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Matti Steinmann: vom HSV-"Bauernopfer" zum Weltenbummler

Der Ex-Bundesliga-Profi im großen Interview

Wie HSV-"Bauernopfer" Matti Steinmann versehentlich zum Weltenbummler wurde

Neuseeland, Deutschland, Dänemark: Nur eine Auswahl der Länder, in denen Matti Steinmann schon Fußballprofi war.

Neuseeland, Deutschland, Dänemark: Nur eine Auswahl der Länder, in denen Matti Steinmann schon Fußballprofi war. imago images (2)/Getty Images

Kurz vor dem Interview mit dem kicker bittet Matti Steinmann (26) um ein wenig Aufschub. Er möchte seine Yoga-Einheit noch durchziehen. Im Hotelzimmer in Sydney, wo er seine zweiwöchige Quarantäne nach der Einreise in Australien verbringt und dem Jetlag trotzt, hält sich der deutsche Mittelfeldspieler individuell fit: auf dem Fahrrad und mit Youtube-Workouts. Wenige Tage später geht es für ihn Richtung Norden. Bei Brisbane Roar steigt Steinmann als Neuzugang ins Teamtraining ein.

Herr Steinmann, was sagt Ihnen der Name Lutz Pfannenstiel?

Spielersteckbrief Steinmann
Steinmann

Steinmann Ville Matti

Den Vergleich habe ich auch schon gehört. Ich möchte ihm nicht nacheifern. Aber sag niemals nie. Vor zwei, drei, vier Jahren hätte ich mir auch nicht erträumen können, dass ich mal in Australien, Neuseeland und Indien spiele.

Pfannenstiel war in Ihrem Alter in sechs Ländern aktiv, Sie bisher in fünf.

Ich glaube, das ist uneinholbar - selbst, wenn ich es wollen würde.

Sie haben mit 26 Jahren schon einiges erlebt. Gehen wir mal der Reihe nach Ihre Stationen durch: 2017 unterschrieben Sie (nach der Zeit von 2009 bis 2015) zum zweiten Mal beim HSV, damals für die zweite Mannschaft. Sie wollten studieren und nebenbei Regionalliga spielen.

Ich wollte nach Hamburg zurück, da kam das Angebot vom HSV II gerade recht, weil ich es mit meinem Studium verbinden wollte. "Leider" ging es in die andere Richtung (lächelt).

"Titz sagte mir: 'Wenn du keinen Scheiß machst, spielst du am Wochenende Bundesliga.'"

Matti Steinmann

Ein Problem mit der Uni-Bewerbung kam dazwischen.

Irgendeinen Fehler habe ich gemacht, sodass ich nicht angenommen wurde. Also spielte ich erst einmal nur Fußball. Dann lief es in der 2. Mannschaft richtig gut.

Im März 2018 wurde Christian Titz zum Cheftrainer beim HSV befördert. Von Null auf Hundert waren Sie plötzlich Stammspieler in der Bundesliga.

Ich habe alle Spiele gemacht. Nochmal so unverhofft in der Bundesliga spielen zu können, ohne das erwartet zu haben - das war überragend.

Titz kam einfach zu Ihnen und sagte: "Du spielst am Wochenende in der Bundesliga"?

Ziemlich genau so war es (lacht). Noch am Tag seiner Beförderung holte er mich ins Büro und meinte: "Wenn du keinen Scheiß machst, spielst du am Wochenende Bundesliga." Dann habe ich mich eine Woche reingehauen - und es ganz gut gemacht. Also ließ er mich drin. Ja, das war cool …

"Klar sind ein paar Leute aus dem Kader geflogen. Aber das war mir relativ egal."

Matti Steinmann

Wie haben das die arrivierten Kräfte damals aufgenommen, dass ihnen ein Nobody vorgesetzt wurde?

Ach, ich war ja keine 17 mehr, sondern auch immerhin 22. Da hat keiner gemurrt, die haben schließlich eine Scheiß-Saison gespielt. Klar sind ein paar Leute aus dem Kader geflogen. Aber das war mir relativ egal, ich wollte die Chance einfach genießen und mir beweisen, dass ich das kann. Zwischen meinem ersten und zweiten Bundesligaspiel lagen - ich weiß nicht - vier Jahre?

Stolze dreieinhalb. Erinnern Sie sich, welches Ihr bestes Bundesliga-Spiel nach kicker-Noten war?

Vielleicht das letzte gegen Gladbach?

