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"Wir wollten so nicht weiterleben"

Klinsmanns Abschiedsgründe und Rückkehrgedanken

"Wir wollten so nicht weiterleben"

Jürgen Klinsmann

Kann sich vorstellen, wieder DFB-Trainer zu werden: Jürgen Klinsmann. dpa

Dabei könne sich Klinsmann durchaus vorstellen, in Deutschland als Trainer bei einem Verein zu arbeiten. Auch die Rückkehr auf den Posten des Nationaltrainers beim DFB liege bei Klinsmann im Bereich des Möglichen. Erst vergangene Woche lehnte der frühere Stürmer ein Angebot des US-amerikanischen Verbandes ab, der ihn als Wunschkandidaten für die Nachfolge von Bruce Arena auf dem Zettel hatte.

Im Gespräch mit der Zeit machte Klinsmann nochmals deutlich, wie groß die Verbundenheit mit seinem Heimatland sei. "Mir persönlich ist dieses Land immer nahe gewesen, auch in den sechs Jahren, bevor ich Nationaltrainer wurde und in den USA lebte. Ich bin gut informiert, über das Internet, habe Spiegel, Stern und den Kicker abonniert. Ich empfange deutsches Fernsehen. Mir ist wichtig, was die Menschen in Deutschland bewegt."

Gerade in der Phase unmittelbar vor der WM, als die deutsche Nationalmannschaft unter Klinsmanns Regie in Italien 1:4 verlor und in der Folge zum scheinbaren Schicksals-Freundschaftsspiel gegen die USA antrat (4:1), war die Wohnort-Debatte in vollem Gange. Dass Klinsmann damals eine zu geringe Identifikation mit Deutschland vorgeworfen wurde, sieht der Ex-Bundestrainer darin begründet, dass "viele Nähe mit physischer Präsenz gleichsetzen und mit Ritualen. Beides war mir nie wichtig. Auch als Spieler musste ich nicht mein Bier trinken oder meine Bockwurst essen, um mich als Deutscher zu fühlen. Auch damals habe ich schon lieber italienisch gegessen, aber Deutschland ist meine Heimat, das Land meiner Eltern, das Land, das ich liebe".

Man kann so einen Job nicht mit einer Ehe und zwei kleinen Kindern verbinden.

Jürgen Klinsmann

Klinsmann äußert sich erstmals seit seinem Rückzug in die USA auch zum Zeitpunkt und den Motiven seines Rücktrittsentschlusses. Dieser sei erst nach dem Spiel um Platz drei gegen Portugal (3:1) gefallen, der einzige Grund sei gewesen, "dass wir, als Familie, dieses Leben der vergangenen zwei Jahre nicht weiterleben wollten. Man kann so einen Job nicht mit einer Ehe und zwei kleinen Kindern verbinden. Oft habe ich in den letzten zwei Jahren, wenn ich zu Hause war, gedacht: Mensch, jetzt bist du bei der Familie, aber eigentlich im Kopf ganz woanders. Meine Tochter ist fünf, mein Sohn neun Jahre alt. Ich würde mir nicht verzeihen, wenn ich sie in dieser Phase vernachlässigen würde". Ohne diese Prioritätensetzung hätte er "natürlich weiter gemacht".

Jürgen Klinsmann

Wohin führt sein Weg? Jürgen Klinsmann lebt in den USA, kann sich aber einen beruflichen Wiedereinstieg in Deutschland vorstellen. dpa

Obwohl die Methode Klinsmann, die mit seiner Amtsübernahme als Bundestrainer im August 2004 Einzug hielt, lange Zeit und von vielen sehr kritisch beäugt wurde, fühlt er sich in Deutschland respektiert: "Die, auf die es ankommt, nehmen Sie als Beispiel Franz Beckenbauer oder auch Uli Hoeneß, sind auch unabhängige Menschen, die müssen sich nicht entschuldigen, um mir Respekt zu bekunden. Dass ich, vom Ergebnis her gesehen, in vielen Fragen Recht behalten habe, spielt auch keine Rolle. Es hätte auch anders kommen können, dann wäre ich gefeuert worden. Dieses Bewusstsein meinerseits reicht aus, um ihnen zu signalisieren, dass es durchaus eine gemeinsame Basis, sogar eine gemeinsame Zukunft geben kann, irgendwo, irgendwann. Vielleicht."