2. Bundesliga

Werder setzt den Plan nicht um: Anfang geht auf Abstand

Füllkrug-Kritik und zu viel Sicherheitsdenken

Werder setzt den Plan nicht um: Anfang geht auf Abstand

Verliert langsam die Geduld: Werder-Trainer Markus Anfang.

Verliert langsam die Geduld: Werder-Trainer Markus Anfang. picture alliance/dpa

Der 28-Jährige stand eigentlich erst wenige Augenblicke auf dem Feld, als die sich von seiner Einwechslung versprochene Wende in noch viel weitere Ferne rückte. Bevor die Bremer mit einem zusätzlichen Stoßstürmer den Ausgleich überhaupt in den Blick nehmen konnten, hatte der SV Darmstadt 98 in der 65. Minute seine Führung bereits auf 2:0 ausgebaut. Viel ging für Werder dann auch nicht mehr, am Ende stand es gar 3:0. Markus Anfang war bedient, natürlich, in vielerlei Hinsicht.

Anfang: "Dann muss auch was kommen am Ende des Tages"

Bemerkenswert waren insbesondere die Worte in Richtung Füllkrug, die zwar nicht als zielgerichteter Rüffel formuliert waren, aber doch einige wohlplatzierte Kritikpunkte enthielten. "Fülle hatte gar keine Aktion", die zu einem ernstzunehmenden Torabschluss geführt hätte, sagte Anfang über den Joker: "Dann muss auch was kommen am Ende des Tages. Wir sind lange mit vielen Sachen geduldig umgegangen." Fünfmal wurde der Angreifer in den vergangenen sechs Spielen nur eingewechselt, ist in insgesamt neun Ligaeinsätzen weiter ohne Tor. Auch in Darmstadt kam nicht viel, bis auf einen vielversprechenden Assist für Romano Schmid.

Verliert der Werder-Coach also allmählich erwähnte Geduld mit Füllkrug? Dessen zuletzt getroffene Aussagen, sich als persönlicher Verlierer bei Werder zu outen, erschien Anfang jedenfalls eher unpassend. Zudem zog er Sonntag einen vielsagenden Vergleich zum Darmstädter Angriffsduo Luca Pfeiffer/Phillip Tietz: "Die kriegen eine Situation - und der Ball ist drin." Auch diesmal habe er "extra Fülle gebracht, weil ich mir erhofft habe, dass er sich vorne durchsetzt", so Bremens Trainer.

Trainer vermisst Überzeugung bei seinen Spielern

"Aber dann ist das 0:2 gefallen", womit Anfang bei einem weiteren Auslöser seiner Kritik angelangt war: "Es ist genau das passiert, was uns in der ersten Halbzeit begleitet hat, wir spielen einen Rückpass." Es ging ihm gar nicht darum, dass der gravierende Aussetzer von Nicolai Rapp jenen Darmstädter Treffer auf den Weg gebracht hatte. Es ging ihm um diesen weiteren Nachweis für eine Ausrichtung, die seine Mannschaft gerade in den ersten 45 Minuten zu keinem Zeitpunkt ablegen konnte - und von der sich Anfang merklich distanzierte.

"Mensch Jungs, spielt nach vorne", gab der 47-Jährige Einblicke in seine Gedankenwelt bis zur Halbzeit. Jegliche Überzeugung bei seinen Spielern habe ihm gefehlt, nach vorne zu spielen und Torchancen kreieren zu wollen. Dabei hatte er in der Trainingswoche noch all diese Dinge gepredigt, die es in Darmstadt braucht - wer sollte es besser wissen als er, der Ex-Coach: Mut, Ausstrahlung, Präsenz. Stattdessen sprach Anfang im Nachgang von einer "Angst, Fehler zu machen", von einer Mannschaft, die in den vergangenen zwei Jahren des Misserfolgs den Gedanken verinnerlicht habe: "Hinten sicher, sicher, sicher."

Diesen Geist müsse man aus den Köpfen rauskriegen, erklärte der Mann, der selbst am liebsten "von der ersten Sekunde nach vorne" spielen will, wie er nun noch mal verdeutlichte: "Deswegen haben meine Mannschaften in der Regel auch die meisten Tore geschossen." Wie in Kiel und Köln, wo es den Spielern laut dem Trainer einfacher gefallen sei, diese Offensivdenke zu adaptieren, aber auch in Darmstadt, wo es länger dauerte, setzt Anfang auch in Bremen dabei auf "einen klaren Plan". Die Mannschaft wisse ganz genau, "wie wir verteidigen, wie wir nach vorne spielen", sagt er, doch "am Ende geht es um die Umsetzung". In Darmstadt - und nicht zum allerersten Mal - ist sie daran gescheitert.

Tim Lüddecke

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