Basketball

Wer holt den BBL-Pokal? Die große Vorschau vor dem Top-Four

Pokal-Wochenende in diesem Jahr in München

Wer holt den BBL-Pokal? Die große Vorschau vor dem Top-Four

Duellieren sich am Wochenende mit Bamberg um den BBL-Pokal: Berlins Thiemann, Bayerns Ibaka und Ulms Jallow (v.l.).

Duellieren sich am Wochenende mit Bamberg um den BBL-Pokal: Berlins Thiemann, Bayerns Ibaka und Ulms Jallow (v.l.).

Nachdem für das BBL Top-Four im vergangenen Jahr Oldenburg den Zuschlag erhalten hatte, wird der Pokalsieger 2024 im Münchner BMW Park ermittelt. Am Samstag trifft im ersten Halbfinale der Gastgeber und amtierende Pokalsieger FC Bayern Basketball auf die Bamberg Baskets (14 Uhr). Im Anschluss daran kämpfen ALBA Berlin und Meister ratiopharm Ulm um das zweite Finalticket (17.30 Uhr).

Zuletzt hatte das Top-Four im Jahr 2021 in München stattgefunden, damals hatten sich die Gastgeber im Finale gegen ALBA Berlin den Titel gesichert. Bei der diesjährigen Endrunde treffen nun die vier Vereine aufeinander, die im vergangenen Jahrzehnt auf nationaler Ebene die größten Erfolge gefeiert haben. Der kicker stellt die aktuellen Mannschaften vor und beleuchtet ihre Chancen bei der diesjährigen Pokal-Endrunde:

Bamberg Baskets

Der ehemalige Serienmeister aus Bamberg hat schwierige Jahre hinter sich. Aktuell rangieren die Oberfranken in der BBL nur auf Rang zwölf, nach der deutlichen Derbypleite in Würzburg wurde am vergangenen Wochenende Head Coach Oren Amiel von seinen Aufgaben entbunden. Co-Trainer Arne Woltmann übernahm vorübergehend. Präsentierten sich die Bamberger im Ligabetrieb bisher inkonstant, so wurden im Pokal alle drei bisherigen Partien gewonnen: Zweitligist Quakenbrück, Hamburg und Vechta waren allerdings keine Mannschaften vom Kaliber der drei anderen Top-Four-Teilnehmer.

Zach Copeland, Karsten Tadda

Zwei Stützen der Bamberger Mannschaft: Zach Copeland (li.) mit Kapitän Karsten Tadda. IMAGO/HMB-Media

Dass die Bamberger aber auch große Mannschaften schlagen können, bewiesen sie Anfang Januar, als man ALBA Berlin mit einer 20-Punkte-Klatsche nach Hause schickte. Der wichtigste Spieler der Baskets ist Zach Copeland, der in der BBL durchschnittlich 18 Punkte pro Partie markiert. Beim Heimsieg gegen die Albatrosse legte der Guard 24 Zähler auf. Eine weitere Stütze in der Mannschaft ist der vielseitige Trey Woodbury, der im Schnitt 13,7 Punkte, 4,4 Rebounds und 3,1 Assists beisteuert. Kapitän Karsten Tadda, der im Sommer 2023 in seine Heimat zurückgekehrt war und kürzlich seinen 600. Einsatz in der BBL feierte, weiß wie man den Pokal gewinnt: Dreimal holte der Shooting Guard den Titel bereits mit Bamberg. Dazu kommen fünf Meisterschaften und der Champions-League-Gewinn mit Bonn letzte Saison. In dieser Saison hatte der 35-Jährige aber vor allem offensiv Probleme.

Bei der Dreierquote liegen die Bamberger ligaweit im unteren Tabellendrittel. Bei den Rebounds gehört Bamberg dafür zu den besten Mannschaften der Liga. Hier wissen besonders Power Forward Adrian Nelson, der 12,8 Punkte und 6,1 Rebounds pro Partie verbucht, und der physische Center Filip Stanic zu überzeugen. Ob sie gegen einen Big Man wie Serge Ibaka auf Seiten der Münchner im Pokalhalbfinale über 40 Minuten etwas entgegenzusetzen haben, darf jedoch bezweifelt werden. Die Bamberger gehen als klarer Außenseiter in die Partie gegen die Bayern, bereits ein Finaleinzug wäre eine kleine Sensation.

