Bundesliga

Spekulationen um Eberl & Co. - Neue DFL-Struktur nach Seifert?

Seiferts Abschied und die Folgen

Was für eine neue DFL-Struktur spricht - und wer schon alles gehandelt wird

Man schätzt sich: Christian Seifert (r.) und Max Eberl, hier im Januar 2017.

Man schätzt sich: Christian Seifert (r.) und Max Eberl, hier im Januar 2017. picture alliance

Einen Tag nach der Erklärung von Christian Seifert, seinen im Sommer 2022 auslaufenden Vertrag als Geschäftsführer und Präsidiumssprecher der DFL nicht zu verlängern, teilt eine Mehrheit die Meinung von Hans-Joachim Watzke.

Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund sagt: "Einen Mann wie Christian Seifert, der so lange auf so hohem Niveau gearbeitet hat, 1:1 zu ersetzen, ist ein schwieriges Unterfangen." Schon heute spricht einiges dafür, dass die DFL nun ihre Strukturen neu aufstellen wird.

Hat die DFL wirklich "ausreichend Zeit", wie Rummenigge sagt?

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht von einem "großen Verlust", betont aber auch, man habe "ausreichend Zeit" bei der Suche nach einem Nachfolger. Das trifft in einer Sache nicht den Punkt.

"Mit Abschluss eines Fernsehvertrages beginnt die Arbeit für den nächsten Vertrag", hat Seifert nach jedem Vertragsabschluss in den zurückliegenden 15 Jahren betont. In dieser Zeit sind die Erträge der Liga von 300 Millionen auf über eine Milliarde Euro gewachsen. Die nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Juni 2020 abgeschlossenen Verträge garantieren der Liga ab der Saison 2021/22 bis zum Abpfiff der Saison 2024/25 allein aus der nationalen Vermarktung der Medienrechte im Durchschnitt 1,1 Milliarden Euro pro Saison.

Seifert wird am 30. Juni 2022 bei der DFL ausscheiden. Die komplizierte Vorbereitung der Ausschreibung für den nächsten Fernsehvertrag ab Sommer 2025, unter anderen über Gespräche mit dem Bundeskartellamt, wird er in den verbleibenden 20 Monaten seiner Tätigkeit in der Frankfurter DFL-Zentrale sinnvollerweise nicht mehr begleiten. Insofern steht die Liga dann doch unter einem leichten Druck in der Frage der Seifert-Nachfolge, denn die Erlöse aus der Vermarktung der medialen Rechte sind die wichtigste Einnahmequelle für die große Mehrheit der 36 Profivereine.

Ein Modell mit drei Geschäftsführern bietet sich an

Ein 1:1-Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht. Daher spricht vieles dafür, dass der Aufsichtsrat der DFL unter der Führung von Peter Peters eine Strukturreform ins Auge fasst, die Aufgaben des Multimanagers Seifert auf mehrere Schultern verteilt. Ein Modell mit drei Geschäftsführern in der DFL GmbH bietet sich dabei an, mit jeweiliger Zuständigkeit für die Vermarktung (insbesondere TV-Verträge), Sport sowie Marketing und Kommunikation.

Eine neue Führungsstruktur dürfte Priorität besitzen gegenüber der Entscheidung über künftig handelnde Personen, über die seit Montag bereits kräftig spekuliert wird. Große Namen werden dabei ins Spiel gebracht.

Zweifelsfrei wäre Rummenigge (65), der Ende 2021 seinen Vorstandsjob beim FC Bayern endgültig in die Hände von Oliver Kahn legt, auch wegen seines großen Netzwerks und internationaler Erfahrungen auch als ehemaliger Boss der ECA ein kompetenter Manager für die Verhandlungen über den Fernsehvertrag ab 2025. Dass der Bayern-Boss diese Herausforderung sucht, gilt eher als äußerst unwahrscheinlich.

Spekuliert wird von Ilgner bis zu Bobic, Seiferts Tennispartner

Spekuliert wird auch über Namen wie Michael Ilgner (53), früherer Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe und seit März 2020 "Deutsche Bank"-Personalchef. Alexander Wehrle (45), seit 2013 Geschäftsführer des 1. FC Köln und Mitglied im DFL-Präsidium, und Betriebswirtschaftler Oliver Leki (47), seit 2014 Finanzvorstand des SC Freiburg und 2. Stellvertretender Vorsitzender des DFL-Präsidiums, werden ebenfalls in das Karussell der Kandidaten gesetzt.

In einer neuen Struktur könnte für die Position des Geschäftsführers Sport der frühere Nationalspieler Fredi Bobic (48), der Tennispartner von Seifert, ein erster Kandidat sein. Der Vorstand von Eintracht Frankfurt war nach Abschluss seiner aktiven Laufbahn der erste frühere Bundesligaprofi, der über mehrere Monate ein Praktikum bei der DFL absolviert, ist international sehr gut vernetzt und gehört aktuell des Taskforce Fußball bei der DFL an.

Eberl wird von Seifert sehr geschätzt

Mitglied dieser Taskforce ist auch der ebenfalls von Seifert sehr geschätzte Max Eberl (47). Der Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach wurde vor einigen Jahren auch vom FC Bayern umworben.

Für die Geschäftsführung Marketing und Kommunikation könnte die DFL in einer neuen Struktur auf bestehendes Personal setzen. Zum Beispiel auf Christian Pfennig (46). Seiferts jahrelanger Vertrauter ist als Direktor für Marketing und Kommunikation Mitglied der DFL-Geschäftsleitung. Aber auch hier wird über weitere Kandidaten spekuliert wie zum Beispiel Jurist Axel Hellmann (49), Vorstand bei Eintracht Frankfurt mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation.

Bei allen Personaldiskussionen: Eine neue Führungsstruktur dürfte das Thema der Stunde in der DFL sein.

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Wenn die Sätze sitzen: Das ist Christian Seifert

Rainer Franzke