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Wie der VfL Bochum mehr Zuschauer anlocken will

Erneut Vorreiter?

Wie der VfL Bochum mehr Zuschauer anlocken will

Der etwas andere Neuzugang: Streamerin 'Akkcess' unterstützt den VfL Bochum abseits des Platzes.

Der etwas andere Neuzugang: Streamerin 'Akkcess' unterstützt den VfL Bochum abseits des Platzes. VfL Bochum 1848

"Die Zahlen sind an den Spieltagen überschaubar. Deswegen wollen wir uns auf unserem Twitch-Kanal unterhaltsamer präsentieren", gibt Michael Fischer, der Teamleiter der Bochumer eSports-Abteilung, die Marschrichtung des Vereins vor.

Nach mehreren Jahren, in denen die Streams des VfL im zweistelligen Bereich rumdümpelten, wird nun umgedacht: "Wir haben vorher geglaubt, dass wir mit rein sportlich ausgerichteten Streams Reichweite aufbauen können. Prozentual sind wir zwar super gewachsen, aber prozentual auf einem niedrigen Niveau."

Die neue Lösung heißt Content-Creator. Der Verein begrüßte zu Beginn der FIFA 22-Saison Janina 'Akkcess' Blechinger und Maurice 'Blacki' Aliu. Beide sollen nicht die Leistungen der Mannschaft verbessern, sondern die Leistung des Streams.

Dafür sind sie Experten. 'Akkcess' und 'Blacki' streamen seit mehreren Jahren auf der Plattform Twitch - beide durchschnittlich für ein paar hundert Zuschauer. Auf ähnliche Zahlen wird auch der VfL hoffen.

Mehr als nur VBL-Content

Dafür veranstalten 'Akkcess' und 'Blacki' sogenannte Kanalübernahmen. Das bedeutet: Sie streamen ihren üblichen Content auf dem Twitch-Kanal des Vereins. Potenziell springen die Fans über und lassen dadurch die Zahlen in die Höhe schießen.

Man tut sich als Verein teilweise sehr schwer, große Reichweiten auf Twitch zu erreichen. Das merkt die VBL selbst, die trotz einer aufwendigen Show auch Probleme hat, in die viertstelligen Zuschauerzahlen zu kommen.

Michael Fischer

Darüber hinaus soll 'Akkcess' auch die VBL-Übertragungen auflockern und bei weiteren Unterhaltungsformaten wie einer Besichtigung der eSports-WG in Erscheinung treten. 'Blacki' bringt indes seine eigene Turnierserie mit, die Blacki-Cups - ein entscheidendes Argument für den Berliner.

"Als ich von der Chance erfahren habe, ihn zu verpflichten, bin ich direkt hellhörig geworden", ordnet Fischer den Neuzugang ein. Aliu hätte sich in der Szene als sehr wichtige Person etabliert. Seine Turniere haben internationale Reichweite und Strahlkraft. Dass er ein paar seiner Cups zukünftig im Namen des VfL übertragen wird, ist ein entsprechend großer Gewinn für den Verein.

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Obwohl die Zuschauerzahlen des VfL Bochum in den ersten Monaten seit Verpflichtung der beiden Content-Creator bereits grob gestiegen sind, steht eine Erfolgsbewertung des Projekts noch aus - dafür ist es schlichtweg zu früh.

Außerdem wird sich der Effekt der Content-Creator wohl insbesondere in den Phasen einer FIFA-Saison zeigen, wenn die VBL gerade ruht. Anstatt dass der eigene Kanal verwaist, können dann nämlich die Content-Creator einspringen, um die Fans bei Laune zu halten.

Bei Werder Bremen wird diese Praxis bereits gelebt. Der VBL-Doppelmeister hat ebenso wie der VfL Wolfsburg seine Streaming-Aktivitäten im vergangenen Jahr verstärkt. Die beiden Klubs aus Deutschlands Norden setzen zwar auf leicht angepasste Konzepte, schreiben dem Streaming aber ebenso wie der VfL Bochum eine hohe Bedeutung zu.

Fischer vermutet nun eine Kettenreaktion: "Ich gehe davon aus, dass bald jeder Bundesligaverein, der mit Engagement im eFootball dabei ist, einen Content-Creator haben wird." Schon bei der Trainer-Thematik sei der Verein vorangegangen. Nun möchte der VfL Bochum erneut ein Vorreiter sein.

Christian Mittweg

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