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Wenn der US-Verband sichtet: Treffen der Europa-Talente

"Wollen die Community zusammenbringen"

Wenn der US-Verband sichtet: Treffen der Europa-Talente in Duisburg

118 Spielerinnen und Spieler, 16 Trainer: Anfang November kamen Amerikaner aus ganz Europa in Duisburg zusammen.

118 Spielerinnen und Spieler, 16 Trainer: Anfang November kamen Amerikaner aus ganz Europa in Duisburg zusammen. US Youth Soccer Europe

Ajax Amsterdam, Atletico Madrid, SSC Neapel hier - TSG Kaiserslautern, Schwarz-Weiß Wiesbaden, FFV Oberursel dort. Die Vereine, deren junge Spielerinnen und Spieler sich an diesem Novemberfreitag im Schatten des sechseckigen Bettenturms tummeln, könnten unterschiedlicher nicht klingen. Champions-League-Choral trifft Bezirksliga-Sound, der US-Verband hat in die Sportschule Wedau geladen, und insgesamt 118 Talente sind nach Duisburg gekommen. Es sind Altersklassen von U 13 bis U 17 aus 13 europäischen Ländern, ein paar von den Mädchen und Jungs kamen, teils mit Eltern im Gepäck, via Flughafen Köln/Bonn. Training, Leistungstest und Testspiele stehen auf dem Programm, insgesamt 16 Trainer leiten sie an. All das bei bestem Herbstwetter.

Sie alle sind Amerikaner: Töchter und Söhne von Streitkräften, von diplomatischem Personal oder von den zahlreichen Arbeitskräften der freien Wirtschaft dort im alten Europa, wo viele der Nachwuchskicker erst mit dem Fußballspielen begonnen haben. Kein Talent soll beim sogenannten Olympic Development Program (ODP) durch die Lappen gehen. Denn, dass man hier eine gute Ausbildung genießen kann, das wissen sie natürlich auch in Frisco, Texas, dem Sitz des amerikanischen Nachwuchsverbandes US Youth Soccer (USYS).

"Es gibt Tausende von Amerikanern, die als Expats im Ausland leben und die wir zusammenbringen möchten, um das Spiel zu feiern", sagt Skip Gilbert, der USYS-Geschäftsführer. Die Bereitstellung eines amerikanischen Ausbildungsplans solle es möglich machen, mit dem Sport in den USA in Verbindung zu bleiben und gleichzeitig von der europäischen Fußballkultur zu profitieren, so der 62-Jährige: "Es ist eine Win-Win-Situation für alle."

Nächster Step: Regionalauswahlen

Eine der vielversprechendsten Talente, Lauder Headrick von Atletico Madrid, musste kurzfristig absagen, die U-17-Spielerin wurde mit in den Kader der 1. Mannschaft der Madrilenen gezogen. Isaac aus Stuttgart allerdings ist unter den 118. Der 17-Jährige spielt im Verein aktuell beim SV Vaihingen, ist aber bereits auf dem Schirm größerer Vereine. Auch an diesem Wochenende steht er ein wenig im Fokus.

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Isaac aus Stuttgart schaffte es bereits, sich in den Fokus der Amerikaner zu spielen. US Youth Soccer Europe

"Es war ein ziemlich hohes Niveau", findet Sebastian Korst, der das Wochenende als Vize-Präsident der Europa-Sektion des USYS mit organisiert, "der ein oder andere von ihnen wird es wohl in die Auswahl schaffen". Heißt: Nach zwei weiteren Treffen dieser Art - in Januar in Italien, in März in Spanien - entscheidet der Verband, welche der Europa-Talente man über den Teich einlädt in die Pools von vier Regionalauswahlen. In den USA sind diese unterteilt in "East", "South", "West" und "Midwest". Aus den Regionalauswahlen werden wiederum die besten Spieler für die "ODP-Interregional", also eine landesweite Auswahl, berufen.

Doch es könnte sogar noch weiter gehen: In einem nächsten Schritt kommen auch noch die Vertreter aus den Nachwuchsakademien der MLS-Klubs dazu, und aus diesem Pool rekrutieren sich dann die jeweiligen U-Nationalmannschaften. "Die ODP-Spieler haben durch das Programm eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich für verschiedene regionale oder nationale Kader zu qualifizieren", fasst es Peter Poelzlbauer zusammen, Präsident von "US Youth Soccer Europe". So schaffte es Isaac bereits im vergangenen Jahr aus Vaihingen in die "ODP-Interregional".

Leistungsfähigkeit in Daten

Neben regulären Trainingseinheiten fanden für alle Teams auch Testspiele statt, etwa gegen den MSV Duisburg oder Eintracht Frankfurt. Im Performance-Test wurden zudem Sprintzeiten, Sprunghöhen und Schusskraft gemessen - die Neigung der Amerikaner, Leistungsfähigkeit in Daten abzubilden, kennt man etwa vom American Football. "Wir sehen die Spieler vierteljährlich, da bekommt man darüber einen Eindruck, wer sich wie entwickelt", sagt der ehemalige deutsche U-Nationalspieler Korst. Zudem standen Entwicklungsgespräche an, darüber, wie es jetzt weitergeht für den ein oder anderen von ihnen.

Pro Jahrgang hätten zwei bis drei Spieler wohl die Chance auf eine USA-Einladung. "Zwischen neun und 21 waren es in den vergangenen Jahren", sagt Korst. Aber es gehe bei all dem nicht nur um das große Ziel - auch wenn natürlich die meisten der jungen Talente hier große Träume haben. "Ich will es ins Nationalteam schaffen", sagt etwa Claire, die bei Espanyol Barcelona kickt. Titus aus Holland hat den Wunsch, "es zunächst in die Regionalauswahl zu schaffen", um dann "Profi zu werden".

"Wir wollen mit dem Programm einfach den nächsten Schritt ermöglichen", sagt Korst. Und der muss nun nicht gleich Nationalmannschaft heißen, Talente könnten so auf den Schirm von größeren Klubs geraten oder aber von US-Colleges, die begehrte Sport-Stipendien vergeben. Im Kern geht es ihnen ohnehin um etwas Grundlegenderes: "Die Vision von USYS ist es, die amerikanische Community durch die Kraft des Fußballs zusammenzubringen und lebenslange Fans des Spiels zu bekommen", so Gilbert.

Jan Mauer