Bundesliga

Bundesliga: Hopfen über Investoren, 50+1 und Medienrechte

Liga plant Regionalkonferenzen

"Wir haben eine Alleinstellung": Hopfen über Investoren, 50+1 und Medienrechte

Hat sich zu den wichtigsten Themen rund um die Bundesliga geäußert: DFL-Chefin Donata Hopfen.

Hat sich zu den wichtigsten Themen rund um die Bundesliga geäußert: DFL-Chefin Donata Hopfen. IMAGO/Kirchner-Media

Sie gaben sich die Klinke in die Hand. Im Winter in der Geschäftsleitung der Deutschen Fußball-Liga, am Dienstagnachmittag auf dem Spobis-Kongress in Düsseldorf. Dort sprach die neue DFL-Chefin Donata Hopfen, kurz nachdem ihr Vorgänger Christian Seifert den offiziellen Namen seiner neuen Sportmedienplattform "Dyn" lüftete und über Wachstumspotenziale redete. Hopfen dagegen bezog Stellung zu den aktuell wichtigen Themen rund um die Fußball-Bundesliga. Sie sprach dabei über ...

...Corona und Krise

Detailliert schilderte die ehemalige Managerin der Boston Consulting Group, wie sie im Prinzip bereits zehn Tage vor ihrem offiziellen Einstieg zum 1. Januar 2022 aufgrund der Omikron-Kontakt-Quarantäne direkt in den Krisenmodus gehen musste. "Ich hoffe, dass wir keine Einschränkungen mehr bekommen", so Hopfen mit Blick auf Herbst und Winter. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das schon durchgestanden haben."

Zumal auch das Energie-Thema auf die Klubs zukommt aufgrund der Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Hopfen geht davon aus, dass "der Krisenmodus das neue Normale ist. Man muss als Unternehmen sehr agil reagieren auf neue Herausforderungen." Man darf das als Botschaft verstehen, wie sie die Liga zu führen gedenkt.

...Investoren an der Liga

Aktuell laufen erste Kennenlerngespräche mit acht Interessenten. Diese sollen "sowohl Kapital als auch Know-How im Bereich Digitalisierung und Internationalisierung bringen". Liga und Klubs brauchen in ihren Augen digitale Strukturen. "Das mediale und gesellschaftliche Interesse an den Gesprächen ist riesig. Das bringt uns aber nicht davon ab, einen klaren Prozess zu fahren", schilderte Hopfen, die Teil einer fünfköpfigen Arbeitsgruppe ist.

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Mehr als eine Milliarde Euro an Umsatzverlust durch Corona, verändertes Mediennutzungsverhalten und gewiss auch die Deals von La Liga und Ligue 1 mit dem Private-Equity-Investor CVC haben dazu geführt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Im Medienbereich kämen immer mehr internationale Player hinzu. "Die rechnen mit einem mathematischen Schema, nicht mit Emotionen", stellte die 46-Jährige klar. Was Hopfen damit sagen will: Die Partner wollen Gewinn machen mit ihrem Investment. "Mir war schnell klar, dass wir uns strategisch ein größeres Bild machen müssen. Wir schauen uns jetzt an: Welche Möglichkeiten haben wir, dranzubleiben an anderen Ligen?"

... die 36 Klubs in diesem Prozess

Zwischen den 36 Vereinen der Bundesliga und 2. Liga, also den Gesellschaftern der DFL, "könnten die Unterschiede nicht größer sein". Hier Global Player wie der FC Bayern, dort Vereine mit dörflichem Umfeld wie der SV Sandhausen, um zwei Extreme zu nennen. Entsprechend definieren sich die Interessenlagen. Die AG frage sich laut Hopfen gerade: "Wie könnten Szenarien aussehen, die eine Mehrheit bekommen könnten? Denn nicht die Mehrheit zu bekommen, wäre in diesem Prozess sehr schade."

Ein Punkt sei, alle Klubs früh und intensiv mitzunehmen. Daher kündigte sie Regionalkonferenzen an. Dort könnte auch über die Verteilung möglicher Einnahmen - erhofft werden bis zu vier Milliarden Euro - gesprochen werden, "auch wenn wir faktisch noch lange nicht so weit sind", mahnt Hopfen.

