Bundesliga

Wie Aaron beim 1. FSV Mainz 05 abstürzte

Gegen Freiburg erstmals seit Wochen im Kader

Wie Aaron in Mainz abstürzte

Sein Vertrag in Mainz läuft noch bis 2023: Aaron.

Sein Vertrag in Mainz läuft noch bis 2023: Aaron. imago images

19 Minuten, mit Nachspielzeit ein paar mehr. Das ist die traurige Bilanz des Aaron in der Saison 2020/21. Der Spanier, 2015 noch U-19-Europameister mit den "Rojitos" an der Seite von Kickern wie Marco Asensio oder Rodrigo, ist ein Schatten seiner selbst dieser Tage. Dabei gab es in Mainz einmal eine Art Gesetz: Ist Aaron fit, spielt er auch. So war es eigentlich über weite Strecken, seit ihn die Rheinhessen im August 2018 von Espanyol Barcelona geholt hatten. Vorbei. Im Prinzip begann der Abstieg des 23-Jährigen unter Achim Beierlorzer.

Nach dessen Installation Mitte November 2019 war der Linksverteidiger zunächst noch Stammkraft, ab Ende Januar 2020 fand sich Aaron meist auf der Bank wieder. Ein Kämpfer, ein Renner war der Iberer tatsächlich nie. Aaron kommt über das Fußballerische. Einen guten linken Fuß, sehr ordentliche, verwertbare Halbfeldflanken, Kombinationsspiel - mit dem Ball hat der einstige U-21-Nationalspieler seine Vorzüge.

Brosinski bekommt als Rechtsfuß links den Vorzug

Die waren nicht gefragt in den vergangenen Monaten, das ist normal im Abstiegskampf, und zur Wahrheit gehört, dass der Profi auch in der letzten Phase unter Ex-Ex-Trainer Sandro Schwarz nur äußerst selten zu überzeugen wusste. Und doch erstaunt es, dass ein derart begabter Kicker über Monate außen vor ist. Mit Daniel Brosinski agiert ein Rechtsfüßer auf der linken Außenbahn, das ist eher suboptimal. Rein fußballerisch betrachtet ist Aaron seinem Kontrahenten Brosinski, der inzwischen als ein Klub-Urgestein wahrgenommen wird, überlegen. Der Trumpf des Ex-Kölners sind seine Mentalität und sein Fleiß. Genau da muss Aaron ansetzen.

So hatte es auch Beierlorzer eingefordert von dem Talentierten, und zwar unmittelbar nach der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde: "Ich kann in den Kopf von Aaron nicht reinschauen, ich kann nur beurteilen, was ich auf dem Trainingsplatz sehe. Ich habe ihm sehr deutlich gesagt, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine ganz große Kluft herrscht, ich bin selten deutlich, aber da musste ich es mal sein."

Lichte fordert von Aaron mehr defensive Stabilität

Allerdings ist es auch so: Das Tischtuch zwischen dem Trainer und der Mainzer Nummer drei, die der Fraktion derer angehörte, die von Beierlorzer klarere Inhalte und Pläne im Spiel forderte, war zu diesem Zeitpunkt längst zerschnitten. Damit war Aaron gewiss nicht alleine. Die einflussreichsten Akteure des Kaders rückten in diesen Tagen endgültig ab von dem Coach, der wenige Tage später, nach Spielerstreik und einem 1:4 gegen Stuttgart, mit der grotesk anmutenden Aussage überraschte, dass das Verhältnis zur Mannschaft intakt sei. Selbst nach seiner Demission ließ der 52-Jährige bei "Sky90" eine doch sehr eigene Sicht auf das Binnenklima durchblitzen.

Jan-Moritz Lichte, damals Assistent und nun innerhalb eines Jahres der dritte Chefcoach in Mainz, forderte jüngst von Aaron mehr defensive Stabilität. Immerhin spülte eine Sprunggelenksverletzung Philipp Mwenes den Zehn-Millionen-Euro-Einkauf am vergangenen Wochenende in Freiburg erstmals seit seinem einzigen Saisoneinsatz Anfang Oktober in den Spieltagskader. Gut möglich, dass das am Sonntag (18 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen die TSG Hoffenheim erneut der Fall ist. Ob Aaron aber jemals wieder die Rolle spielen wird, die er einst bei den Nullfünfern innehatte, ist mehr als ungewiss.

Benni Hofmann

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