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Julian Weigl über PSG-Angebot: "BVB hat die Tür komplett verschlossen"

Ex-Dortmunder nach seinem Wechsel zu Benfica

Weigl über PSG-Angebot: "Der BVB hat die Tür komplett verschlossen"

Julian Weigl

Heute Lissabon, vorher Dortmund: Julian Weigl hätte gerne wieder für Thomas Tuchel gespielt. imago images (2)

Die Corona-Krise war und ist für niemanden gut, so viel ist Julian Weigl klar. Und dennoch hat sie ihm einen kleinen Gefallen getan. Nachdem der gebürtige Bayer Anfang Januar vom BVB zu Benfica gewechselt war, "hab' ich zehn, elf Spiele gemacht, ohne ahnen zu können, wo die Mitspieler den Ball hinhaben wollen, wo sie stehen im Feld…"

Eine kleine Pause tat also mal gut. Und so konnte Weigl mittlerweile in Ruhe zurückblicken auf seinen Wechsel nach Portugal, auf die ersten Sprachversuche und die Lockdown-Zeit mit der Verlobten und dem Hund, auf den Re-Start der Bundesliga. "Jeder sieht sie als Vorbild", sagt Weigl im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", "und als Beispiel dafür, dass es - toi, toi, toi - gutgehen kann."

Dass er selbst kein Teil dieser Liga mehr ist, war gut überlegt. "Ich habe gespürt: Ich brauche eine Veränderung." Die hätte auch schon ein Jahr früher kommen können, doch da hatte der BVB beim Angebot von Paris Saint-Germain und Ex-Trainer Thomas Tuchel sein Veto eingelegt. "Ich wollte es gern annehmen", sagt Weigl über die Offerte aus Frankreich. "Der BVB hat die Tür komplett verschlossen."

Die Leute waren förmlich aus dem Häuschen, weil viele nicht glauben konnten, dass Benfica es schafft, einen Spieler zu holen, der beim BVB, sagen wir, etabliert war.

Weigl über den Empfang in Lissabon

Weigl gibt zu, den Verein "schon auch verstanden" zu haben. "Wir hatten große Chancen, Meister zu werden, es waren viele Innenverteidiger verletzt. Trotzdem willst du es in so einer Situation nicht wahrhaben, wenn du siehst: Okay, du kannst in Dortmund noch ein paar Spiele in der Innenverteidigung machen, aber wenn die anderen zurückkommen, bist du wahrscheinlich wieder auf der Bank."

Deshalb zu streiken oder "Terror" zu machen, kam für Weigl nicht infrage. "Aber ich habe gespürt: Ich hatte mich in der Zeit des Angebots aus Paris innerlich entschieden, etwas anderes zu machen." Also wurde es genau ein Jahr später Benfica. "Jeder lechzt hier nach Erfolg", begründet Weigl den Schritt nach Portugal. "Ich spüre, dass es für die Leute etwas Besonderes ist, dass ich hierhergewechselt bin. Die Leute waren förmlich aus dem Häuschen, weil viele nicht glauben konnten, dass Benfica es schafft, einen Spieler zu holen, der beim BVB, sagen wir, etabliert war."

Ein Punkt Rückstand auf Porto: Wird Weigl zum ersten Mal Meister?

Auch in Portugal spürt Weigl den Druck der hohen Erwartungen. "Die Fans hier wollen schon auch aggressiven, offensiven Fußball sehen. Und wenn man zu sehr hinten herumschiebt, hört man das Publikum auch."

Mit einem Punkt Rückstand auf Porto (und ohne ein direktes Duell) wird Benfica den Schlussspurt angehen. Weigl ist positiv gestimmt, dass es klappen kann mit dem ersten Meistertitel seiner Karriere: "Die Trainingseindrücke vermitteln ein richtig gutes Gefühl, dass wir alle Chancen haben."

mkr

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