Bundesliga

Wegen Altersgrenze: Gräfe zieht gegen DFB vor Gericht

Ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter will Regel zum Kippen bringen

Wegen Altersgrenze: Gräfe zieht gegen DFB vor Gericht

Will die Altersregel für Schiedsrichter zum Kippen bringen: Manuel Gräfe.

Will die Altersregel für Schiedsrichter zum Kippen bringen: Manuel Gräfe. imago images

Gräfe will vor Gericht ziehen und die Altersregel für Schiedsrichter zum Kippen bringen. "Ich verklage den DFB wegen Altersdiskriminierung", kündigte der langjährige Bundesliga-Referee in einem Interview des "Zeit Magazin" an. "Der DFB behauptet, sich gegen Rassismus, Diskriminierung und für Diversität einzusetzen. Die Altersregel steht dem entgegen."

Gräfe musste seine Karriere am Ende der vergangenen Saison trotz sehr guter Leistungen nach 289 Bundesliga-Einsätzen beenden, weil er die vom DFB festgesetzte Altersgrenze von 47 Jahren erreicht hat. "Ich hätte gerne weitergemacht. Meinen Füßen, Knien und der Hüfte geht es gut. Aber der DFB pocht auf eine uralte Richtlinie", beklagte der Berliner. "Der DFB nimmt mir das, was mir Freude macht. Natürlich gibt es auch finanzielle Verluste, ich werde versuchen, wenigstens diese geltend zu machen."

"... offenbar nur, weil er nicht zu allem Ja und Amen sagt"

Fakt ist: Gräfe steht nicht auf der Schiedsrichterliste für die Saison 2021/22. "Jetzt hat der DFB mal einen guten - ich hoffe, ich darf das so sagen - und beliebten Schiri, und dann sortiert er ihn aus, offenbar nur, weil er nicht zu allem Ja und Amen sagt. Leider ändern in diesem Verband Argumente nichts, sondern nur die Steuerfahndung oder Richter", schimpfte Gräfe über den Verband. Und verweist auf Beispiele im Ausland ("In Holland gibt es die Altersgrenze seit fast zwanzig Jahren nicht mehr"), wo ältere Schiedsrichter sehr wohl noch zum Zug kommen.

Routine und Spielverständnis ebenso wichtig wie Fitness

In Deutschland würden die Unparteiischen dagegen seiner Ansicht nach zu wenig nach Leistung bewertet. Fitness sei zwar wichtig, werde aber überbewertet. "Man kann mit Routine und Spielverständnis besser positioniert sein, als wenn man blind umherrennt. Letztlich zählt allein die Qualität der Entscheidungen", sagte Gräfe. Seine Schlussfolgerung: "Was der DFB macht, sieht nach Altersdiskriminierung aus."

Und dagegen wolle er vorgehen - für die gesamte Gilde. Denn die Regel betraf zuletzt auch andere Kollegen wie Guido Winkmann und Markus Schmidt, die beide wegen der Altersgrenze ebenfalls nicht mehr pfeifen dürfen. Zugleich stellte Gräfe klar: "Ich selbst werde nicht mehr pfeifen, auch wenn ich mit meiner Klage Erfolg haben sollte."

dpa/kon