Bundesliga

Weinzierl und Hasenhüttl: Abschied ist besser als Kraftprobe

Kommentar zum 31. Spieltag

Weinzierl und Hasenhüttl: Abschied ist besser als Kraftprobe

Begehrte Trainer: Ralph Hasenhüttl und Markus Weinzierl (re.).

Begehrte Trainer: Ralph Hasenhüttl und Markus Weinzierl (re.). Getty Images

Kommentar zum Spieltag von kicker-Chefreporter Oliver Hartmann

Ob es in Mönchengladbach über diese Saison mit dem einst als Interimslösung installierten André Schubert weitergeht, ist unklar. Dies gilt erst recht für den seit Wochen umstrittenen André Breitenreiter, dessen Position beim chronisch unruhigen FC Schalke 04 durch die Heimniederlage gegen Leverkusen beileibe nicht gestärkt wurde. Und selbst in Wolfsburg scheint angesichts des - trotz Champions-League-Viertelfinale - trostlosen Saisonverlaufs nicht sicher, ob die Treuebekundungen für Dieter Hecking tatsächlich auch umgesetzt werden.

Dass Weinzierl seit Wochen recht durchsichtig seinen Abschied aus Augsburg vorbereitet und Hasenhüttl offen über das Ende seiner Ingolstädter Mission redet, ist nicht verwunderlich - und schon gar nicht verwerflich. Trainer sind im heutigen Bundesliga-Geschäft längst ebenso wie die Spieler zu einem Posten mit Wiederverkaufswert geworden, nicht anders sind die Verträge mit ihren aktuellen Arbeitgebern zu verstehen.

Diese Kontrakte wurden einst von beiden Seiten geschlossen als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung und als Absichtserklärung einer langfristigen Zusammenarbeit. Solche Verträge sind aber immer auch zur Absicherung gedacht. Falls es eben nicht mehr so rund zusammen läuft, wie man sich das ausgemalt hat, bietet der Vertrag dem Trainer die Gewissheit einer Abfindung, beziehungsweise dem Verein die Aussicht auf eine Ablösesumme.

Weinzierl könnte Hasenhüttl die Augen geöffnet haben

Eben dies dürfte in Augsburg und Ingolstadt zur Geltung kommen. Hasenhüttl und Weinzierl haben dort bemerkenswerte Erfolgsgeschichten geschrieben. Wenn beide jetzt nach Veränderungen streben, dann beweisen sie damit ein feines Gespür dafür, was nötig und für alle Beteiligten wohl das Beste ist. Denn in beiden Trainern ist augenscheinlich die Erkenntnis gereift, dass bei ihren aktuellen Vereinen die sportlichen Möglichkeiten weitgehend ausgereizt sind und tabellarisch schon die Stagnation ein Erfolg wäre. Weinzierls aktuelle Saison in Augsburg mag Hasenhüttl vielleicht sogar die Augen geöffnet haben, welche (Abstiegs)-Gefahren lauern, wenn man ein Jahr zu lange bleibt.

Beide Trainer streben nach Höherem, nach Titeln und Champions League. Schalke kann Weinzierl diese Aussicht bieten, ebenso hat Ralf Rangnick seinem Wunschkandidaten Hasenhüttl entsprechende Perspektiven beim Emporkömmling RB Leipzig aufgezeigt. Viele FCI-Anhänger und Gegner des RBL-Konstrukts würden es sicher beglückwünschen, wenn Ingolstadts Führung wie angekündigt tatsächlich auf Hasenhüttls Vertragserfüllung bis 2017 besteht.

Einen Angestellten gegen den eigenen Willen in solch einer Führungsposition zu halten, ist allerdings ein hochriskantes Unterfangen - und könnte in der kommenden Saison sportlich verheerende Folgen haben. In Augsburg hat dies Manager Stefan Reuter längst realisiert. Er wird die Millionen nehmen, wenn Weinzierl um die Freigabe bittet, und sich damit eine zermürbende Kraftprobe ersparen

kicker-Chefreporter Oliver Hartmann

kicker-Chefreporter Oliver Hartmann kicker

Spieltagsbilder 31. Spieltag 2015/16