Bundesliga

Widmer über Parallelen zwischen Mainz und der Schweizer Nati

Nach EM-Frust und Unterschrift beim FSV: Schweizer über Parallelen zwischen Mainz und der Nati

Widmer: "Einige haben sich damals gefragt: Was macht er da bloß?"

Will beim 1. FSV Mainz 05 durchstarten: Silvan Widmer.

Will beim 1. FSV Mainz 05 durchstarten: Silvan Widmer. UEFA via Getty Images

Aus dem Trainingslager in Bad Häring berichtet Michael Ebert

Nach dem Abendessen sah die neue Nummer 30 des FSV wieder recht entspannt aus. Auf der Hotelterrasse stand er in einer Medienrunde erstmals im neuen Arbeitsumfeld Rede und Antwort. Am 9. Juli hatte Silvan Widmer bei Mainz 05 einen Vertrag bis 2024 unterschrieben. Für rund zwei Millionen Euro Ablöse (plus Boni) lotsten ihn Sportvorstand Christian Heidel und Sportdirektor Martin Schmidt vom FC Basel nach Mainz. Bis 2018 hatte der heute 28-Jährige bei Udinese Calcio gespielt. Widmer sprach über …

… die ersten Trainingseindrücke: "Heute war es anstrengend, zwei Trainingseinheiten, eine hohe Intensität – so wie man es gewohnt ist im Trainingslager. Man merkt den qualitativen Unterschied gegenüber Basel. Das Passspiel ist schneller, beim Pressing hat man weniger Zeit am Ball, muss auf der Hut sein und vorher überlegen, wo man hinspielen könnte, das macht das ganze Spiel schneller."

… die Ursachen: "Bo Svensson legt sehr viel Wert auf Pressing, hohes Anlaufen, im Sprint anzulaufen. Aber auch allgemein ist das Tempo höher in der Bundesliga."

… den EM-Erfolg mit der Nationalmannschaft: "Wir in der Schweiz sind ein tolles Team, wir sind richtig eingespielt, jeder hat richtig Bock für die Schweiz spielen zu dürfen, das haben wir gezeigt und auf den Platz gebracht. Wenn man nur die Namen und die Qualität anschaut, ist Deutschland höher einzustufen als die Schweiz."

… die Parallele zur Mainzer Vorgehensweise: "Das ist die Strategie, die auch Mainz hat. Der FSV gehört nicht zu den Riesenvereinen in Deutschland. Wir wollen eine Mannschaft sein, gegen die es extrem unangenehm ist zu spielen. So wie sie es in der Rückrunde eindrucksvoll bewiesen haben."

… den persönlichen EM-Eindruck: "Es war mein erstes großes Turnier. Die letzten beiden Endrunden hatte es für mich persönlich knapp nicht gereicht, jetzt durfte ich eine tragende Rolle spielen. Das bringt Erfahrung und Ruhe, weil ich weiß, dass ich mit diesen Stresssituationen gut umgehen konnte. Das wird mir weiterhelfen, falls mal Mainz im Spiel oder allgemein einmal in einer schwierigen Phase sein wird."

… das EM-Aus im Viertelfinale gegen Spanien: "Es war hart, ich brauchte einige Tage, bis ich wieder Fuß fassen konnte. Ich kam nach Hause und hatte keine Energie für nichts. Das war eine ganz neue Erfahrung. Das Ausscheiden tat extrem weh, Penalty-Schießen ist immer doppelt bitter. Wenn du bis zum Elfmeterschießen kommst, hätten es beide verdient. Nach ein paar Tagen kam ich dann nach Mainz und habe den Vertrag unterschrieben. Spätestens ab diesem Moment überwog dann die Vorfreude auf die neue Challenge."

Die Bundesliga-Trikots für die Saison 2021/22

… das Verhältnis zu Fabian Frei, der von 2015 bis 2017 in Mainz spielte: "Er ist ein enger Freund, wir haben uns mehrmals unterhalten. Ich habe viel Wert auf seine Meinung gelegt, er hat mir empfohlen, hierher zu kommen. Er hat sich im Klub und der Stadt extrem wohlgefühlt, er hat immer noch viele Freunde hier. Er hat gesagt, in der Bundesliga geht es jede Woche gegen Topteams, Mainz ist trotzdem noch ein einigermaßen familiärer Klub, man kennt sich, man schätzt sich, es ist menschlich."

… den nächsten Karriereschritt: "Meine Karriere verlief ja atypisch, ich bin mit 20 von Salzburg nach Italien, habe mich dort durchsetzen können und mit 25 kam ich dann zurück in die Schweiz. Einige haben sich damals gefragt: Was macht er da bloß? Ich Nachhinein kann ich sagen, es war ein super Schritt. Ich habe mich weiterentwickelt, europäisch spielen können, bin gereift und war jetzt bereit, den Schritt in eine große Liga zu machen."

… den Mainzer Vorteil: "Die Gespräche wurden während der EM intensiviert. Ich habe bei Martin Schmidt und Bo Svensson am Telefon gespürt, dass sie mich haben möchten. Das war mir extrem wichtig. Bei den anderen Vereinen, die interessiert waren, war das Gefühl nicht so stark."

… das Spielsystem als Pluspunkt: "Zudem kommt mir das Spielsystem, das wir schon in der Schweizer Nationalmannschaft seit mehreren Jahren spielen, entgegen. Ich kann offensiv Akzente setzen, werde aber auch hinten gebraucht. Das erfordert eine läuferische Bereitschaft, die ich sicherlich habe. Wir wollen, wenn es geht, hoch pressen und schnell zum gegnerischen Tor finden."

… die Abwehrformation: "Bei Basel habe ich drei Jahre lang Viererkette gespielt, in Italien beides, in der Nationalmannschaft oft mit der Dreierkette. Ich habe beides drauf, das 3-5-2 kommt mir persönlich aber eher entgegen."

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