FC Bayern Basketball

Die Münchner haben sich nach der Aufholjagd gegen den bisherigen Tabellenführer Chemnitz an die Spitze des Bundesliga-Tableaus gesetzt. Die Mannschaft von Pablo Laso gewann die letzten zwölf Spiele in der Liga und kam zuletzt auch in der Euroleague den Play-in-Plätzen etwas näher. Im Pokal-Achtelfinale schlugen die Bayern Oldenburg deutlich, im Viertelfinale wurde Bonn rausgekegelt.

Pablo Laso

Will sein ersten Titel in Deutschland holen: Bayern-Trainer Pablo Laso. IMAGO/Lackovic

Die Bayern-Basketballer verfügen über den tiefsten Kader der Liga, insgesamt elf Spieler legen durchschnittlich zwischen 6,3 und 13,5 Punkte pro Spiel auf. Die meisten Punkte im Schnitt erzielen die beiden Guards Carsen Edwards (13,5) und Sylvain Francisco (13,2), in der Münchner Mannschaft kann aber in jedem Spiel ein Anderer Verantwortung übernehmen. Hier wäre der langjährige NBA-Spieler und -Champion Serge Ibaka zu nennen, aber auch der lange verletzte Kapitän Vladimir Lucic, der in Topform zu den besten Spielern der Euroleague gehörte. Zudem stehen drei deutsche Weltmeister im Münchner Aufgebot: Scharfschütze Andi Obst, Defensiv-Ass Isaac Bonga und der vielseitige Teamspieler Niels Giffey können jederzeit Einfluss auf das Spiel nehmen.

Besonders offensiv sind die Münchner dementsprechend vielseitig aufgestellt. Ein Indiz dafür: Ganze neun Spieler haben eine starke Dreierquote jenseits der 40-Prozent-Marke. So sind die Bayern von außen das gefährlichste Team der Liga. Neben der individuellen Qualität, aufgrund der die Basketballer aus der bayrischen Landeshauptstadt als Favorit ins Top-Four gehen, wird sicherlich auch der Heimvorteil im BMW Park einen Ausschlag zugunsten des Teams von Pablo Laso geben. Der Spanier, der in seiner Zeit als Trainer von Real Madrid zahlreiche Titel gewann, könnte mit dem Pokal auch in Deutschland seine erste Trophäe gewinnen. Zumindest im Halbfinale gegen Bamberg ist München der klare Favorit, aber auch in einem Finale gegen ALBA oder Ulm wäre der FC Bayern favorisiert.

ALBA Berlin

Über einen ebenfalls tiefen, qualitativ aber nicht ganz so starken Kader verfügt ALBA Berlin. Der deutsche Meister der Jahre 2020 bis 2022 musste im Sommer einen großen Umbruch verkraften. In der BBL liegt die Mannschaft von Israel Gonzalez mit Platz drei im Soll. Und das trotz einiger schwächerer Partien, wie der Klatsche gegen den SYNTAINICS MBC oder der Pleite in Bamberg. Auf Euroleague-Niveau zahlt die junge Mannschaft allerdings viel Lehrgeld und liegt punktgleich mit Schlusslicht Villeurbanne auf dem vorletzten Tabellenplatz. In der bisherigen Pokalsaison wurden Braunschweig und der MBC jeweils souverän besiegt.

Martin Hermannsson, Israel Gonzalez

Trainer Israel Gonzalez (re.) und sein neuer Führungsspieler Martin Hermannsson (li.). IMAGO/Contrast

Stütze der Mannschaft ist Kapitän und Weltmeister Johannes Thiemann. Der Big Man verbucht im Schnitt 13,5 Punkte und 4,6 Rebounds pro Partie. Unterstützung unter dem Korb erhält er von Center Yanni Wetzell. Weitere Leistungsträger sind die beiden Flügelspieler Sterling Brown (15,1 Punkte pro Spiel) und Matt Thomas (13,6 Punkte pro Spiel), die beide über NBA-Erfahrung verfügen und auf BBL-Ebene jederzeit in der Lage sind, Spiele zu entscheiden. Nachdem zu Jahresbeginn der Isländer Martin Hermannsson zurückgeholt wurde, verfügt die Mannschaft von Israel Gonzalez auch über einen neuen Führungsspieler auf den kleinen Positionen, insbesondere als Unterstützung für die hochtalentierten, aber jungen Aufbauspieler Matteo Spagnolo und Gabriele Procida.