Richtig, eine 2,5 erhielten Sie. Ausgerechnet an dem Tag, als der HSV erstmals aus der Bundesliga abstieg.

Das war ein bisschen zwiespältig. Ein unglaublich cooles Spiel, bis auf ein paar Chaoten am Ende herrschte viel positive Resonanz im Stadion. Meine Freunde, meine Eltern, alle waren da, überragend. Während wir spielten, wusste ich nicht, dass Wolfsburg, unser direkter Konkurrent, relativ deutlich führte. Erst als ich ausgewechselt wurde, war mir klar: Wir werden es nicht mehr schaffen. Bitter und traurig. Wir gingen dann sogar eine Ehrenrunde, denn die Fans feierten uns für diesen Umbruch. Die Lage war schon recht aussichtslos gewesen, als Titz übernommen hatte. Alles wurde negativ gesehen. Am Ende gewannen wir vier der acht Spiele unter ihm - und es war nicht so, dass wir gemauert und dann durch einen Standard zugeschlagen hätten. Wir haben die Spiele verdient gewonnen und frei aufgespielt. Das erkannten die Fans an.

"Dann hat Titz mich einfach geopfert."

Matti Steinmann

Trotz des Abstiegs blieben Sie in Hamburg und standen in den ersten Zweitligapartien auch weiter in der Startelf. Was passierte dann?

Das erste Spiel gegen Kiel verloren wir 0:3, obwohl es komplett in die andere Richtung hätte gehen können. Am Anfang haben wir klar dominiert, aber die Chancen nicht genutzt. Zum Start in die Saison war das erst einmal ein Schlag ins Gesicht. In der folgenden Trainingswoche verletzte ich mich und war für drei Wochen raus. Als ich fit war, kam ich wieder rein, wir gewannen gegen Heidenheim. Dann kam das Regensburg-Spiel, die 0:5-Niederlage. Das war mein Genickbruch.

Steinmann inmitten enttäuschter HSV-Profis

"Schlag ins Gesicht": Steinmann inmitten enttäuschter HSV-Profis nach der 0:3-Auftaktniederlage gegen Kiel. Bongarts/Getty Images

Sie wurden nach einer halben Stunde ausgewechselt.

Wir spielten alle scheiße, auch ich. Ich verlor zwei, drei Bälle. Dann hat Titz mich einfach geopfert. Ich war das Bauernopfer. Danach machte ich kein Spiel mehr. Dass zwei, drei Ballverluste einen die Bundesliga-Karriere kosten, ist bitter.

Litt Ihr Verhältnis zu Titz darunter?

Überhaupt nicht! Ich verstand ja, dass er mich erst mal rausnehmen musste. Aber die ganze Mannschaft hatte scheiße gespielt und nicht nur ein Spieler. Ich kämpfte mich danach wieder ran, und als ich wieder kurz vor der Startelf stand, wurde Titz gefeuert. Bei Hannes Wolf hatte ich einen ganz schweren Stand. Im Winter wurde mir gesagt: Wahrscheinlich bekommst du nicht so viele Einsatzzeiten. Auf der Bank sitzen? Darauf hatte ich keine Lust. Also machte ich etwas anderes.

"Ich wollte zeigen: Ey, stell mich auf!"

Matti Steinmann

Sie ließen sich zu Vendsyssel FF Hjörring nach Dänemark verleihen. Aber das blieb wohl eher nicht nachhaltig bei Ihnen hängen.

Ich kam am letzten Tag der Transferperiode. Wir waren Vorletzter und konnten die letzten Spiele auch nicht mehr positiv gestalten. Die insgesamt nur vier Monate vergingen sehr schnell. Keine prägende Zeit - im Vergleich zu Neuseeland.

Ihrer nächsten Auslandsstation.

Dieter Hecking kam im Sommer. Ich dachte, ich bekomme eine neue Chance. Mein Gefühl war: Schlechter als die, die da gespielt haben, bin ich nicht. Ich wollte zeigen: Ey, stell mich auf! Dazu kam es aber nicht mehr, denn Jonas Boldt rief an: "Das wird nichts mehr, Matti. Wir planen dich für die zweite Mannschaft ein, Hecking setzt auf andere Spieler." Das war bitter für mich, ich wäre gern in Hamburg geblieben. Als ich mich dann nach anderen Sachen umgeschaut habe, kam relativ schnell der Wechsel nach Neuseeland zustande.

