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Was Hartenbach über Flekkens WM-Ausbootung denkt

Freiburgs Stammkeeper überraschend nicht in Hollands Kader

Was Hartenbach über Flekkens WM-Ausbootung denkt

Überraschend nicht bei der WM dabei: Mark Flekken.

Überraschend nicht bei der WM dabei: Mark Flekken. IMAGO/Eibner

Platz zwei in der Bundesliga, nach vier Siegen und zwei Remis souverän fürs Achtelfinale der Europa League qualifiziert und auch unter den besten 16 Teams im DFB-Pokal vertreten - es versteht sich fast von selbst, dass man eine solche Bilanz nicht ohne starken Torwart zustande bringt. Erst recht, wenn man wie der SC Freiburg immer noch ein Überraschungs-Spitzenteam ist mit weitaus geringeren finanziellen Möglichkeiten als etwa das deutsche Top-Trio München, Dortmund und Leipzig.

Auch bei näherem Hinsehen sprechen einige Fakten für Flekken. Achtmal hielt er in der Liga die Null - mit Abstand der Spitzenwert. Hinzu kommen drei gegentorfreie Siege im Europacup. Gegen Qarabag Agdam (2:1) und Olympiakos Piräus (1:1, jeweils kicker-Note 4) hätte er bei den Gegentoren glücklicher aussehen können, ein echter Patzer unterlief dem Niederländer seit Sommer aber nur beim 1:3 gegen Dortmund (Note 5). Drei ungewohnte Aufbau-Fehlpässe bügelte der gute Techniker gegen Köln (2:0, Note 3,5) mit Paraden wieder aus und steht mit einem Notenschnitt von 2,83 auf Platz 6 der Bundesliga-Keeper.

Hinzukommt - das Köln-Spiel ausgenommen - die große Ruhe und Sicherheit, die Flekken ausstrahlt. Kurzum: Er ist der unangefochtene Anker der Freiburger Überflieger. Schon dank seiner starken vergangenen Saison war er zum Nationalspieler aufgestiegen. Flekken, seit seinem 16. Geburtstag in Deutschland fußballerisch aktiv, ist zwar ein in seiner Heimat eher unbekannter Spätberufener, wurde aber seit seiner ersten Berufung im Oktober 2021 stets von Louis van Gaal nominiert. Der prominente Bondscoach ließ Flekken im März gegen Dänemark (4:2) und Deutschland (1:1) sowie im Juni in den Nations-League-Duellen mit Wales (2:1) und Polen (2:2) jeweils 90 Minuten spielen und verglich ihn wegen seiner überdurchschnittlichen Fuß-Fertigkeiten öffentlich sogar mit Hollands Torwart-Legende Edwin van der Sar.

Umso größer muss für Flekken der Schock gewesen sein, dass sein WM-Traum mit den Niederlanden überraschend wie fragwürdig auf den letzten Drücker platzte. Neben der zu erwartenden Berufung von Feyenoord Rotterdams Justin Bijlow (24) gingen die beiden anderen Torwart-Mandate an die im September dieses Jahres erstmals nominierten Remko Pasveer (39, Ajax Amsterdam) und Andries Noppert (28, Heerenveen). "Ich habe ihn gleich angerufen", erzählt SC-Sportdirektor Klemens Hartenbach, früher selbst Torwart, im Gespräch mit dem kicker und betont direkt sein sportliches Urteil: "Mark ist ein total toller Torhüter."

Er wisse nicht, zu welchem Zeitpunkt die Entscheidungen von van Gaal und Co. gefallen seien und kenne Flekkens Trainingsleistungen im KNVB-Dress nicht im Detail, so Hartenbach. "Mit ein bisschen Matchglück hätten seine Länderspiele einen Tick besser laufen können, wenn man beispielsweise hätte sagen können, da holt er zwei Unhaltbare raus", analysiert der Freiburger Sportchef und meint: "Man kann bei solchen Entscheidungen immer diskutieren." Er möchte aber "nicht groß nachkarten".

Hartenbach: "Das nagt auch erst mal"

Vielmehr bestärkte Hartenbach seinen Schützling am Telefon und empfahl ihm den Blick nach vorne: "Ein Konkurrent ist 39. Mark kickt bei einem tollen Klub, fühlt sich wohl und bringt gute Leistungen. Vollgas, weiter Leistung bringen, mit vollem Fokus nach vorne schauen, denn er ist im besten Alter und die nächste EM steht in eineinhalb Jahren vor der Tür. Ich habe zu ihm gesagt, der darf keine Sekunde an irgendetwas zweifeln." So habe er versucht, ihn aufzubauen, erzählt Hartenbach, räumt aber auch ein: "Klar war seine Enttäuschung groß. Das nagt auch erst mal." Zumal Flekken durch den aktuellen Urlaub und die insgesamt lange Winterpause nicht die Chance hat, sich direkt wieder im Wettkampf zu beweisen respektive abzulenken.

Abschließend bekräftigt Hartenbach nochmals seine Kernbotschaft bei allem Verständnis für Flekkens Enttäuschung: "Mark ist nicht der erste Spieler und wird nicht der letzte sein, den solche Entscheidungen treffen. Er hat noch einen tollen Weg vor sich, den muss er so gut wie möglich bestreiten - mit einem klaren Kopf."

Unabhängig vom WM-Ergebnis wird es bei Oranje im Januar eine Art Neustart geben, wenn van Gaal planmäßig abtritt und durch Rückkehrer Ronald Koeman ersetzt wird. Nicht nur für Flekken wird es dann spannend, ob der Ex-Barca-Coach die Karten bei den Torhütern neu mischt.

Carsten Schröter-Lorenz

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