Bundesliga

Werner ist "weit entfernt von Weltuntergangsstimmung" bei Werder

Negativtrend, Njinmah-OP, Absagen von Dinkci und Woltemade

Werner ist "weit entfernt von Weltuntergangsstimmung" bei Werder

Bremens Coach Ole Werner sieht Werder nicht in Not, bestätigte aber die nicht gerade positiven Umstände an der Weser.

Bremens Coach Ole Werner sieht Werder nicht in Not, bestätigte aber die nicht gerade positiven Umstände an der Weser. IMAGO/RHR-Foto

Jeden Tag eine unerfreuliche Kunde für den SV Werder Bremen: Nach der am Dienstag publik gewordenen gescheiterten Vertragsverlängerung von Nick Woltemade informierte der Bundesligist am Mittwoch über eine Operation bei Angreifer Justin Njinmah - und am Donnerstag wurde dann auch noch der Abgang vom aktuell nach Heidenheim verliehenen Eren Dinkci zum SC Freiburg verkündet. Es war eine Woche voller personeller Rückschläge für den Bundesligisten, die aktuell auch nicht viel besser zum sportlichen Zustand passen könnte, in dem sich der Klub nach vier Liganiederlagen in Folge befindet. Werder in Not also?

Vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt am Freitagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) zum Auftakt des 28. Spieltags begegnete Cheftrainer Ole Werner dieser Annahme zunächst mit einem Lächeln. "Ich weiß nicht, wie oft mir diese Frage nach der schwierigsten Woche bei Werder schon gestellt wurde. Das geht immer schnell …"

Werner: "Es ist gerade viel"

Die nicht gerade positiven Umstände an der Weser bestätigte er dann aber doch, "es ist gerade viel, was auf einmal kommt": Zum einen der mehrwöchige Ausfall Njinmahs (Werner: "Mit seiner Geschwindigkeit fehlt eine Komponente, die wichtig für uns ist"), zum anderen die gegen Werder ausgefallenen Zukunftsentscheidungen von Dinkci und Woltemade ("Ich fahre da jetzt nicht mit einem Grinsen nach Hause.").

Zu viel Schwarzmalerei zu diesem Zeitpunkt der Saison, in der der aktuelle Tabellen-Zehnte "überwiegend sehr, sehr kritisch begleitet" würde, wies der 35-Jährige jedoch zurück: "Trotzdem ist es so, dass wir uns immer wieder an schwierigen Punkten zusammengerauft haben, unsere Qualität gezeigt haben und die Mannschaft am Ende des Tages immer noch Reaktionen gezeigt hat", so Werner: "Deshalb bin ich weit entfernt von einer Weltuntergangsstimmung."

Fritz: "Da hätten alle gesagt: 'Finden wir gut'"

Auch Clemens Fritz verwies am Donnerstag auf die hinter ihm über einen Bildschirm flimmernde Bundesliga-Tabelle: "Fakt ist, dass wir vor dem 28. Spieltag mit zehn Punkten Vorsprung vor den Abstiegsplätzen stehen. Da hätten wir vor der Saison wahrscheinlich alle gesagt: 'Finden wir gut'", so der Leiter Profifußball: "Fakt ist aber auch, dass wir nicht zufrieden sind. Wir nehmen nichts auf die leichte Schulter." Es handele sich derzeit um eine "sensible" Situation, in die Werder da angesichts des Negativtrends sportlich manövriert ist.

Auch zuvor hatte der baldige Geschäftsführer Sport bereits in den Verteidigungsmodus geschaltet, als er erläuterte, weshalb der Klub mit Woltemade und Dinkci nun die nächsten beiden Profis nicht halten konnte, die bereits für den Werder-Nachwuchs aufgelaufen sind. Schon im Sommer verließ Fabio Chiarodia die Bremer per Ausstiegsklausel Richtung Borussia Mönchengladbach - wie nun auch Dinkci nach Freiburg. "Die Klausel war damals auch nicht rauszuverhandeln", betonte Fritz. Woltemade indes wechselt ablösefrei nach Stuttgart.

Dinkci, Woltemade, Chiarodia: Werder als Durchgangsstation

Die Fälle seien jedenfalls unterschiedlich gelagert, erklärte Fritz: Chiarodia wollte mehr Spielzeit, "aber davon sehe ich jetzt auch in Mönchengladbach nicht mehr". Dinkci, der in der Vergangenheit hinter dem Sturmduo Niclas Füllkrug/Marvin Ducksch quasi chancenlos war, und Woltemade hätten sich gegen den von Werder "aufgezeigten Weg" entschieden - wobei beide Wechsel sicherlich als Karrieresprung einzuordnen sind, möglicherweise auch mit wirtschaftlichen Vorzügen.

Neuer Rekord in Stuttgart: Die Stadien mit den meisten Bundesliga-Spielen

Dass Werder diese Abgänge in der Außenwirkung schaden, davon geht Fritz nicht aus. Wenn er es als positiv verkauft, "dass wir Spieler rausbringen aus unserem Leistungszentrum", bleibt jedoch festzuhalten, dass Werder aktuell lediglich als Durchgangsstation für derlei Spieler fungiert.

Werner: "Es werden neue Spieler kommen"

Pragmatisch sahen die Verantwortlichen die beiden Absagen in dieser Woche jedenfalls vor dem Hintergrund, dass nun Klarheit in diesen Personalien herrscht. "Es werden neue Spieler kommen", sagte Coach Werner: "Und es wird auch weiterhin so sein, dass junge Spieler sich für uns entscheiden." Das habe etwa die Winter-Transferperiode mit den Transfers von Julian Malatini (22), Skelly Alvero (21) und Isak Hansen-Aaröen (19) gezeigt. Der Dinkci-Transfer bringt den Bremern immerhin eine Summe im mittleren einstelligen Millionenbereich ein.

Und Woltemade steht ja noch bis Saisonende und somit auch für die Partie am Freitag zur Verfügung, der U-21-Nationalspieler gilt neben dem zusätzlich genesenen Dawid Kownacki somit als erste Alternative für Njinmah bereit. Im Bremer Tor wird indes auch Michael Zetterer stehen können, nachdem sein Einsatz unter der Woche noch fraglich gewesen war. Zumindest das waren dann auch positive Nachrichten am Donnerstag.

Tim Lüddecke