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WM 2018 und 2022: 53 Verdachtsfälle von Geldwäsche

Aufklärung der Korruptionsvorwürfe erst nach den Turnieren?

WM 2018 und 2022: 53 Verdachtsfälle von Geldwäsche

Im Zentrum des Interesses: Bundesanwalt Michael Lauber bei der Pressekonferenz in Bern.

Im Zentrum des Interesses: Bundesanwalt Michael Lauber bei der Pressekonferenz in Bern. imago

Schon länger werden stimmberechtigte Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees verdächtigt, mitunter hohe Geldsummen aus den Veranstalterländern erhalten zu haben - diesbezüglich hatte auch der inzwischen zurückgetretene FIFA-Chefermittler Michael Garcia einen umfangreichen Bericht verfasst, der vom Weltverband bislang noch nicht veröffentlicht worden war.

Um welche Transaktionen und um welche Geldsummen es sich handelt, verriet Lauber nicht. Der Fall sei "groß und komplex" und könne sich lange hinziehen - vielleicht sogar zum Schrecken der Fußballfans bis nach den Turnieren, die Ermittlungen rund um die WM-Vergaben an Russland und Katar könnten noch "Monate oder Jahre" in Anspruch nehmen. Insgesamt müssten neun Tera-Bytes an Daten analysiert werden. "Diese Untersuchung wird länger gehen als die berühmten 90 Minuten", ergänzte der Jurist. Einen Zeitplan konnte er nicht geben. "Der Zeitplan der FIFA ist mir völlig egal. Mich interessiert nur das Strafverfahren. Ich mache keine Politik." Einer der Hauptverdächtigen ist das frühere Exekutivkomitee-Mitglied Ricardo Teixeira (Brasilien), der einem Bericht des Londoner Internet-Portals "insideworldfootball" zufolge 30 Millionen Euro aus Katar erhalten haben soll.

Bisher nahm die FIFA von einer Neuvergabe der Turniere Abstand und hatte lediglich von möglichen Vergehen einzelner Personen gesprochen. Russland und Katar hatten die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Nun könnte aber Bewegung in die Angelegenheit kommen. Bisher seien zehn Personen verhört worden. Dazu zählen sieben FIFA-Funktionäre, die zum Zeitpunkt der WM-Vergaben im Exekutivkomitee saßen. Lauber schloss nicht aus, dass womöglich auch FIFA-Präsident Joseph Blatter und Generalsekretär Jérôme Valcke noch befragt werden.

Lauber: "Fühle mich nicht am Gängelband der USA"

Der Bundesanwalt, der gemäß den Schweizer Gesetzen wegen "ungetreuer Geschäftsbesorgung" ermittelt, gab aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details über die Untersuchungen bekannt. Die Gefahr, dass durch Veröffentlichungen Beweismaterial verloren gehen könnte, ist laut Lauber zu groß. Dass sich angeblich auch das FBI und die US-Staatsanwaltschaft mit den Vergaben beschäftigen, sieht Lauber nicht als zusätzlichen Druck: "Ich fühle mich überhaupt nicht am Gängelband der USA."

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Die FIFA selbst hatte im November 2014 Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Lauber gab an, dass die FIFA deswegen nach wie vor als Geschädigter gelte. Diese Einschätzung könne sich im Lauf der Ermittlungen aber noch ändern. Derzeit stehen nur Untersuchungen wegen der WM-Vergaben 2018 und 2022 an, diese könnten aber auch ausgeweitet werden. "Das ist ein dynamischer Prozess. Es könnte in jede Richtung gehen", sagte Lauber. Im Zuge der US-Ermittlungen war eine ominöse Geldzahlung von zehn Millionen Euro von 2010-Gastgeber Südafrika an den CONCACAF-Verband bekanntgeworden. Südafrika hatte Vorwürfe des Stimmenkaufs zurückgewiesen.

Am Rande des FIFA-Kongresses Ende Mai waren sieben hochrangige Fußball-Funktionäre festgenommen worden. Die US-Justiz ermittelt derzeit gegen 14 Personen wegen Korruption, Verschwörung und organisierten Verbrechens.

dpa/sid/las