Bundesliga

Gonzalo Castro: "Einer der am meisten unterschätzten VfB-Spieler"

"Einer der am meisten unterschätzten Spieler beim VfB"

Wie geht es mit Castro weiter?

Gonzalo Castro

Als Leader etabliert, aber mit nur noch einem Jahr Vertrag: Stuttgarts Gonzalo Castro. imago images

In Berlin war er der beste Mann auf dem Platz. Nicht allein wegen seines 2:0, für das er vorher selbst den Ball erobert, diesen weitergeleitet und schließlich mit einem satten Schuss aus etwas mehr als 16 Metern vollendet hatte.

Castro überzeugt in diesen Tagen auch als Kapitän der Schwaben. In seinem dritten Jahr am Neckar zeigt der fünfmalige Nationalspieler endlich die Qualitäten, die ihn seit vielen Jahren auszeichnen, die er aber bisher nur gelegentlich unter Beweis stellen konnte: als feiner Fußballer und echter Leistungsträger. "Gonzo war immer einer der am meisten unterschätzten Spieler beim VfB", sagt Sven Mislintat, der die Gründe dafür ebenfalls zu kennen meint. "Er kann ganz viele Dinge super - aber er ist kein Lautsprecher, der sich super verkauft."

Er kann ganz viele Dinge super - aber er ist kein Lautsprecher, der sich super verkauft.

Sven Mislintat

Mislintat schwärmt: "Die Binde tut ihm gut"

Mittlerweile hat sich der frühere Leverkusener und Dortmunder, der beim VfB bisher zwei durchwachsene Jahre hatte, zu einem echten Anführer entwickelt. Auch von Trainer Pellegrino Matarazzo bestimmt, der Castro in dieser Saison das Kapitänsamt anvertraute. "Die Binde tut ihm auch gut", so Mislintat. "Sie gibt ihm etwas, was auch er lernen muss, was ihm etwas bedeutet." Eine noch größere Verantwortung für das Ganze. Für das er jetzt stellvertretend steht und das er auch prägt. "Wenn man ihn hat, dann steht er auch für eine bestimmte Art des Fußballs", meint der Sportdirektor, der ins Schwärmen gerät, wenn er über den Routinier im Kader spricht. "Er lässt seine Leistung, seine Laufleistung, sein taktisches Verständnis auf vielen Positionen für sich sprechen."

Dies sei auch in der vergangenen Saison der Fall gewesen, wenn auch nicht immer in der Stammformation. "Auch wenn er mal nicht in der ersten Elf stand, war er immer ein ganz wichtiger Faktor. Da er keine 25 mehr ist, ist es nicht so, dass ihm das physische Level der 2. Liga immer geschmeckt hat. Trotzdem hat er mit maximalem Willen versucht, alles zu geben."

Hierzu ruft Mislintat das denkwürdige 3:2 Ende Mai gegen den HSV in Erinnerung. Nach einem 0:2-Rückstand zur Pause schien der VfB seine Aufstiegshoffnungen zu verspielen. Bis Castro eingewechselt wurde und in der Nachspielzeit das Siegtor erzielte. "Eine Energieleistung, die uns in die Saison zurückgebracht hat."

Vertragsgespräche nach der Jahreswende

Mittlerweile ist der Mittelfeldspieler gesetzt und gefragt. Auch wenn er laut Mislintat keiner sei, "der mit dem Messer zwischen den Zähnen alles wegbügelt. Er ist aber einer derjenigen, die direkt verstehen, was zu tun ist". Ob auch über die Saison hinaus, wird sich noch zeigen. "Darüber werden wir nach der Jahreswende reden", sagt der Sportchef mit Blick auf die ungewissen Zeiten angesichts Corona. "In dieser Phase ist es nicht angedacht, Verträge zu verlängern."

Außerdem müsse man auch abwarten, was denn der Spieler selbst vorhat. "Er ist schon in einem Alter, in dem man auch mal sagt: 'Wenn ich jetzt ein geiles Jahr spiele, könnte es auch vorbei sein.'" Wie dem auch sei. Man werde zumindest miteinander reden. "Er weiß genau, was er an uns hat, und wir, was wir an ihm haben."

George Moissidis

Bilder zur Partie Hertha BSC - VfB Stuttgart