Bundesliga

Welche Rolle Kolasinac bei Huntelaars Schalke-Rückkehr spielte

Launige PK inklusive Mutmacher und Haarschneide-Anekdote

Welche Rolle Kolasinac bei Huntelaars Rückkehr spielte

Auf Schalke wird wieder gelacht: Klaas Jan Huntelaar.

Auf Schalke wird wieder gelacht: Klaas Jan Huntelaar. imago images

Die Frisur sitzt, als Klaas Jan Huntelaar am Freitagmittag das Pressepodium der Schalker Arena betritt, um sich offiziell zurückzumelden. Nein, der Niederländer hatte nicht verbotenerweise einen Friseur aufgesucht oder selbst die Schere angelegt. Teamkollege Omar Mascarell hatte zum Trimmer gegriffen und den an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrten Stürmer frisiert. Mit einigem Erfolg, wie Huntelaar bei seiner Vorstellung launig kundtut: "Meiner Frau hat es gefallen. Das bringt auch etwas." Die kleine Episode belegt, dass zumindest eins erreicht ist durch die Ankunft des von den Schalker Fans verehrten Routiniers: Es wird wieder gelacht - und das ist in der aktuellen Situation, in der sich die Königsblauen befinden, ja nun alles andere als selbstverständlich.

Sieben Punkte nur hat der letztplatzierte S04 nach 18 Spieltagen auf dem Konto, acht Zähler Rückstand sind es bereits auf den Relegationsplatz 16, gar zehn auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Mit Huntelaar, der die ersten zwei Spiele seit seiner Rückkehr von Ajax Amsterdam mit Wadenproblemen aussetzen musste und von der Tribüne aus zwei Niederlagen seiner neuen Kollegen sah, soll nun die Wende gelingen - im Idealfall schon am Samstag in Bremen, einem - wenn man so will - Mitkonkurrenten im Abstiegskampf, auch wenn Werder Schalke bereits um 14 Punkte enteilt ist.

"Wir bestimmen, wie das Spiel ausgeht"

"Viele Dinge", sagt Huntelaar am Freitag, "sind Kopfsache." Der 37-Jährige bezieht sich dabei nicht auf seine neue Frisur, sondern auf die Stimmung in der Kabine, auf das Auftreten auf dem Platz, allgemein auf das Selbstverständnis, mit dem ein Fußballer seinem Beruf nachgeht. "Wenn man verliert, dann ist man nicht so gut drauf. Wenn man gewinnt, wird es leichter. Diese Leichtigkeit müssen wir uns wieder holen. Jedes Spiel bringt eine Hoffnung auf die Wende. Wir bestimmen, wie das Spiel ausgeht."

Es sind Mut machende Worte wie diese, die die Schalker Verantwortlichen wohl neben den unbestrittenen Abschlussqualitäten Huntelaars dazu bewogen haben dürften, ihn von einer Rückkehr nach Schalke zu überzeugen. In Amsterdam hätte er noch einmal Titel gewinnen können, bevor seine ebenso lange wie erfolgreiche Karriere endet. Auf Schalke dagegen ist ein Erfolg seiner Mission keineswegs sicher. Auch wenn Trainer Christian Gross sagt: "Es ist kein Zweckoptimismus, wenn ich sage: Wir glauben daran, dass wir es noch schaffen können."

Huntelaar und Hoppe - durchaus eine Option

Huntelaar selbst will ab Samstag dabei mithelfen, dass das Projekt Nicht-Abstieg an Fahrt aufnimmt, bevor es endgültig zu spät ist. Die Wadenprobleme sind ausgestanden, die ersten gemeinsamen Trainingsminuten mit den Kollegen absolviert. Grundsätzlich, sagt er, reiche die Luft auch in seinem Alter noch für 90 Minuten, vorerst aber wird er im Sinne eines strukturierten Fitness-Aufbaus als Joker kommen. Für den zuletzt als Torschütze auffälligen Matthew Hoppe, dem Huntelaar wertvolle Orientierung geben soll, - oder auch an dessen Seite. "Selbstverständlich", sagt Gross, "können sie zusammen spielen, diese Option besteht."

Huntelaar würde dann in die Sturmspitze rücken, Hoppe - dem Huntelaar am Freitag eine "schöne Zukunft" prophezeite - um ihn herum agieren. Die meisten Schalker allerdings dürften darauf hoffen, dass diese Konstellation nur selten eintrifft, ist sie doch eher eine für Spielstände, in denen man zwingend ein Tor benötigt.

"Seo hat auch Einfluss gehabt auf die Entscheidung"

Dass Huntelaar für Treffer gut ist, das hat er bislang in jeder Karrierephase bewiesen. Dass er auch jetzt noch helfen kann, davon ist man auf Schalke fest überzeugt. Allen voran gilt das auch für den zweiten Rückkehrer dieser Transferperiode: Sead Kolasinac. "Seo", verrät Huntelaar am Freitag, "hat auch Einfluss gehabt auf die Entscheidung. Er hat Kontakt aufgenommen, als Schalke auf mich zugekommen ist." Neben den Bemühungen von Gross, Sportvorstand Jochen Schneider und Teammanager Sascha Riether sei auch das "wichtig für mich" gewesen.

Kolasinac und William wohl in der Startelf

Im Gegensatz zu Huntelaar steht Kolasinac am Samstag vor einem Einsatz in der Startelf. Auch Rechtsverteidiger William, der dritte Neuzugang in diesem Winter, könnte in Bremen direkt von Beginn an spielen - eine finale Entscheidung sei da noch nicht gefallen, sagt Gross, da auch Timo Becker zuletzt ordentliche Leistungen gezeigt habe. Verzichten muss der Schweizer, der das Abschlusstraining laut "Sky Sport News" ohne Suat Serdar führte, weiter auf Salif Sané. Der Innenverteidiger bekam ein Extra-Programm, um in drei bis vier Wochen wieder in einer körperlichen Verfassung zu sein, die Topleistungen ermöglicht. Und das brauchen die Schalker in dieser prekären Phase noch weitaus dringender als einen ordentlichen Haarschnitt.

Matthias Dersch

Alle Bundesliga-Wintertransfers 2020/21