Innerhalb Deutschlands zu wechseln kam für Sie nicht in Frage?

Um in der 3. Liga zu spielen? Nein. Das war auch einfach nicht mein Fußball.

Was ist denn Ihr Fußball?

Ich suche spielerische Lösungen. In Deutschland werden auf meiner Position andere Spielertypen bevorzugt als meiner. Dass ich überhaupt Bundesliga spielen konnte, habe ich nur Christian Titz zu verdanken. Bei ihm war meine Rolle sehr extrem. Er wollte keinen Abräumer, keinen aggressiven Zweikämpfer - der ich ja nicht bin -, sondern einen, der das Spiel macht, der initiiert.

"Immerhin kann man aus der australischen Liga nicht absteigen."

Matti Steinmann

Das durften Sie dann in Neuseeland zeigen. Das Land kannten Sie ja schon von der U-20-WM 2015.

Damals dachte ich mir: Ich muss auf jeden Fall für einen Urlaub wiederkommen. Dass ich dort mal spielen würde, hatte ich natürlich nicht gedacht. Aber dann kam das Angebot von Wellington Phoenix, und ich sagte sofort zu. Der HSV legte mir keine Steine in den Weg, wofür ich sehr dankbar bin - ich besaß ja noch einen gültigen Vertrag.

Steinmann in Jubeltraube

Mittendrin: In Jubeltrauben à la Wellington fühlte sich Steinmann wohl - trotzdem zog er nach einem Jahr weiter. Getty Images

Mit Mainz II sind Sie abgestiegen, mit dem HSV und mit Vendsyssel FF auch. In Wellington redete das Umfeld nach vier Niederlagen zum Start von der "schlechtesten Mannschaft der Vereinsgeschichte". Denkt man sich da: "Jetzt geht das schon wieder los …"?

Immerhin kann man aus der australischen Liga nicht absteigen (lacht). Das war schon mal gut. Neuer Trainer, neues System, neue Spieler, das brauchte etwas Zeit. Am Ende wurden wir Dritter und spielten eine überragende Saison, die beste der Klubgeschichte. Durch die Pandemie war es uns leider nicht vergönnt, ein Halbfinale zu Hause vor unseren Fans zu spielen. Aber ich bereue keinen Tag.

Sie sprechen positiv über die Zeit in Wellington. Wieso sind Sie dann vorzeitig nach Indien gewechselt?

Erst habe ich sogar noch um zwei Jahre verlängert. Dann richtete Corona aber ein Riesen-Chaos in der Liga an. Die Saison wurde für drei, vier Monate gestoppt, bevor sie zu Ende gespielt werden konnte. Es herrschte ein riesiges Vakuum, niemand wusste, wie es weitergeht. Australien und Neuseeland hatten verschiedene Corona-Regeln, wir konnten nicht mehr zwischen beiden Ländern reisen. Der Verein musste also komplett umsiedeln, um in der A-League mitzuspielen. Plötzlich kam das Angebot aus Indien von Robbie Fowler …

"Die Gegensätze in Indien sind echt hart."

Matti Steinmann

… dem ehemaligen Liverpool-Stürmer.

Genau. In der Saison war er Trainer bei Brisbane gewesen, ehe er zum SC East Bengal wechselte. In Indien hatte ich die Sicherheit, dass es losgeht. Die Saison lief von Ende Oktober bis Ende Februar. 2020 hatte ich so wenig Spiele gemacht, ich wollte einfach wieder spielen. Hinter der A-League stand so ein großes Fragezeichen …

Neuseeland und Australien hatten in der Pandemie ein stabiles Gesundheitssystem, Indien nicht. Hat Sie das abgeschreckt?

In Indien haben sich die Mannschaften sehr abgeschottet. Und die Liga hat das sehr professionell durchgezogen, ohne einen einzigen positiven Fall.

Sie haben dort also viel in der sogenannten "Bubble" gelebt. Hatten Sie überhaupt das Gefühl, das echte Indien kennenzulernen?

Es wäre natürlich cooler gewesen, mehr am Leben teilzunehmen. Ich bin aber nach Saisonende noch vier Wochen geblieben, in denen ich mich frei bewegen und die Sachen machen konnte, die ich wollte. Vorher war es Hotelleben mit der Mannschaft, danach Urlaub. Ein schönes Land: Nationalparks mit wunderbarer Natur, tolle Leute, fantastisches Essen.

Und geradezu absurde Armut.

