Bundesliga

Weg vom Personenkult! Hitzlspergers Rückzug ist konsequent

Kommentar von kicker-Reporter Benni Hofmann

Weg vom Personenkult! Hitzlspergers Rückzug ist konsequent

AB 2022 nicht mehr Vorstandschef der VfB Stuttgart 1893 AG: Ex-Profi und Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger.

AB 2022 nicht mehr Vorstandschef der VfB Stuttgart 1893 AG: Ex-Profi und Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. imago images/Michael Weber

Als der VfB Stuttgart im Mai 2016 in Liga zwei abgestürzt war und nach dem Rücktritt von Präsident Bernd Wahler führungslos dastand, bastelten bestimmte Personen im traditionell einflussreichen Machtzirkel rund um den Traditionsklub von 1893 an einem Szenario der Alternativlosigkeit: unser Mann Wolfgang Dietrich oder keiner. Es drohte, in deren Diktion, nicht weniger als der Zerfall des Vereins.

Wohin das führte, ist bekannt: Dem Wiederaufstieg und einer stabilen Bundesliga-Saison folgte der erneute Abstieg 2019. Thomas Hitzlsperger, ehemaliger und langjähriger Profi wie Nationalspieler, erlebte genau diese Zeit hautnah mit, erst in einer beratenden Rolle, dann als Nachwuchschef und schließlich als Sportvorstand. Mutmaßlich ist er viel zu höflich, um zu sagen, was er daraus mitnahm: Dass zu viel Macht auf eine Person vereint einen Verein in eine falsche Richtung führen kann. Dabei geht es nicht einmal um Dietrich.

Auf Gedeih und Verderb durchgedrückte Personalien prägten das Bild des VfB auch zuvor - Stichwort Gerd Mäuser.

War der Riss mit Claus Vogt nicht mehr zu kitten?

Wer Hitzlsperger seit seiner Beförderung zum Vorstandsvorsitzenden aufmerksam zuhörte, hörte immer wieder ein Wort: Strukturen. Der Meisterspieler von 2007 stieß eine Veränderung der Organisation an. Insofern ist sein Rückzug konsequent. Weg vom Personenkult!

Der VfB Stuttgart muss unabhängig von Einzelnen funktionieren. Vielleicht haben die Datenaffäre und die daraus folgenden Umbesetzungen auf Vorstands- und Direktorenebene einen weiteren Schritt in dieser Entwicklung angestoßen.

Und damit sind wir bei der Frage: War der Riss mit Claus Vogt nicht mehr zu kitten? Hitzlsperger versichert wiederholt, dass er sich der Wertschätzung des Aufsichtsrates, dem Vogt vorsteht, sicher sei. Selbstredend sind noch Fragen offen rund um die turbulenten Monate, die der VfB zuletzt durchlebt hat. Es liegt nun am Vorstandschef der AG und dem Präsidenten des e.V., zumindest für die nächsten 13 Monate zu beweisen, dass sie das Kriegsbeil definitiv begraben haben, nach vorne schauen und zum Wohle "ihres" VfB Seite an Seite handeln.

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