3. Liga

Was bleibt vom KFC Uerdingen?

Das bittere Ende einer langen Leidenszeit

Was bleibt vom KFC Uerdingen?

Wie es mit dem KFC Uerdingen weitergehen kann, ist derzeit kaum absehbar.

Wie es mit dem KFC Uerdingen weitergehen kann, ist derzeit kaum absehbar.

Außerdem ziehe sich die Noah Gruppe als Investor zurück. Eine "finanzielle Hürde" des DFB sei schuld, "die sofortige Hinterlegung eines siebenstelligen Betrages war für den KFC nicht fristgerecht zu erfüllen" - dem Vernehmen nach fordert der DFB rund sieben Millionen Euro Sicherheit. Als Folge werden die Krefelder in der kommenden Saison nicht mehr in der 3. Liga antreten können. Die Spielbetriebs-GmbH werde nun abgewickelt, der von den Gläubigern akzeptierte Insolvenzplan nicht mehr durchgeführt.

Verein ohne wirtschaftliches Fundament

Für den chaotisch von Krise zu Krise taumelnden KFC ist das der der Tief- und Schlusspunkt eines monatelangen Überlebenskampfes. Der Rückzug des ehemaligen Investors und Präsidenten Mikhail Ponomarev ließ den Klub in einen finanziellen Sumpf versinken, aus dem er schwer zu retten gewesen wäre. Das Insolvenzverfahren unter Aufsicht des Juristen Dr. Claus-Peter Kruth hätte zwar die unter Ponomarevs Regie aufgetürmten Schulden beseitigen können. Doch das Grundproblem konnte auch er nicht lösen. Denn der KFC Uerdingen ist ein Verein ohne wirtschaftliches Fundament. Ohne Stadion, eigenes Trainingsgelände und eine nennenswerte Vereinsstruktur musste sich die Mannschaft immer wieder in fremde Infrastruktur einmieten. Dem gegenüber stehen fehlende Sponsoren, wenige Fans und mangelnde lokale Förderer.

Schon Kruth stellte fest, ohne Geld von außen sei der Verein nicht überlebensfähig. Ponomarev hatte deswegen die armenische Noah Gruppe als Nachfolger präsentiert. Doch war das überhaupt er? Wie die auch in Italien und Lettland engagierten Investoren an Uerdingen kamen, ist komplett unklar. Denn deutliche Bekenntnisse zum KFC vermieden auch die neuen starken Leute. Kurzfristige Rechnungen beglichen die Männer um den voreilig zum Vorstand des e.V. gewählten Roman Gevorkyan pünktlich, eine echte Struktur bauten auch sie nicht auf. Zum Auswärtsspiel nach München flogen sie das Team mit dem Privatjet ein, ließen nach dem geglückten Klassenerhalt am letzten Spieltag aber Team und Trainerstab weiter im Unklaren über die weiteren Pläne.

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Noah-Leute blieben im Dunkeln

Nun folgte die Quittung für blindes Vertrauen seitens Verein und Insolvenzverwalter in Geldgeber, die wie Schattenmänner aus der Dunkelheit operierten. Kein einziges Interview gaben die Noah-Leute in den vier Monaten ihres Wirkens am Niederrhein. Zu einer möglichen Zukunft in der Regionalliga bekannten sie sich schmallippig. "Hierfür steht der Investor aber jetzt doch nicht zur Verfügung", schreibt der KFC. "Wir können uns trotz der gemachten Zusagen über den plötzlichen Abgang des Investors nur sehr wundern", sagt Kruth.

Besonders kurios: Erst Mitte März hatte die Stadt Krefeld mehr als 15 Millionen Euro für die Sanierung des Grotenburg-Stadions bewilligt, damit der KFC ab April 2022 wieder in Krefeld spielen kann. Zuletzt musste er sich unter anderem in Düsseldorf, Duisburg und Lotte einmieten. Auch das drückte aufs Budget. Nun wird die Grotenburg saniert, dürfte aber auch weiterhin keinen Drittligisten beherbergen.

Galland, Ertürk - und ein Logo in blau-rot

Die weitere sportliche Zukunft liegt nun in den Händen des eingetragenen Vereins, den die bittere Posse um die GmbH nicht tangiert. Eine Regionalliga-Lizenz wurde beantragt, theoretisch kann der Verein also damit in der 4. Liga antreten. Im Vorstand sitzen mit Ponomarev, Gevorkyan und Nikolas Weinhart, der die Insolvenz als Geschäftsführer der GmbH maßgeblich mitverantwortet hat, drei Protagonisten ohne Zukunft in der Seidenweberstadt. Nun ist der Verwaltungsrat gefragt, das letzte noch halbwegs intakte Gremium des KFC. Allerdings: Zuletzt waren die Räte nicht mehr als Erfüllungsgehilfen der jeweiligen Investoren. Nun werden vor allem Verwaltungsratschef Andreas Galland und sein Kollege Mustafa Ertürk gefragt sein. Der KFC Uerdingen besteht Anfang Juni 2021 aus nicht viel mehr als den beiden und dem Logo in blau-rot.

Jim Decker