Nationalelf

Timo Werner erklärt Jamal Musiala zum Vorbild

Der Torjäger spricht über fehlende Lockerheit und die Freude über Flick

Werner erklärt Youngster Musiala zum Vorbild

Traf gegen Liechtenstein zum 1:0: Timo Werner.

Traf gegen Liechtenstein zum 1:0: Timo Werner. imago images/Pius Koller

Von der Nationalelf berichten Matthias Dersch und Sebastian Wolff

Wenigstens der Veranstaltungsraum nahe Stuttgart Degerloch ließ ein wenig Heimatgefühle aufkommen. Wie schon Joshua Kimmich hatte auch Timo Werner am Ort der Pressekonferenz einst seinen Abi-Ball, "und es ist natürlich besonders, jetzt hier in diesem Raum zu sitzen." Viel mehr Orte besuchen oder gar Freunde treffen kann der Nationalstürmer des FC Chelsea während des Stuttgart-Aufenthaltes mit der Nationalmannschaft nicht. "Ich war zwar lange nicht hier, aber leider darf ich coronabedingt nicht raus." Im Mittelpunkt steht für ihn ohnehin anderes: Punkten für die WM-Qualifikation, und, mindestens ebenso wichtig: Selbstvertrauen tanken.

Der Vortrag von St. Gallen, das dürftige 2:0 gegen Liechtenstein, hat offen dargelegt, dass es der deutschen Elf an Selbstverständlichkeit fehlt. Und Werner stellt dies deutlich heraus, wenn er den 18-jährigen Youngster Jamal Musiala zum Vorbild für sich und seine Kollegen erklärt. "Jamal macht sich nicht so viele Gedanken wie diejenigen, die schon länger dabei sind, er spielt einfach drauflos, mit Spaß und Lockerheit." Der 25-Jährige findet: "Von seiner jugendlichen Lockerheit können wir uns eine Scheibe abschneiden."

Lockerheit und Vertrauen sind Kernthemen dieses ersten Lehrgangs unter Hansi Flick, und Werner verrät, dass der neue Bundestrainer neben dem Einschleifen von Automatismen vor allem die Köpfe seiner Spieler zu erreichen versucht. "Er versucht uns jenen Mut und jene Lockerheit zurückzugeben, die uns ein wenig abhanden gekommen ist." Für Werner selbst war der Trip ins nahegelegene St. Gallen zumindest in dieser Hinsicht schon ein Erfolg. Der Treffer zum 1:0 war sein erstes Pflichtspieltor in dieser noch jungen Spielzeit, und er versucht erst gar nicht, die Bedeutung kleinzureden, obgleich der Gegner kein Maßstab war: "Als Stürmer ist es immer wichtig zu treffen, weil ein Tor Stürmern Selbstvertrauen gibt. Das ist wichtiger als der Gegner."

Die Liaison mit Flick soll ebenfalls Selbstvertrauen geben. Schon zum FC Bayern hätte der Coach den Angreifer gern geholt, Werner verrät deshalb: "Wir sind beide froh, dass wir jetzt endlich zusammenarbeiten. Ich habe mich sehr gefreut, dass er unser neuer Trainer geworden ist, weil es natürlich von Vorteil ist, wenn ich weiß, da kommt einer, der mich gar nicht so schlecht findet. Ich denke, es kann mit ihm in eine sehr gute Richtung gehen."

Die Weichen sollen am Sonntag in Werners Heimat gestellt werden. "Unser Ziel waren und sind neun Punkte aus diesen drei Spielen", unterstreicht der Angreifer, "gegen Armenien wollen wir den nächsten Schritt gehen."