Bundesliga

Wie Eintracht Frankfurt die Ära nach Fredi Bobic und Adi Hütter plant

Hellmann: "Diese historische Chance spürt jeder"

Wie Frankfurt die Ära nach Bobic und Hütter plant

Sie werden die Eintracht im Sommer verlassen: Adi Hütter und Fredi Bobic (re.).

Sie werden die Eintracht im Sommer verlassen: Adi Hütter und Fredi Bobic (re.). imago images

Auf sportlicher Ebene befürchtet Hellmann keine negativen Auswirkungen durch den Trainerwechsel. "Diese historische Chance spürt jeder, fühlt jeder und will jeder ergreifen. Das Ziel, die Champions League klarzumachen, ist bei allen in den Köpfen", sagt er im Brustton der Überzeugung. Und mehr noch: "Mit Eintracht Frankfurt in die Champions League einzuziehen, ist in unserer Kategorie wie ein Deutscher Meistertitel zu sehen. Das wissen alle."

Intern, so vermittelt es der Vorstand, geht es bei der Eintracht weitaus ruhiger zu, als im spätestens nach Hütters verkündetem Abschied aufgeregten Umfeld. "Hier war kein Schock, keine Unruhe oder Notlage. Es sind Vakanzen zu schließen. Das bedeutet operatives Abarbeiten. Das ist aber keine Unruhe, sondern Geschäftigkeit - ein großer Unterschied", betont Hellmann und erläutert: "Es gibt Vakanzen, aber kein Vakuum. Das ist schon ein zentraler Punkt. Denn es gibt auch hinter den Top-Leuten immer Leute, die Arbeit für die Top-Leute machen und Dinge vorbereiten."

Nachfolgersuche läuft mit Hochdruck

Bei aller demonstrativen Gelassenheit wird im Hintergrund natürlich mit Hochdruck daran gearbeitet, schnellstmöglich einen Bobic-Nachfolger zu verpflichten. Erst am Mittwoch wurde dessen Wechsel zu Hertha BSC vollzogen, die Eintracht erhält etwa 2,5 Millionen Euro Ablöse. Hellmann glaubt, dass nun "die Dominosteine schneller fallen können". Die Verpflichtung eines Bobic-Nachfolgers obliegt dem Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Philip Holzer. Der frühere Goldman-Sachs-Vorstand führte in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Gespräche mit möglichen Nachfolgern.

Nachdem Bobics Vertragsauflösung beschlossen ist, geht es jetzt an die Umsetzung. Denn auch Hellmann ist sonnenklar: "Es ist logisch, dass es jetzt darum geht, so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen. Das ist der entscheidende Stein, der bewegt werden muss, damit alle weiteren Personalentscheidungen getroffen werden können." Namen will er verständlicherweise nicht kommentieren.

Spekulationen um Tare

So bleibt auch offen, ob der neuerdings gehandelte Igli Tare (Lazio Rom) eine ernsthafte Option ist. Die Eintracht-Verantwortlichen kennen den Lazio-Sportdirektor von den Duellen in der Europa League 2018/19, aber das ist natürlich kein hinreichendes Indiz. "Die Spekulationsdichte wird zunehmen, weil alle nach dem richtigen Namen suchen", glaubt Hellmann. Die Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit lassen ihn aber ruhig schlafen. "In den letzten fünf Jahren haben wir erlebt: Wenn ein Guter ging, kam ein Besserer nach."

Frankenbach arbeitet noch enger mit Bobic zusammen

Blickt optimistisch nach vorne: Axel Hellmann, hier mit den kicker-Redakteuren Thiemo Müller (li.) und Julian Franzke (re.) beim Besuch der kicker-Redaktion.

Blickt optimistisch nach vorne: Axel Hellmann, hier mit den kicker-Redakteuren Thiemo Müller (li.) und Julian Franzke (re.) beim Besuch der kicker-Redaktion. imago images

Hellmann lobt die "teamorientierte" Arbeit des Aufsichtsratsvorsitzenden Holzer und lässt durchklingen, dass er und sein Vorstandskollege Oliver Frankenbach über die Kandidaten auf der Liste informiert sind. Apropos Frankenbach: Der Finanzvorstand arbeitet in diesen Tagen noch enger als sonst mit Bobic zusammen, um über alle Gespräche, unter anderen mit Beratern, auf dem Laufenden zu sein.

"Oliver Frankenbach ist vom Vorstand dazu bestimmt, alle sportlichen Themen eng zu begleiten, weil sie wirtschaftliche Relevanz haben", erklärt Hellmann. Gewissermaßen als Bindeglied soll Frankenbach den neuen Sportvorstand über alle relevanten Themen, die Bobic aktuell bearbeitet, informieren. Deshalb ist Hellmann sicher: "Es gibt keinen Verlust an Wissen, Handlungs- oder Sprechfähigkeit."

Zuversicht bei der Kaderplanung

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Auch hinsichtlich der Kaderplanung plagen den Vorstand keinerlei Bauchschmerzen. Ben Manga, Direktor Profifußball und Kadermanager, habe für alle sportlichen Szenarien "hervorragende Lösungen auf dem Zettel". Manga sei ein "hochbegehrter Kaderplaner, Scout und Manager" mit einem "super Gespür für Spieler und Charaktere".

Der Trainermarkt wird ebenfalls sondiert, denn Hellmann weiß: "Bei der Trainerfrage ist jeder Tag, den wir gewinnen können, hilfreich." Doch die Entscheidung, wer auf Hütter folgt, wird logischerweise erst der neue Sportvorstand treffen. Das gilt auch für die Besetzung des Postens des Technischen Direktors: "Das muss ein Innenminister sein, eine Frau oder ein Mann seines Vertrauens."

Arbeitsreicher Mai angekündigt

Zu erwarten ist, dass spätestens nach der kommenden englischen Woche die Entscheidungen rasch fallen. Mit einem schelmischen Grinsen verspricht Hellmann den Journalisten bereits einen arbeitsreichen Mai. Doch auch er selbst wird sich so schnell nicht zurücklehnen können. Vor allem dann nicht, wenn die Eintracht tatsächlich die historische Chance ergreift und erstmals in die Champions League einzieht. Als unter anderen für das Marketing zuständiger Vorstand würde das einen heißen Sommer bedeuten.

Julian Franzke

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