Bundesliga

Kommentar - Willkommen in Absurdistan: Der VfB Stuttgart zerlegt sich selbst

Kommentar von kicker-Reporter George Moissidis

Willkommen in Absurdistan: Stuttgart zerlegt sich selbst

Auf dem Rasen, auf den Tribünen, in der Führung - der VfB Stuttgart zerlegt sich derzeit selbst.

Auf dem Rasen, auf den Tribünen, in der Führung - der VfB Stuttgart zerlegt sich derzeit selbst. imago

Auf dem Rasen fliegen selten die Fetzen. Der VfB Stuttgart genießt eher den Ruf einer fairen, anständigen Mannschaft. Frei von Hinterlist oder überzogener Härte. Dafür geht es hinter den Kulissen immer häufiger mit eisernen Bandagen zu. Daraus hat Guido Buchwald jetzt die Konsequenz gezogen. Der Weltmeister von 1990 hat seinen sofortigen Rücktritt aus dem Stuttgarter Aufsichtsrat verkündet , nachdem er nach der Partie gegen Freiburg im VIP-Bereich des Stadions von einem Aufsichtsratskollegen verbal angegangen worden war. Massiv und in aller Öffentlichkeit.

Dem Ehrenspielführer wurde vorgeworfen, darauf weist der Wortlaut seiner Pressemitteilung hin, Verantwortung für die sportlichen Probleme zu tragen. Vor dem Hintergrund, dass er in Entscheidungen rund um die Mannschaft kaum bis gar nicht eingebunden war, ein lächerlich anmutender Vorwurf. Willkommen im Absurdistan.

VfB Stuttgart - Vereinsdaten
VfB Stuttgart

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

VfB Stuttgart - Die letzten Spiele
Bayern München Bayern (H)
1
:
3
TSG Hoffenheim Hoffenheim (A)
3
:
3

Stuttgart zerlegt sich selbst. Auf dem Rasen, wo es Misserfolge wie Konfetti regnet. Mit einer Mannschaft, die nur in Sachen Gehälter und Ansprüche erstklassig ist. Auf den Tribünen, wo die Fans immer lauter gegen die Klubführung um Präsident Wolfgang Dietrich und Sportvorstand Michael Reschke mobil machen. In eben dieser Führung, wo unübersehbar die Nerven blank liegen.

Buchwalds Verhängnis: Er ist kein Ja-Sager und Abnicker

Buchwald wurde zum Verhängnis, dass er sich nicht in die Reihe der Ja-Sager und Abnicker einreihen wollte. Dass er Entscheidungen hinterfragte und, wie es schon zu seiner Profizeit immer seine Art war, ehrlich Stellung bezog. Dass er aufbegehrte, wenn mal wieder einsame Entscheidungen gefällt wurden. Was zur Jobbeschreibung eines Aufsichtsrats gehören sollte.

Mit dem personifizierten Alptraum von Diego Maradona kehrt einer seinem Herzensklub den Rücken, der neben den früheren Meisterspielern Hermann Ohlicher und Thomas Hitzlsperger einer der Wenigen war mit echtem, selbsterfahrenen Fußballsachverstand. Der seit gefühlten Ewigkeiten dem VfB mit Rat und Tat zur Seite stand und für den Traditionsverein am Neckar ein weltweit angesehener und geschätzter Botschafter war.

Was bleibt, sind vor allem Vertreter aus der Wirtschaft

Was bleibt, sind vor allem Vertreter aus der Wirtschaft, denen Zahlen auf Konten mehr sagen als Tabellen oder Statistiken zu Fitnesswerten, Laufleistungen oder zum Ballbesitz. Alle mit dem ehrenwerten Herzen und dem liebenden Blick eines Fans ausgestattet. Aber ohne das Hintergrundwissen eines echten Weltmeister seines Fachs. In Zeiten, in denen es unruhig ist, und in denen stets nach mehr Fußballkompetenz gerufen wird, bedeutet Buchwalds Aufgabe einen Verlust für den VfB.

George Moissidis

kicker-Reporter George Moissidis