Bundesliga

Wie der erste VAR-Platzverweis einen Karriereknick verursachte

Die bittere Geschichte rund um den Ex-Freiburger Ravet

Wie der historisch erste VAR-Platzverweis einen Karriereknick verursachte

Im Ernst? Yoric Ravet ahnt, welche Karte Benjamin Cortus ihm im Nachhinein zeigen wird.

Im Ernst? Yoric Ravet ahnt, welche Karte Benjamin Cortus ihm im Nachhinein zeigen wird. imago/Sportfoto Rudel

Christian Streich musste etwas unternehmen. Mit 1:4 war seine Mannschaft am 2. Spieltag der Saison 2017/18 in Leipzig untergegangen, satte sechs Wechsel nahm er deshalb vor dem Heimspiel gegen Dortmund vor. Darunter befand sich auch ein Sommerzugang aus Bern, der erst einen Tag vor dem Leipzig-Spiel verpflichtet worden war: Yoric Ravet. In der Schweiz war es für ihn bestens gelaufen, unter anderem war er in der Champions-League-Qualifikation und in der Europa League zum Einsatz gekommen. Streich schmiss ihn gegen den BVB ins kalte Wasser.

Die Zuschauer im Dreisamstadion sahen den rechten offensiven Außenbahnspieler aber nicht einmal eine halbe Stunde auf dem Feld, denn genauso wie Ravet war auch der Videobeweis neu in der Bundesliga. In der 27. Minute traf der Franzose seinen Gegenspieler Marcel Schmelzer beim Anlaufen unglücklich, aber letztlich heftig im Wadenbereich über dem Sprunggelenk. Schiedsrichter Benjamin Cortus zückte Gelb, womit Ravet scheinbar gut davonkam.

Ravets müdes Lächeln, Schmelzers Schmerzen

Doch dann meldete sich der "Kölner Keller" in Person von VAR Günter Perl, Cortus sah sich die Szene am Spielfeldrand nochmal an - und entschied sich um. Rot für Ravet, der historisch erste Platzverweis nach Videobeweis war perfekt. Ravet quittierte die Entscheidung mit einem ironischen Lächeln. Schmelzer war gar nicht zum Lachen zumute. Der Dortmunder musste nach dem Foul für Dan-Axel Zagadou ausgewechselt werden und fiel einige Wochen aus.

Doch die Geschichte ist damit nicht zu Ende. Vier Spiele Sperre bekam Ravet vom DFB-Sportgericht aufgebrummt, nach zwei Einsprüchen von Freiburger Seite wurde das Urteil abgemildert auf drei Spiele und eines auf Bewährung. "Herr Ravet spielt seit vielen Jahren im europäischen Fußball, war in drei verschiedenen Ländern aktiv und ist dabei nie durch eine Rote oder Gelb-Rote Karte negativ aufgefallen. Er gilt nachweislich als ein fairer Spieler", erklärte Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts zur Begründung.

Abstieg mit Grasshoppers und Streichs Mitleid

Doch das half Ravet auch nicht mehr viel. Sein Fehlstart war perfekt, in Freiburg sollte er danach nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Bis Februar 2019 kam er nur auf 17 Pflichtspieleinsätze (ein Tor), in der Saison 2018/19 stand er kein einziges Mal in der Startelf. Im Winter 2019 wurde er an Ex-Verein Grasshopper Club Zürich ausgeliehen. Der Schweizer Traditionsverein stieg zum ersten Mal nach 70 Jahren am Saisonende ab.

Ravet kehrte im Sommer 2019 zu Freiburg zurück, doch auch im zweiten Anlauf sollte es nicht klappen. Im November sagte Streich: "Yoric Ravet trainiert wie ein Wahnsinniger. Ich sage immer, Yoric tut mir leid. Er sagt, Trainer, alles in Ordnung. Der redet mit mir, jeden Morgen."

Das sind die Winter-Neuzugänge der Bundesligisten

Freiburg suchte zu dieser Zeit längst den nächsten Abnehmer. "Wir probieren alles, der muss ja kicken. Er ist ein Vollblutfußballer", so Streich weiter. "Es lief halt auch, Entschuldigung, Scheiße für ihn, mit Verletzungen, der Roten Karte direkt am Anfang, und dann lief es auch nicht in Zürich." Erst im Sommer 2020 war es aber so weit. Ravet fand in Grenoble dauerhaft ein neuen Zuhause, dort kickt der inzwischen 32-Jährige noch immer in der zweiten französischen Liga.

Die für Ravet so schicksalshafte Partie fand übrigens zumindest noch für Freiburg ein ganz gutes Ende. Die Breisgauer erkämpften sich beim BVB trotz einer Stunde in Unterzahl ein torloses Remis. Eine seit zwölf Partien anhaltende Niederlagenserie gegen die Borussia war damit gebrochen.

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