Bundesliga

Leverkusen mit Systemwechsel? Welches Risiko wählt Seoane?

Leverkusen zwischen Systemumstellung und Aranguizs Blitz-Comeback

Welches Risiko wählt Seoane?

Leverkusens Chefcoach Gerardo Seoane muss das Risiko abwägen.

Leverkusens Chefcoach Gerardo Seoane muss das Risiko abwägen. imago images/Laci Perenyi

Eigentlich kommt die Partie für Charles Aranguiz zu früh. "Hätten wir genügend Spieler, würde Charly sicher noch eine gute Woche Mannschaftstraining brauchen", weiß Gerardo Seoane. Doch der Schweizer hat eben nicht genügend Akteure für die Doppelsechs. Einzig Robert Andrich steht ohne Wenn und Aber zur Verfügung.

Hinter den beiden verbleibenden Kandidaten als Partner für Andrich prangen hingegen Fragezeichen. So hatte Aranguiz bis zum gestrigen Donnerstag seit dem Rückrundenfinale in Freiburg wegen einer Wadenverletzung keine volle Belastung mehr. Alles andere als ideale Voraussetzungen für einen Bundesligaeinsatz.

"Er ist nicht bei 100 Prozent. Das ist klar, wenn man das letzte Spiel am 19. Dezember hatte und seitdem praktisch kein Teamtraining hat", erklärt Seoane, "aber Charly hat natürlich so viel Erfahrung und eine Spielweise, die vor allem mit dem Ball vom Positionsspiel auch lebt. Darum ist eine Integration in die Mannschaft bei ihm viel schneller möglich - natürlich auch, weil wir Personalbedarf haben."

Amiri wartet auf Grünes Licht

Die Alternative zu Aranguiz wäre Nadiem Amiri, der aber zum einen unter Seoane in dieser Saison nur eine untergeordnete Rolle spielt und nur dreimal in der Bundesliga in der Startelf stand. Zum anderen wartet der deutsche Nationalspieler nur noch auf das Grüne Licht für einen Wechsel zu CFC Genua.

Sobald Bayer einen Ersatz für den 25-Jährigen gefunden hat, würde Amiri ("Nadiem hat voll mittrainiert, steht im Kader und ist - bis jetzt - Spieler von Bayer 04, also steht er zur Verfügung", so Seoane) die Freigabe erhalten. Vorher nicht. Den Wunsch beider Seiten, sich zu trennen, möchte man natürlich auch nicht mit einer Verletzung torpedieren.

Wechselt Seoane das System?

So würde Amiri in der Startelf eine große Überraschung darstellen. Vielmehr stellt sich für Seoane die Frage, welches Risiko er eingeht: Aranguiz jetzt schon von Beginn an zu bringen oder vom 4-2-3-1 auf ein 4-1-4-1 bzw. 4-3-3-System umzustellen, in dem Bayer aber personell besonders im Zentrum mit Andrich als Sechser hinter den Zehnern Florian Wirtz und Amine Adli sehr offensiv besetzt wäre.

Trotz des Trainingsrückstands spricht so einiges für ein Blitz-Comeback von Aranguiz: Der chilenische Nationalspieler gilt nicht unbedingt als guter Einwechselspieler. Dafür hat er schon unter Seoanes Vorgängern bewiesen, dass er zu außergewöhnlich guten Kaltstarts in der Anfangsformation fähig ist. Zudem könnte Bayer das gewohnte System beibehalten.

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Sollte Aranguiz im Laufe der zweiten Hälfte der Sprit ausgehen, könnte Seoane , je nach Spielverlauf, entweder Amiri als zweiten defensiven Mittelfeldakteur für den 32-Jährigen bringen oder dann auf die offensive Variante mit einem Sechser umstellen.

Seoane jedenfalls rechnet fest mit der Option Aranguiz: "Mit seiner Erfahrung, mit seinem Positionsspiel kann er uns jetzt schon sehr früh auch helfen. Es wird sicher eine Abwägung sein: Wie lange kann er spielen? Von Anfang an oder nicht?  Um so wenig wie möglich ins Risiko zu gehen."

Palacios laboriert weiter an Rückenproblemen

Seoane erwägt, direkt auf Aranguiz zurückzugreifen, weil mit Exequiel Palacios ein anderer Kandidat einfach nicht auf die Beine kommt. Der Argentinier, auf den Bayer schon für das Gladbach-Spiel am vergangenen Samstag als Kaderkandidaten gehofft hatte, laboriert seit zweieinhalb Wochen an Rückenproblemen.

Die Reha verläuft nicht optimal. "Da hat er einen Rückschlag erlitten im Aufbau. Durch die Belastungssteigerung hat der Rücken nochmal zugemacht", erklärt Seoane, der hofft, dass der Nationalspieler, der Probleme in den Facettengelenken der Wirbelsäule hat, nach der Länderspielpause wieder zur Verfügung steht.

Paulinhos Einsatz ist eher unwahrscheinlich

Auch für Offensivakteur Paulinho, der sich nach einer COVID-19-Infektion freitesten konnte, kommt die Partie gegen Augsburg womöglich zu früh, da er wegen der durchzuführenden Gesundheitschecks bis Samstag ohne Mannschaftstraining bleibt. Seoane: "Er ist nicht mehr in Isolation, aber wir checken ihn heute nochmal. Bei ihm ist fraglich, ob er morgen im Kader steht. Das ist eher unwahrscheinlich."

Stephan von Nocks