... die nächste Ausschreibung der nationalen Medienrechte ab 2024

Die nächste Ausschreibung der nationalen Medienrechte ab 2024: Wie der Umsatz hier ausfalle, sei schwer zu prognostizieren. Die jüngste Ausschreibung brachte einen minimalen Rückgang von durchschnittlich 1,16 auf 1,1 Milliarden Euro pro Saison - was inmitten der Pandemie 2020 aber als große Leistung Seiferts eingeordnet wurde.

"Die anderen Ligen haben mit Ausnahme der Engländer national zuletzt weniger erlöst", warnte Hopfen vor allzu hohen Erwartungen. "Wir wollen das sehr hohe Niveau halten, aber es wird sehr mit Bietervielfalt und anderen Tendern zusammenhängen. Kurzfristig die größere Herausforderung ist sicher die internationale Vermarktung", merkte die gebürtige Hamburgerin an. "Da haben wir die Notwendigkeit, mehr herauszuholen. Denn mit Corona sind Verträge weggebrochen."

FE:male Spezial - Lea Schüller
16. September 202258:17 Minuten

FE:male Spezial - Lea Schüller

Unser Spezial zum Start der Frauen Bundesliga! Mit der vom kicker ausgezeichneten „Fußballerin des Jahres“: Lea Schüller! Die Stürmerin des FC Bayern München blickt mit uns auf das große Eröffnungsspiel im Deutsche Bank Park gegen Eintracht Frankfurt und verrät, was sie sich persönlich für die neue Spielzeit vorgenommen hat. Zudem erklärt sie, was sich unter dem neuen Trainer grundlegend geändert hat, warum sie früher alles andere als ein Bayern Fan war und sie nicht gleich das erste Angebot des Klubs angenommen hat. Als „Nationalspielerin des Jahres“ ist sie diesen Sommer zur EM gefahren, dann erwischte sie das Corona Virus. Schüller berichtet über die schwierige Zeit im einsamen Hotelzimmer und erklärt, warum Alexandra Popp dadurch an ihr vorbeigezogen ist. Darüber hinaus gibt die 24-jährige private Einblicke. Sie erzählt vom gemeinsamen Leben mit ihrer Freundin Lara, einer österreichischen Sportseglerin, wann sie sich streiten und warum sie jetzt ein Praktikum in der Automobilbranche macht.

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Dafür müssten Liga und Klubs international sichtbarer werden mit Büros und Social Media. Das Problem: In der nächsten Saison laufen laut Hopfen nur Verträge in Höhe von 12 Millionen Euro Umsatz aus. Neuverhandlungen mit Steigerungen sind also nicht kurzfristig, sondern perspektivisch erwartbar. Andererseits gibt das Liga und Vereinen Zeit, in dieser Phase laufender Kontrakte die Aufmerksamkeit weiter zu steigern.

... 50+1

In Sachen Prüfverfahren mit dem Bundeskartellamt wusste Hopfen nichts Neues zu berichten. Der Status Quo lautet: Die Behörde hält 50+1 für okay, hat jedoch ein Problem mit den Ausnahmeregelungen. Die Liga ist am Zug. Doch wie denkt Hopfen selbst über die Regel, die es Investoren nicht ermöglicht, kurzfristig die Mehrheit an einem Verein zu übernehmen?

"Wir haben eine Alleinstellung. Wenn man sich anschaut, wie in der englischen Liga Klubs teilweise ausverkauft werden, kann das nicht Sinn der Sache sein", wirbt die neue Chefin der Liga für den Bestand, gibt aber auch zu: "Es ist ein Spagat, fan-zentralistisch zu sein und gleichzeitig zu wachsen. Die Profitabilität der Liga und der Fanfokus machen die Bundesliga zu dem, was sie ist." Die Botschaft lautet: 50+1 soll bleiben, dennoch soll der Profifußball wachsen. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass dem Verlauf der Gespräche zu einem Liga-Investor dabei die alles entscheidende Rolle zukommt.

Benni Hofmann

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