Die Gegensätze sind echt hart. Von Wundern der Natur über extreme Armut bis hin zu unglaublicher Umweltverschmutzung und tollem Essen ist alles dabei.

"Okay, in Deutschland wäre das eine dunkelrote Karte."

Matti Steinmann

Sie waren nach Manuel Friedrich erst der zweite Deutsche in der indischen Liga. Die ausländischen Profis befinden sich dort fast allesamt im Herbst bis Winter ihrer Karriere. Hatten Sie im besten Fußballalter das Gefühl da reinzupassen?

Mir war schon klar, dass das nicht die Champions League ist und ich auch höher spielen kann. Aber es war eine coole Erfahrung. Dadurch dass die Spieler eine andere Mentalität haben, ist das ein anderer Fußball. Mit Deutschland lässt sich das gar nicht vergleichen.

Was genau bedeutet "anderer" Fußball?

Auf jeden Fall nicht so taktisch geprägt wie in Deutschland, denn in Indien hat man noch keine Nachwuchsleistungszentren, die alle Spieler in verschiedenen Systemen ausbilden. Dafür sind die Spieler wahnsinnig leidenschaftlich, voller Power, hauen sich in jeden Zweikampf. Rücksicht auf Verluste wird keine genommen, weder im Spiel noch im Training. Teilweise habe ich echt krasse Tackles gesehen, bei denen ich mir dachte: Okay, in Deutschland wäre das eine dunkelrote Karte. Das wurde im Training einfach laufen gelassen. Da muss man manchmal schon schmunzeln.

Nach nur einem halben Jahr, also einer Saison, geht es für Sie jetzt nach Australien. Wie ergab sich das?

Während der Saison in Indien, als wieder mehr Sicherheit in der A-League herrschte, wurde mir klar: Ich möchte wieder nach Australien. Jetzt plane ich, mindestens zwei Jahre in Brisbane zu bleiben und mich dort einzuleben. Die vielen Vereinswechsel waren oft auch dem Zufall geschuldet - und Corona. Jedes Jahr umzuziehen brauche ich nicht.

"In Deutschland geht es sehr um Arbeit, nach dem Motto: Wir sind hier nicht zum Spaß."

Matti Steinmann

2014 wurde Brisbane zum letzten Mal Meister - damals noch mit Thomas Broich. Was ist in der kommenden Saison drin?

Wir wollen zu den besten Teams der Liga gehören. Aber da gibt es schon ein paar wie Sydney FC oder Melbourne City, die konstanter sind und auf eine eingespielte Mannschaft bauen können. Das sind die Favoriten. Wir mit jüngeren, entwicklungsfähigen Spielern sind eher ein Projekt. Von uns erwartet niemand die Meisterschaft.

Sie sagten vor Kurzem, die Atmosphäre im australischen Training unterscheide sich enorm von der im deutschen.

In Australien ist es zwar auch Profifußball, und man nimmt das Training auch ernst. Aber die Herangehensweise ist ein bisschen lockerer. Man haut sich zwar rein, aber zwischendurch macht man auch mal Witze, innerhalb der Mannschaft, aber auch vom Trainer. Das ist eine andere Mentalität. In Deutschland geht es schon sehr um Arbeit, nach dem Motto: "Jetzt ist Besprechung, jetzt ist es ernst. Wir sind hier nicht zum Spaß." Die australische Herangehensweise kommt mir entgegen.

Matti Steinmann in Dänemark

Keine prägende Zeit: In Dänemark bei Vendsyssel FF wurde Steinmann (re.) nicht glücklich. imago images / Ritzau Scanpix

Welche Länder könnten noch in Ihre Vita wandern?

Amerika und die MLS würden mich reizen. Japan und Südkorea sind gute Ligen und Länder, in denen ich mir vorstellen könnte zu leben. In Südafrika wohnt ein Freund von mir. Aber das alles ist im Moment keine Option. Am meisten habe ich gerade Lust darauf, längerfristig in Australien zu bleiben.

"Bevor ich in der 2. oder 3. Liga gegen den Abstieg kämpfe, ist das Ausland für mich die zehnmal bessere Wahl."

Matti Steinmann

Sollten mehr Profis den Schritt aus der Wohlfühlzone, aus dem gewohntem Umfeld wagen und statt zum vierten deutschen Zweitligisten ihrer Karriere lieber ins Ausland wechseln?

