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Salary Cap: Wie es in Europa funktionieren würde

Vorteile für die Herausforderungen einer Pandemie

Wie ein Salary Cap in Europa funktionieren würde

Das viele Geld, das im Profifußball zirkuliert, bringt auch Herausforderungen mit sich.

Das viele Geld, das im Profifußball zirkuliert, bringt auch Herausforderungen mit sich. Getty Images

Wie funktioniert es in den USA?

Sogenannte Franchises dürfen pro Saison nur eine bestimmte Summe an Spielergehältern ausgeben, die sie für ihren gesamten Kader verwenden müssen.

Dies zielt natürlich darauf ab, dass sich nicht zu viele Topspieler auf wenige Mannschaften verteilen und ein sportliches Ungleichgewicht entsteht. Eine andere Idee dahinter ist, dass dadurch ein geringerer Teil der Gewinne in die zuletzt rapide angestiegene Personalvergütung fließt.

In den US-Profiligen handelt es sich bei der Cap-Summe um einen Betrag, der an den Gesamtumsatz der jeweiligen Liga gekoppelt ist, bei der alle Spieler über das Franchise-System direkt unter Vertrag stehen. Dieser prozentuale Anteil am Umsatz wird in Tarifverträgen zwischen den Klubbesitzern und der jeweiligen Spielergewerkschaft verhandelt und häufig vor einer Saison neu angepasst.

Die jährlich auszuzahlende Gesamtgehaltssumme muss nicht gleichmäßig auf alle Spieler verteilt werden. Es gibt aber Mindestgehälter und auch eine individuelle Obergrenze für die Topverdiener. Obendrein beinhaltet das Cap-System eine Gehaltsuntergrenze im Gesamten, den sogenannten "Salary Floor". Dieser soll der Wettbewerbsfähigkeit aller Klubs dienen und zudem verhindern, dass sich Besitzer die eigenen Taschen vollsparen.

Was sagt das EU-Recht?

Ist das Begrenzen von Gehältern nach europäischem Recht überhaupt möglich? "Wer einen Eingriff in die Freiheiten sachlich rechtfertigt und damit nicht über das Ziel hinausschießt, handelt nicht rechtswidrig", findet Dr. Martin Stopper, ein Münchner Sportjurist. Die UEFA als Verband dürfte Derartiges wohl sogar selbst bestimmen - und müsste das sogar, ehe sich eine Judikative einmischt.

Nach der Einführung einer solchen Regelung bestimmen im Zweifelsfall Gerichte über die Zulässigkeit.

Kartellrechtsexperte Mark-E. Orth

Kartellrechtsexperte Mark-E. Orth führt aus: "Es gibt keinen Anspruch darauf, dass die EU-Kommission vorab rechtsverbindlich und gerichtsfest mitteilt, ob solche Instrumente zulässig sind oder nicht. Unternehmen, und damit auch die UEFA, tragen das Risiko der Selbsteinschätzung. Das heißt, nach der Einführung einer solchen Regelung bestimmen im Zweifelsfall Gerichte über die Zulässigkeit."

Auch ein vom Bundestag in Auftrag gegebenes Gutachten erklärte, dass eine Gehaltsobergrenze im Profifußball von der UEFA intern zu regeln und durchzusetzen wäre - ein Tarifvertrag als Ausnahme vom Kartellrecht ist durch die Gerichte ebenfalls bestätigt.

Wie funktioniert es bereits in Europa?

Sie fliegen zwar ein wenig unter dem Radar, doch Salary Caps sind im europäischen Vereinsfußball bereits existent. Die englische dritte und die englische vierte Liga (League One und League Two) begründeten die Einführung im August 2020 mit Nachhaltigkeit und gehen seither als Pioniere voran.

Unter diese Obergrenzen, die jeweils nur für die eigene Liga gelten, fallen die Kosten für das Grundgehalt, Steuern, Boni, Bildrechte, Beraterhonorare sowie andere Ausgaben, die vom Verein direkt oder indirekt an die Spieler des Kaders fließen.

