Bundesliga

Werder: Gute Zahlen, sportliche Zweifel

Bremen: Kritik an Nouri wächst

Werder: Gute Zahlen, sportliche Zweifel

Klubchef Klaus Filbry

"Die Talsohle ist durchschritten": Klubchef Klaus Filbry. imago

Im Geschäftsjahr 2015/16 machten die Grün-Weißen einen Gewinn von 2,8 Millionen Euro (nach 5,9 Mio. Euro Verlust in 2014/15), steigerten zudem ihren Umsatz auf 108,1 Millionen Euro (gegenüber 103,6 Millionen). Filbrys Fazit: "Die Talsohle ist durchschritten."

Denn: Auch in der laufenden Saison steuert Werder auf ein positives Ergebnis zu. Vor allem dank der Transfereinnahmen für Jannik Vestergaard sowie Anthony Ujah im vergangenen Sommer. Und trotz des frühen Pokal-Aus in Lotte sowie einer Steigerung des Gehaltsvolumens der Lizenzspielerabteilung um rund zehn Prozent auf aktuell gut 36 Millionen Euro. Die entsprechende sportliche Wettbewerbsfähigkeit sollte nun freilich zeitnah unter Beweis gestellt werden. "Möglichst schnell den Anschluss ans Mittelfeld herzustellen", lautet Filbrys Vorgabe. "Die Qualität dazu hat die Mannschaft."

Zweifel an Nouri wachsen

Die nun folgenden Duelle mit den Schlusslichtern Hamburg und Ingolstadt erhalten daher allerhöchste Brisanz - nicht zuletzt für Trainer Alexander Nouri. Dessen verheißungsvollem Auftakt als Nachfolger des entlassenen Viktor Skripnik folgten inzwischen vier Pleiten in Serie. Erste Zweifel am Trainerneuling werden folgerichtig lauter. Dass er die Rekonvaleszenten Claudio Pizarro und Max Kruse gegen Frankfurt bei sichtbarem Kräfteverfall zu lange auf dem Feld ließ, ist ein nachvollziehbarer Kritikpunkt. Ebenso wie die Bewertung, er habe Zlatko Junuzovic auf dem Flügel falsch eingesetzt. Bei seinen öffentlichen Erklärungsversuchen verfällt der Coach zudem zusehends in Sprechblasen ("wir werden unseren Weg konsequent weitergehen") und verliert damit an Profil.

Wie dringend Werder einen nachhaltigen sportlichen Aufwärtstrend bräuchte, um gerade als "Marke" an Glanz zurückzugewinnen, verdeutlicht derweil eine unschöne Zahl aus der insgesamt so erfreulichen Bilanz. Im Bereich Werbung gingen in 2015/16 die Erlöse nämlich um 1,5 Millionen auf 22,3 Millionen Euro zurück. Ursache: Die beendeten Verträge mit den Sponsoren tipico und Targobank, die zusammen rund drei Millionen Euro brachten, konnten nicht adäquat ersetzt werden. Die größte Steigerung erfuhr unterdessen der Posten mediale Vermarktung: Hier wuchsen die Einnahmen um sechs Millionen auf 38,6 Millionen Euro an. Hauptverantwortlich dafür: Der Einzug ins Pokalhalbfinale sowie die Steigerung der TV-Gelder im Ligabetrieb.

Thiemo Müller