Trotz der bisher wechselhaften Saison bleibt ALBA damit eine Mannschaft, der ein nationaler Titelgewinn wie der Pokalsieg zuzutrauen ist. Nach der Rückkehr von Hermannsson ist auf jeden Fall etwas mehr Konstanz eingekehrt, mit 93,1 Zählern im Schnitt erzielen die Berliner die meisten der Liga. Das morgige Duell mit Ulm dürfte das Spannendere der beiden Halbfinals werden, so warfen die Schwaben die Albatrosse auf ihrem sensationellen Weg zur Meisterschaft im vergangenen Jahr bereits im Play-off-Viertelfinale raus. In der Liga schlug Berlin die Ulmer zuletzt, nachdem man zu Spielbeginn noch hoch zurückgelegen hatte.

ratiopharm Ulm

Der deutsche Meister konnte im Sommer nach dem sensationellen Play-off-Run immerhin seinen deutschen Kern an Bord halten. Kapitän Tommy Klepeisz und Flügelspieler Karim Jallow, der 14,2 Punkte pro Partie auflegt, gehen aus diesem voran. Dennoch ist die Ulmer Saison bisher durch Inkonstanz geprägt. So steht in der Liga aktuell Platz sechs, nach zwischendurch drei Niederlagen am Stück mit unter anderem einer herben Klatsche zuhause gegen Aufsteiger Tübingen, konnte zuletzt immerhin Hamburg geschlagen werden. Der Weg zur Pokal-Endrunde war alles andere als einfach: Gegen die überraschend starken Teams aus Würzburg und Chemnitz konnten sich die Schützlinge von Head Coach Anton Gavel aber durchsetzen.

Trevion Williams, LJ Figueroa

Harmonieren unter dem Ulmer Korb: Trevion Williams (li.) und LJ Figueroa (re.). IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Regie führen im Ulmer Spiel die starken Aufbauspieler Juan Nunez und Georginho de Paula. Der junge Nunez bringt mit 10,8 Punkten und 5,1 Assists jede Menge Kreativität ins Spiel, de Paula legt 10,6 Punkte und 3,9 Assists auf. Von ihnen profitiert das Prunkstück des Ulmer Kaders, der starke Frontcourt, wo Trevion Williams mit 14,4 Punkten und 8,3 Rebounds (Liga-Topwert) unter den Brettern aufräumt. Unterstützt wird er dabei von Nebenmann L.J. Figueroa, der 14 Punkte pro Partie auflegt und starke 47,9 Prozent von der Dreierlinie trifft. Zudem glänzt er als starker Balldieb (1,8 Steals pro Spiel). Generell sind die Schwaben die Mannschaft, die den Ball öfter als der Rest der Liga klaut.

Defensive Galligkeit kann für die Schwaben dabei besonders im Halbfinale gegen ALBA ein Schlüssel sein. Die Hauptstädter haben große Probleme damit, auf den Ball aufzupassen und verlieren ihn im Schnitt 15,5-mal pro Spiel. Nach Berlin erzielt Ulm die zweitmeisten Punkte der Liga (92 pro Spiel), im Halbfinale könnten Nuancen über den Finaleinzug entscheiden. Trotzdem gelten die Ulmer bei der Endrunde eher als Außenseiter, der Titelgewinn käme durchaus überraschend. Mit der Außenseiter-Rolle kennen sich die Schwaben allerdings aus: So starteten sie in der vergangenen Spielzeit von Platz sieben in die Playoffs, um nacheinander Berlin, München und Bonn zu schlagen und sich so zum Meister zu küren.

Amadeus Wolff

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