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"Wird Millionen kosten" – FM integriert Frauenfußball-Ligen

Quest für mehr Gleichberechtigung im Fußball

"Wird Millionen kosten": Football Manager integriert alle Frauenfußball-Ligen

Der Football Manager integriert Frauenligen. Wie lange das dauern soll? Bisher unbekannt.

Der Football Manager integriert Frauenligen. Wie lange das dauern soll? Bisher unbekannt. Sports Interactive

Sports Interactive (SI) und SEGA haben heute verkündet, ihre Football Manager (FM)-Serie um Frauenfußball zu erweitern. Das Ergebnis dieser auf mehrere Jahre angelegten Arbeit soll jedoch kein eigenständiges Spiel werden, sondern in den Football Manager integriert werden. Das Ziel soll es sein, dass Spielerinnen und Spieler sowohl Männer- als auch Frauenvereine übernehmen und "reibungslos" zwischen beiden wechseln können.

Was auf dem ersten Blick wie eine Nachahmung von Gerald Köhlers Ansatz in We Are Football (WAF) anmutet, verspricht deutlich mehr. In WAF kann man schon seit vergangenem Monat in der voll lizenzierten Frauenbundesliga managen.

Vollständige Integration in FM

Sports Interactive plant allerdings größer: "Wir wollen mit etwa 10-15 Ligen starten, aber letztlich jede Frauen-Fußball-Liga im Spiel haben", sagt Tina Keech, Research Team Lead, die für das neue Projekt mitverantwortlich ist. Dafür soll dieselbe Detailtreue angelegt werden wie für die Version der Männer. Das würde zum Beispiel einen hohen Scouting-Aufwand bedeuten, um allen Spielerinnen die richtigen Werte geben zu können.

Neu ist die Idee auch nicht, kicker eSport sprach schon 2019 mit Studio Director Miles Jacobson über das Thema. Damals stand vor allem die finanzielle Hürde der Umsetzung entgegen. Drei Millionen Britische Pfund bräuchte es für das Projekt, sagte Jacobson damals.

Und auch heute steht das Thema Geld im Mittelpunkt: "Uns ist klar, dass die Einbindung des Frauenfußballs in FM Millionen kosten und kurzfristig wenig rentabel sein wird", verkündet der Brite nun. Die Millionen werden nach Informationen von kicker eSport wohl vor allem ins Scouting, Lizenzen und einen offenbar hohen Aufwand für Neuprogrammierung und Übersetzungen in alle Sprachen gesteckt. Denn anders als WAF setzt FM auch auf echte Spielszenen. Dafür werden Spielerinnen ähnlich wie bei FIFA per Motion Capture ins Game gebracht.

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Bei FM sind auch virtuelle 3D-Spiele zu sehen. Dafür liest der Entwickler Spielerinnen per Motion Capture ein. Sports Interactive

Integration wird zur Mission

Für Jacobson mutet das neue Projekt schon fast wie eine Mission an: "Es ist einfach nicht zu bestreiten, dass der Frauenfußball derzeit noch an eine gläserne Decke stößt, und wir wollen tun, was wir können, um mitzuhelfen, diese zu durchbrechen. Wir glauben an Gleichheit für alle und wollen Teil der Lösung sein."

Emma Hayes, Manager of Chelsea

Emma Hayes unterstützt die Integration der Frauenligen in FM. Chelsea FC via Getty Images

Auch Emma Hayes, eine der bekanntesten Persönlichkeiten im englischen Frauen-Fußball und Trainerin des Chelsea FC Women, ist bei dem Projekt involviert. Gerade erst hat sie die Premier League gewonnen und sieht in der Spielintegration einen großen Schritt für den weltweiten Frauenfußball, gar die Gleichberechtigung an sich:

"Damit der Sport aber den nächsten Schritt machen kann, muss er als integraler Bestandteil der Welt des Fußballs anerkannt werden, nicht als etwas Eigenes und Anderes. Wir wollen, dass künftige Generationen in einer Welt aufwachsen, in der es keinen 'Frauenfußball' und 'Männerfußball' gibt ... sondern nur Fußball. Die ambitionierten Pläne, die das Team von Sports Interactive für Football Manager verfolgt, werden beim Erreichen dieses Ziels eine große Rolle spielen."

Ob es hier um Gleichheit der Sportart oder doch eher um eine Anpassung der Einnahmen geht, ist allerdings eine andere Diskussion.

Noch kein Veröffentlichungstermin

Hängt man das Projekt ein paar Stufen unter der pathetischen "Großen Rolle für weltweite Gleichberechtigung" auf, landet man wieder bei den Fakten, die SI bekannt gibt: Das Studio hat sich keinen definitiven Termin für den Abschluss dieses Projekts gesetzt. Das Ziel sei jedoch, Frauenfußball so schnell wie realistisch möglich einzubauen. Man wolle sicherstellen, dass der Frauenfußball so authentisch wie möglich im Spiel repräsentiert wird, mit dem hohen Realismus und der Detailverliebtheit, für die die Serie steht. Ein Erscheinungstermin wolle man erst bekanntgegeben, wenn diese hohen Standards erreicht wurden.

Der Zeitpunkt ist günstig für das Projekt. 2019 fehlte das Geld, 2021 hat jedoch zum Beispiel die Premier League den bisher größten TV-Deal für eine weibliche Liga geschnürt. Damit stehen auch Sponsoren bereit.

Mit FIFA und WAF sind außerdem bereits zwei Spiele vorangegangen und haben mit die technische Umsetzung erprobt. Nun zieht der Managerprimus nach, und es ist zu erwarten, dass die weiblichen Ligen eine angemessene Präsentation bekommen – nämlich genau dieselbe wie die Männer.

Holm Kräusche

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