In der League One dürfen Klubs derzeit 2,5 Millionen Pfund ausgeben, in der League Two liegt die Grenze bei 1,5 Millionen Pfund. Nicht mit eingerechnet werden Aufstiegsprämien und Bonuszahlungen für Pokal-Erfolge. Gelder, die ein Verein durch das Verleihen von Spielern einnimmt, werden hingegen vom Cap abgezogen. Verstöße gegen die Obergrenze werden sanktioniert.

Und in den großen Ligen? Chancen und Risiken

Doch dies sind lediglich zwei Beispiele aus einzelnen, unterklassigen Ligen. Wie wäre ein Salary Cap möglich, das nationenübergreifend nicht den europäischen Wettbewerb verzerrt?

In der Theorie wäre eine einheitliche Grenze zwar die ideale Lösung, was die unterschiedlichen Rechtssysteme der einzelnen Nationen in der Praxis jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern. Greifbarer wären tatsächlich eigene Obergrenzen in den einzelnen Ligen, was selbst mit lediglich kleinen Unterschieden und Abweichungen aber im Interesse kaum einer Partei liegen dürfte.

David Beckham

"Designated Player Rule": Für David Beckham, der 2007 zu Los Angeles Galaxy wechselte, wurde eine Ausnahme gemacht. Getty Images

Zumindest bietet das Salary Cap der US-Liga MLS Regeln, die auch einige Ausnahmen zulassen: Beispielsweise erlaubt die "Designated Player Rule" den Teams, maximal drei Spielern ein Gehalt (weit) oberhalb der Grenze zu zahlen. Nicht zuletzt, um große Namen anzulocken und damit die Attraktivität der eigenen Liga zu steigern.

Zudem eröffnen sich Varianten und Tricksereien bei (jährlich) garantierten Gehaltszahlungen und diversen Arten von Boni, die in unterschiedlichen Vertragsjahren ausgezahlt werden können. Darüber hinaus hat das stetig ansteigende Salary Cap, das vielmehr eine temporäre Schranke ist, durch immer neue Verhandlungen eigentlich keine Begrenzung nach oben.

Dadurch entsteht allerdings die Gefahr, dass die Spielergewerkschaften, die sich in Europa größtenteils noch gründen müssten, große Macht bekämen. In den USA sorgen während den Verhandlungen sogenannte Lockouts, also Spielerstreiks, immer wieder für massive Verzögerungen des Spielbetriebs und finanzielle Schäden.

Will der europäische Fußball das überhaupt?

Auf der anderen Seite bietet eine Gehaltsobergrenze eine gewisse finanzielle Stabilität, wie Martin Kind, Mehrheitsgesellschafter von Hannover 96, im Frühjahr 2020 betonte. Die großen Summen würden auf diese Weise nicht einfach nur umverteilt und gleich wieder ausgegeben, Gewinne nicht nur als "Durchlauferhitzer" verbucht werden. Den Vereinen blieben mehr finanzielle Rücklagen übrig, um für Krisen wie die aktuelle einer Pandemie gewappnet zu sein.

Schlussendlich wird sich vor allem die große Frage stellen, ob der europäische Vereinsfußball die Einführung eines Salary Cap, das EU-übergreifend kaum möglich scheint, überhaupt will. Schließlich ist es ein Ziel der UEFA, mit ihrer Champions League und den Unsummen, die sich dort im Umlauf befinden, viel Geld zu verdienen. Wodurch sich über die Jahre ein Ungleichgewicht aufgetan hat, das es äußerst kompliziert gestalten würde, eine gemeinsame Grenze zu finden, der sich etwa sowohl der FC Bayern München als auch der FSV Mainz 05 logisch annähern können.

Auf der Suche nach Alternativen pries ECA-Chef Andrea Agnelli von Juventus Turin (ECA = Unabhängige Interessenvertretung der europäischen Fußballvereine) Anfang März Tarifverträge als "künftige Lösung " an, die Spielergehälter als "Hauptkostenfaktor " zu deckeln. Dabei sprach Agnelli im Rahmen kommender Veränderungen in der Champions League klar von einer internationalen Lösung: "Wir fassen breit angelegte Reformen ins Auge im Gesamtbereich Financial Fairplay 3.0. Es ist Zeit, an einen europäischen Tarifvertrag zu denken."

Niklas Baumgart

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