Nationalelf

Timo Werner und die Jokerrolle: "Bin kein Spieler, der schmollt"

Stürmer stellt sich in den Dienst des Teams

Werner und die Jokerrolle: "Bin kein Spieler, der schmollt"

Hält sich als Joker bereit: Timo Werner, hier mit Bundestrainer Joachim Löw.

Hält sich als Joker bereit: Timo Werner, hier mit Bundestrainer Joachim Löw. imago images

Timo Werner ist sich der Rolle, die ihm Joachim Löw zumindest mal beim EM-Start gegen Frankreich zugedacht hat, voll bewusst. "Im Endeffekt bin ich momentan eher hintendran hinter der Startelf", entgegnete er am Samstag auf die entsprechende Frage, und fügte im selben Atemzug hinzu: "Das ist aber auch nicht schlimm. Ich bin kein Spieler, der sich dann mit verschränkten Armen auf die Tribüne setzt und schmollt."

Ein seltenes Bild: Werner und die Jokerrolle

Doch Werner und die Jokerrolle, das war in der Vergangenheit ein seltenes und selten ergiebiges Bild. Beim FC Chelsea bestritt er in der vergangenen Saison 44 Pflichtspiele in der Anfangsformation, in acht weiteren Partien wurde er eingewechselt. Seine zwölf Pflichtspieltore erzielte er allesamt als Startelf-Spieler. In der Nationalmannschaft durfte er 28 mal beginnen, 13 Tore gelangen ihm dabei. Bei seinen elf Einwechslungen kam er auf drei Treffer, und die gelangen gegen Estland (2) und am vergangenen Montag gegen Lettland ausnahmslos gegen Kontrahenten der dritten Kategorie. In der Öffentlichkeit weitaus präsenter ist die vergebene Riesenchance im März bei der 1:2-Heimblamage gegen Nordmazedonien, als der eingewechselte Stürmer die 2:1-Führung geradezu kläglich vergab.

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Werner weiß natürlich, dass seine Bilanz als Einwechselspieler ausbaufähig ist. "Das ist ein Punkt, in dem ich mich als Stürmer weiterentwickeln kann und sollte", merkte er selbstkritisch an. Gerade auf dem Niveau, "auf dem ich jetzt spielen darf", werde es immer mal wieder vorkommen, dass ihm ein Platz als Joker zugeteilt wird: "Es ist ein Schritt in der Entwicklung, dass man sich da verbessert und torgefährlicher wird, wenn man von der Bank kommt." Fürs Frankreich-Spiel hat er sich vorgenommen, sich "besser aufzuwärmen vor der Einwechslung, damit ich noch fitter reinkomme".

Wir haben auf den Offensivpositionen ein brutales Überangebot an Spielern, die super spielen.

Timo Werner

Prinzipiell aber nehme er es "ganz locker", zunächst nicht erste Wahl zu sein. "Wir haben auf den Offensivpositionen ein brutales Überangebot an Spielern, die super spielen", sagte er über den Konkurrenzkampf mit dem Bayern-Trio Thomas Müller, Serge Gnabry und Leroy Sané sowie seinem Klubkollegen Kai Havertz: "Das sind fünf Champions-League-Gewinner für drei Positionen." Er halte sich deshalb an die Worte, die Joachim Löw im Trainingslager in Seefeld zur Mannschaft gesprochen hatte: "Der Bundestrainer hat es ganz deutlich gemacht, dass wir nicht nur elf Spieler im Kader haben, sondern viel mehr, die es alle verdient hätten zu spielen."

Und die sich bereit zu halten haben für den Moment des Gebrauchtwerdens. Da ist vor dem ersten Turnierspiel bei Jedem die Zuversicht noch groß, dass daraus Realität wird, auch bei Werner: "Ich stelle mich in den Dienst des Teams und hoffe, dass auch ich auf meine Einsätze komme, um helfen zu können." Ob von Beginn an oder von der Bank.

Oliver Hartmann

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