Ich kann es nur wärmstens ans Herz legen, wenn man es mit der Familie vereinbaren kann und in solchen Ländern leben mag. Es ist eine wahnsinnig gute Erfahrung - aber sicher auch eine Typsache: Man muss offen dafür sein. Und es ist eine Frage des Alters: Wenn ich jetzt in einer Top-Liga spielen könnte, in Deutschland, beim HSV, dann würde ich das machen. Aber das hat sich einfach nicht mehr ergeben. Es gibt viele Leute, die entwickeln sich nicht weiter und sind ein bisschen unglücklich in Deutschland. Für die bieten sich auch andere Wege und Orte, Fußball zu spielen. Bevor ich in der 2. oder 3. Liga gegen den Abstieg kämpfe, ist das Ausland für mich die zehnmal bessere Wahl.

Das Ausland - und offenbar speziell Asien.

Durch den Wechsel nach Neuseeland hat sich meine Perspektive auf den asiatischen Fußball geändert. Der geht in Deutschland komplett an einem vorbei. Dass weltweit auf gutem Niveau Fußball gespielt wird, war mir vorher gar nicht so klar. Es gibt ja nicht nur Fußballfans in Europa, sondern in Asien und auf der ganzen Welt. Und wahnsinnig leidenschaftliche in Indien. Zum Derby meines Vereins dort (dem "Kolkata Derby" gegen Mohun Bagan, Anm. d. Red.) kommen bis zu 100.000 Zuschauer ins Stadion. Das wusste ich vorher alles nicht.

Abseits des Platzes machen Sie bei "Common Goal" mit und spenden ein Prozent Ihres Gehalts. Sollten mehr Fußballprofis ihre Reichweite für solche Projekte nutzen?

Was heißt "sollten"? Ich werde nicht mit erhobenem Zeigefinger auf andere deuten und sagen: "Macht auch mal was!" Es ist eine positive Sache, wenn man seinen Einfluss und Reichweite für gute Dinge nutzt. Mittlerweile gehört es schon fast zum guten Ton. "Common Goal" ist eine geeignete Adresse, ich denke da aber auch an Leon Goretzka und Joshua Kimmich mit "We Kick Corona" oder an Marcus Rashford. Viele andere vergesse ich gerade. Ich würde sagen, der Großteil macht wirklich viel.

Nebenbei studieren Sie seit letztem Jahr Umweltwissenschaften an einer englischen Fernuni. Möchten Sie nach der Karriere in diese Richtung aktiv werden?

Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Es ist ja nichts verkehrt daran, bei Karriereende schon einen Abschluss zu haben, anstatt bei null anfangen zu müssen.

"Titz und ich hatten schon Kontakt, als er zu Rot-Weiss Essen ging."

Matti Steinmann

Was hat Ihnen rückblickend gefehlt zu mehr als neun Bundesliga-Spielen?

Vielleicht am Ende ein bisschen die Konstanz. Ich hätte mir auf jeden Fall mehr zugetraut, aber habe leider nicht mehr die Chance bekommen zu beweisen, dass ich nicht nur für ein paar Spiele gut bin. Das war ein bisschen traurig am Ende.

Matti Steinmann und Christian Titz

Verstehen sich ziemlich gut: Matti Steinmann (2. v. li.) und Förderer Christian Titz. imago/MIS

Möchten Sie noch einmal in den deutschen Profifußball zurückkehren?

Für den HSV oder St. Pauli bin ich sofort da. Aber sonst? Sehr unwahrscheinlich.

HSV oder St. Pauli geht beides - trotz der Rivalität?

Auf jeden Fall, das sind ja zwei coole Vereine. Auch als ehemaliger HSV-Spieler habe ich keine Abneigung gegen St. Pauli. Ich finde den Verein cool und gehe da auch gern ins Stadion.

Und wenn Christian Titz anruft? Er trainiert ja gerade den 1. FC Magdeburg.

Wir hatten schon Kontakt, als er zu Rot-Weiss Essen ging. Da musste ich kurz überlegen, bevor ich ihn anrief und gesagt habe, dass das für mich keine Option ist. Aber er macht anscheinend einen sehr guten Job bei Magdeburg. Letztes Jahr hat er das Ruder mit ihnen rumgerissen, jetzt hat er das erste Saisonspiel gewonnen. Das verfolge ich schon noch, das freut mich. Titz und HSV wäre die passende Kombination für mich (lacht). Aber das halte ich für unwahrscheinlich.

Interview: Paul Bartmuß

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