Frauen

DFB-Frauen: Wie Klara Bühl Stütze in schwierigen Zeiten ist

23-Jährige ist zuversichtlich vor Olympia-Entscheidung

Wie Angreiferin Bühl der DFB-Elf eine Stütze in schwierigen Zeiten ist

Unverzichtbar für Horst Hrubesch: Klara Bühl verpasste keine Minute dieser Nations-League-Saison.

Unverzichtbar für Horst Hrubesch: Klara Bühl verpasste keine Minute dieser Nations-League-Saison. IMAGO/MIS

Während Emre Can angetrieben von ein paar Usern in den sozialen Medien trotz oder gerade wegen wenig preisverdächtiger Leistungen zum Nationalspieler des Jahres 2023 gekürt wurde, ging die Wahl zur Nationalspielerin des Jahres ihren ganz normalen Gang.

Dass Klara Bühl mit deutlichem Abstand auf Position eins des Fan-Votings landete, war gewiss keiner Bierlaune und keinem Spaß geschuldet, sondern konnte objektiv mit ihren Auftritten begründet werden. Im DFB-Team wankt und ächzt derzeit einiges, doch sie ist weiterhin eine wichtige Stütze.

Nations League, Final Four

Sieben von sieben Nations-League-Spielen hat Bühl seit der verkorksten WM im vergangenen Sommer absolviert, stand jeweils über die gesamte Spieldauer auf dem Platz und erzielte immerhin vier Treffer - nur Teamkollegin Giulia Gwinn kommt ebenfalls auf diese Anzahl, wobei die Rechtsverteidigerin stets vom Elfmeterpunkt erfolgreich war.

Gegen Frankreich blitzt Bühls Klasse ein paar Mal auf

Zwar gelingt Bühl beileibe nicht alles - auch die Angreiferin des FC Bayern spielt teilweise durchwachsen, verheddert sich im Eins-gegen-eins, scheitert vor dem Tor. Von enormer Bedeutung ist sie für die schlingernde DFB-Auswahl aber trotzdem. Und gehört vor dem Olympia-Entscheidungsspiel in den Niederlanden an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) dementsprechend zu den Hoffnungsträgerinnen.

Die 23-Jährige verfügt nun mal über gleich mehrere besondere Fähigkeiten, die sie nicht selten herausragen lassen und immer gefährlich machen: Sie ist dynamisch, extrem wuchtig, besitzt einen guten Abschluss mit links wie rechts, sie kann aus dem Spiel flanken und gefährliche Ecken schlagen. Qualitäten, die die DFB-Auswahl dringend benötigt. Zumal die nimmermüde Bühl auch dann zum Faktor werden kann, wenn sie auf sich allein gestellt ist.

Beim 1:2 in Frankreich blitzte diese Klasse zumindest ein paar Mal auf. Insbesondere in der ersten Hälfte fehlte es der Nationalelf an Präzision und Sicherheit. Richtige Drangphasen konnte sich die Mannschaft von Bundestrainer Horst Hrubesch nicht erarbeiten, weil sie die Bälle schnell verlor, weil sie nicht richtig nachrückte beziehungsweise nachrücken konnte und weil Frankreich - etwas anders als in der zweiten Halbzeit - hoch stand und aggressiv wie präsent agierte. Auf der linken Seite war Bühl darum des Öfteren ziemlich allein, wenn sie an den Ball kam. Sie wusste sich indes zu behelfen.

In der 18. Minute verlagerte Sjoeke Nüsken das Spiel mit viel Übersicht und einem perfekten Flugball auf die linke Außenbahn. Bühl dribbelte, schloss letztlich mit links ab und forderte Keeperin Pauline Peyraud-Magnin zu einer Parade heraus. Ähnliches Spiel in der 30. Minute: Bühl forderte den Ball, bekam ihn diesmal flach von Lena Oberdorf, kurvte wieder in Richtung Tor und verzog nur knapp.

Bühl hadert in Frankreich mit mangelnder Kompaktheit

Manche Nationalspielerin bemängelte nach dieser Partie, dass in der ersten Hälfte der Mut gefehlt habe. In Richtung der sehr aktiven Bühl aber zielten diese Äußerungen sicherlich nicht. Hatte sie defensiv gemeinsam mit Sarai Linder zuweilen ihre Probleme mit den schnellen Französinnen, war sie offensiv vor allem vor der Pause ein Aktivposten - wenngleich der durchschlagende Erfolg ausblieb.

Von ihren Schüssen müsse einer reingehen, haderte die Angreiferin, die davon sprach, dass "die erste Hälfte überwiegend verschlafen" worden sei. Gegen die Niederlande dürfe das nicht noch mal passieren. Das Team müsse vielmehr von Anfang bis Ende so auftreten wie in Durchgang zwei. Beim Stand von 0:2 wirkte es mutiger, ging das Spiel - logisch - deutlich offensiver und mit offenem Visier an.

Vor der Pause sei es nicht gelungen, "wirklich kompakt zu sein", analysierte Bühl. Die Abstände zwischen den Mannschafsteilen waren teils deutlich zu groß. Das sei einerseits ein mannschaftstaktisches Thema, andererseits müsse jede Einzelne darauf achten, präsent in den Duellen zu sein.

Zuversicht aus besserer zweiter Hälfte

Den zweiten Olympia-Matchball "müssen und wollen wir nutzen", betonte die Offensivkraft, die in den zweiten 45 Minuten in Lyon mit der eingewechselten Jule Brand ab und an die Seite tauschte. Ein Modell, das auch am Mittwoch zum Tragen kommen könnte. Oder spielt rechts erneut Svenja Huth, die in Lyon völlig wirkungslos blieb?

Bühl erwartet in jedem Fall "sehr, sehr athletische" Niederländerinnen, die "schnell nach vorne spielen wollen". Da müssten grobe Fehler vermieden, wichtige Zweikämpfe gewonnen und Tore gemacht werden. Klingt simpel, ist es aber nicht. Bühl indes gab sich zuversichtlich. In der zweiten Hälfte habe sich die DFB-Elf Chancen herausgespielt, und "da gab es auch andere Phasen" in den vergangenen Monaten.

"Wir kommen jetzt vors Tor", bekräftigte sie. "Wir hatten einen Lattentreffer, sehr viele Standards, bei denen wir einen Tick zu spät wären. Heute sieht es scheiße aus", sagte Bühl am späten Freitagabend. "Aber wenn wir effizienter sind, wenn wir es vielleicht einen Tick mehr wollen, können wir einige Tore schießen." Schon an diesem Mittwoch. Die Nationalspielerin des Jahres wird alles daran setzen, ihren Teil dazu beizutragen.

Leon Elspaß