-System zwar abgeschafft, "de facto" aber noch da.

"Unsere Erkenntnisse zeigen erneut, dass die katarische Regierung nicht ernsthaft darum bemüht ist, ihre eigenen Gesetze umzusetzen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die sie brechen", sagte Katja Müller-Fahlbusch von Amnesty. Sie fordert eine Entschädigung der von Zwangsarbeit betroffenen Arbeiter durch den Weltverband. Was die FIFA bislang getan habe, "reicht nicht aus".

Die Fußball-WM beginnt am 21. November und geht bis zum 18. Dezember. Als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen waren in den vergangenen Monaten immer wieder Rufe nach einem Boykott laut geworden.

mag/dpa/sid