2. Bundesliga

Bremen gegen alle Widerstände: "Ziehen unser Ding durch"

Bremer Sieg der höheren Wertigkeit

Werder trotzt allen Widerständen: "Ziehen unser Ding durch"

Fünfter Sieg in Folge: Bremen um Kapitän Ömer Toprak schreit seine Freude heraus.

Fünfter Sieg in Folge: Bremen um Kapitän Ömer Toprak schreit seine Freude heraus. imago images/Ulrich Hufnagel

Der Siegtreffer von Ömer Toprak in diesem laut den Trainern beider Klubs "vogelwilden" Spiel in Paderborn war gerade gefallen, doch Ole Werner prüfte nach einem ersten Jubel lieber noch mal die vielen freudigen Gesichter und "ob irgendjemand etwas gesehen hat". Der bisherige Spielverlauf hatte dem Coach des SV Werder Bremen ja allen Anlass dazu gegeben; insgesamt drei Treffern war bis dato die Anerkennung vom Schiedsrichtergespann wieder genommen worden. Doch diesmal empfand Werner die Reaktion des 4. Offiziellen als unmissverständlich.

Kwasniok: "Krank"

Das Tor zählte. Die Siegesserie hielt, zum fünften Mal in Folge. Werder wird den 20. Spieltag in der 2. Liga auf dem Relegationsplatz abschließen - wobei diese Erkenntnis der Partie, die SCP-Coach Lukas Kwasniok zudem als "krank" bezeichnete, fast zur Nebensache wurde. Zwar hat auch Werner festgestellt, dass sich die Konstellation im oberen Bereich der Tabelle allmählich etwas "enger" darstellt und "wir dabei sind" - aber er betonte auch: "Man sieht, wie sehr es an Kleinigkeiten hängt und wie sehr auch Zufälle entscheidend sein können. Wir sind gut beraten, uns nicht allzu sehr um die Tabelle zu sorgen."

Werder trotzt allen widrigen Umständen

Zu einigen tatsächlich zufälligen Aktionen führte an diesem denkwürdigen Samstagnachmittag insbesondere das rutschige Geläuf in der Paderborner Benteler-Arena. Der Rasen (wenn man ihn denn noch als solchen bezeichnen wollte) hatte durchaus "Einfluss genommen", erklärte Werner, doch "wichtig ist, dass man damit umgehen kann". Und in der aktuellen Verfassung macht es den Eindruck, dass dem SV Werder kein Widerstand zu groß ist.

Da wäre noch der eigentlich von Keeper Jiri Pavlenka gehaltene Elfmeter von Sven Michel, der wegen einer insgesamt doch sehr kleinlichen Spielführung von Tobias Welz wiederholt wurde - und doch das 0:1 bedeutete. Da wären zwei - zurecht wegen Abseitsstellungen aberkannte - Tore von Marvin Ducksch. Da wäre der zwischenzeitliche 1:3-Rückstand nach einem "Wahnsinnstor" (Werner) aus rund 40 Metern von Paderborns Felix Platte - und ein vermeintliches Gefühl: Vielleicht sollte es in Paderborn halt einfach nichts werden mit jenem fünften Sieg in Folge ... Trotzdem drehten die Bremer die Partie noch einmal.

Wichtig war, dass wir schnell den Anschlusstreffer zum 2:3 machen. Dass wir solche Situationen überwinden können, an uns glauben und weiter unser Ding durchziehen.

Ole Werner

"Wichtig war, dass wir schnell den Anschlusstreffer zum 2:3 machen", sagte Werner und verwies auf die Bremer Haupterkenntnis, "dass wir solche Situationen überwinden können, an uns glauben und weiter unser Ding durchziehen". Dass die Art und Weise des Zustandekommens dieses 4:3-Siegs über die üblichen Begleiterscheinungen eines "normalen" Erfolgs hinaus wirken könnte, hält auch der Werder-Trainer für möglich: "Das hat schon einen hohen Wert - wenn du damit richtig umgehst."

Was Werner damit meint: Die Werder-Siegesserie setzt sich weiterhin nicht von allein fort, auch nicht durch diese Demonstration der Moral in Paderborn. "Wir müssen uns selbst tragen", sagte er, denn man biege deshalb beim nächsten Mal "nicht automatisch wieder einen Rückstand um". Von größerer Bedeutung sei überhaupt die Erkenntnis, dass die Mannschaft "das kann".

Aktuell scheint sie so vieles zu können.

Tim Lüddecke