Champions League

Weidenfeller: "Diese Frage macht mich stolz"

Dortmund: BVB-Keeper erinnert an die 97-er Elf

Weidenfeller: "Diese Frage macht mich stolz"

"In einem Spiel ist alles möglich": BVB-Keeper Roman Weidenfeller.

"In einem Spiel ist alles möglich": BVB-Keeper Roman Weidenfeller. imago

Roman Weidenfeller stand in allen zwölf Champions-League-Spielen der laufenden Runde in der Königsklasse auf dem Platz. Dreimal zog er dabei die kicker-Traumnote 1,0, weitere fünfmal wurden seine Leistungen mit einer glatten 2,0 bewertet. Keine Frage, der 33-jährige Schlussmann der Borussen hatte einen riesigen Anteil am bisherigen Märchen der Klopp-Elf in der Königsklasse. Gegen Ajax Amsterdam, Manchester City oder Real parierte er vor allem in der Anfangsphase extrem schwierige Bälle. Von null auf hundert, wie macht Weidenfeller das? "Es ist von elementarer Bedeutung, dass man von der ersten Minute an hellwach ist. Neben einem intensiven Aufwärmprogramm muss man bereits im Kabinentrakt die Konzentration entsprechend hochfahren", sagt Weidenfeller.

Besonders auffällig ist, dass der Keeper in Eins-gegen-eins-Situationen bärenstark agierte. Amsterdams Eriksen, Nasri und Aguero von Manchester City oder die Madrilenen Higuain oder Cristiano Ronaldo - alle verzweifelten an Weidenfellers Ruhe oder Reaktionsschnelligkeit. "Vieles hängt vom Gespür für die Situation ab. Ich habe den Bruchteil einer Sekunde Zeit, abzuwägen, ob ich stehen bleibe oder reagiere. Auch die Antrittsschnelligkeit kann darüber entscheiden, ob ich die Situation rechtzeitig bereinige."

Champions League - Finale in London
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Uns kann nichts überraschen.

Roman Weidenfeller

Gut möglich, dass er gegen die Einzelkönner der Bayern wieder in solche Situation gezwungen wird, aber überraschen kann ihn und seine Kollegen gegen die Münchner wohl eher wenig. "Ich setze ich mich intensiv mit den besten Schützen des Gegners auseinander. Wir haben umfangreiches Videomaterial, das im Vorfeld noch einmal gezeigt wird. Außerdem kennen wir die Bayern aus vielen Vergleichen. Egal, was im Finale passiert. Uns kann nichts überraschen."

Wenig überraschend ist, dass die Dortmunder nach 25 Punkten Rückstand in der Liga und einem um 41 Treffer schlechteren Torverhältnis als Außenseiter in den Showdown von Wembley gehen. Weidenfeller nimmt die Leistung der Münchner anerkennend wahr, weiß aber auch, "wie für die Elf von 1997 gilt für uns, dass in einem Spiel alles möglich ist". Ohnehin wirkt der Glanz der Dortmunder Champions-League-Sieger beim Routinier unheimlich motivierend. "Alle sprechen noch heute mit einer unglaublichen Hochachtung über die 97-er Mannschaft. Sollte es uns jetzt auch gelingen, den Pokal in London zu holen, würden wir wohl einen ähnlichen Status erlangen. Champions-League-Sieger - das wäre für den Verein und für uns das Größte."

Für Weidenfeller eine Finalchance, die er diesmal über die volle Spielzeit aktiv auf dem Platz erleben und genießen möchte. 2008 verpasste er das Pokalfinale gegen den FC Bayern wegen einer Verletzung, 2012 musste er im Endspiel schon in der 34. Minute angeschlagen raus. Doch in Watte packen will er sich bis Samstag nicht packen lassen: "Ich werde nichts anders machen als sonst. Im Training wird es darauf ankommen, in kurzen, knackigen Einheiten die Spannung aufzubauen und hochzuhalten."

Eins-gegen-Eins mit den Stars: Roman Weidenfeller rettet gegen Reals Cristiano Ronaldo.

Eins-gegen-Eins mit den Stars: Roman Weidenfeller rettet gegen Reals Cristiano Ronaldo. imago

Sollte Weidenfeller und seine Kollegen am späten Samstagabend den Henkelpott in die Höhe stemmen, könnte er sogar eine besondere persönliche Auszeichnung erfahren. Seit 2002 und Oliver Kahn war kein Deutscher mehr Welttorhüter des Jahres. Der Torwart will sich von solchen Überlegungen nicht aus der Ruhe bringen lassen, denn "erst einmal steht ja noch ein unglaublich wichtiges Spiel an". Aber: "Allein, dass mir diese Frage überhaupt gestellt werden kann, macht mich unheimlich stolz."

Und was ist mit dem Ausfall von Mario Götze? "Es steht außer Frage, dass wir mit ihm eine andere Qualität haben", sagte der Schlussmann, der allerdings sofort nachschiebt: "Wir wussten uns auch in der Zeit zu helfen, als Mario wegen seiner Schambeinentzündung lange ausgefallen ist. Man sollte nicht alles an ihm festmachen. Im Pokalfinale 2012 hat Mario auch nicht gespielt."

Das gewannen die Borussen 5:2. Eine Prognose gibt der Keeper selbst nicht ab, dafür lässt er seine Freundin ran, die schon sehr früh auf einen Endspieleinzug der Dortmunder tippte. "Lisa sieht dem Spiel positiv entgegen."

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