Bundesliga

Wie Seoane mit der Krise umgeht

Leverkusen: Analyse geht in die gleiche Richtung

Wie Seoane mit der Krise umgeht

Hofft, dass seine Maßnahmen greifen: Leverkusens Coach Gerardo Seoane.

Hofft, dass seine Maßnahmen greifen: Leverkusens Coach Gerardo Seoane. IMAGO/Team 2

Seinen Job hat Gerardo Seoane nicht verloren - und auch nicht seinen Humor. Als am Donnerstag nach dem Training ein Journalist die kleine Gesprächsrunde mit den Worten "Dann schieß' ich gleich mal los" eröffnete, wiederholte der Schweizer, der aufgrund der sportlichen Lage massiv unter Druck steht, nur "schießen…" und ließ kurz ein Lächeln über sein Gesicht huschen.

Erstmals in Leverkusen und sogar erstmals in seiner Karriere als Profi-Trainer musste Seoane nach dem 1:1 gegen Werder zumindest ansatzweise um seinen Job bangen. Eine Situation, die er auch im Nachhinein nicht einordnen mochte.

Seoane gibt keinen Einblick in sein Seelenleben

"Ich kann das nicht so beurteilen, weil ich ja nicht weiß, wieviel Interpretationsraum da von Seiten der Journalisten da war", erklärte er kurz. Einen Einblick in sein Seelenleben in den zwei Tagen bis zu der Erklärung von Klub-Boss Fernando Carro, Seoane sitze "fest im Sattel", wollte dieser einfach nicht gewähren.

Bewerten wollte Seoane lieber die Gespräche mit den Geschäftsführern Simon Rolfes und Carro und lobte die "Offenheit", mit der diese geführt wurden. Dass die Verantwortlichen angesichts der prekären sportlichen Lage möglichst jeden Stein umdrehten, um der Krise Herr zu werden, kann der 43-Jährige gut nachvollziehen: "Dass der Klub diese Situation bewerten muss, gehört einfach dazu. Damit habe ich überhaupt kein Problem."

Für mich ist entscheidend, wie geht man aus so einem Gespräch raus. Mehr Gedanken mache ich mir nicht. Meine Verantwortung ist, die Mannschaft zu führen - bis zum letzten Tag.

Gerardo Seoane

Die Erkenntnisse der Analysen ordnete Seoane Natur gegeben hingegen als sehr bedeutsam ein. "Für mich ist entscheidend, wie geht man aus so einem Gespräch raus. Mehr Gedanken mache ich mir nicht. Meine Verantwortung ist, die Mannschaft zu führen - bis zum letzten Tag", erklärte der Trainer und schob nach: "Ob das in 20 Jahren ist…" Oder in zwei Wochen, wie ein Fragensteller anfügte. Seoane gelassen: "Wir kennen das Geschäft."

De Schweizer wirkte überzeugt, die Wende bei Bayer einleiten zu können. "Für mich ist entscheidend, mit welcher Kraft wir Gespräche führen mit welcher Energie ich auf dem Platz stehe. Welches Energielevel habe ich? Ich fühle mich gut. Ich versuche selbstkritisch die Situation zu analysieren", erklärte er und betonte: "Als Trainer, das ist mir klar, bin ich in der Verantwortung. Und gewisse Sachen muss der Trainer auf seine Kappe nehmen. Und alles andere muss man gemeinsam versuchen zu ändern."

Analysen deckungsgleich - "Darum geht der Weg ja auch weiter"

Die Analysen von Trainer und Klub-Verantwortlichen, das überrascht nicht, waren grundsätzlich relativ deckungsgleich. Wäre dies nicht der Fall gewesen, wäre ein Weiter mit Seoane kaum möglich gewesen. "Gehen wir in die gleiche Richtung fußballerisch oder gehen wir total auseinander - das ist immer entscheidend für eine Zusammenarbeit", sagte Seoane, der feststellte, dass diese Voraussetzung gegeben ist.

"Darum geht der Weg ja auch weiter", erklärte der Trainer, der damit dann doch zugestand, dass es ihm sehr wohl bewusst war, dass es um die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit ihm ging, "weil wir gemeinsam gefühlt haben, dass wir die gleichen Dinge sehen und versuchen, in die gleiche Richtung zu gehen."

Für ihn sei entscheidend gewesen, die Analysen "übereinander zu legen, einen gemeinsamen Nenner zu finden und sich dann die Situation zu erarbeiten." Wie, das ließ der Fußballlehrer hingegen offen.

Denn: "So eine Analyse muss sehr offen, sehr direkt und klar sein - aber die ist intern. Und die muss auch intern bleiben. Das erwarte ich auch von den anderen Leuten am Tisch", erklärte der Trainer seine Verschlossenheit.

Seoanes Maßnahmen müssen zügig greifen

Allerdings ist ihm bewusst, dass seine Maßnahmen zügig greifen müssen. So sagte Seoane: "Gewisse Punkte, hoffen wir, schnell ändern zu können." Was notwendig sein wird, wenn Bayer länger als nur in der englischen Woche nach der Länderspielpause auf Seoane vertrauen möchte.

Stephan von Nocks