Champions League

Der BVB und die Warum-Frage: Mats Hummels' Trainingsthese

Dortmunds ewige Frage - eine Indiziensuche

Warum nicht immer so? Hummels' Trainingsthese

"Wir müssen zeigen, dass das nicht nur auf der großen Bühne geht": Mats Hummels (li.), hier gegen Riyad Mahrez.

"Wir müssen zeigen, dass das nicht nur auf der großen Bühne geht": Mats Hummels (li.), hier gegen Riyad Mahrez. picture alliance

Die Fragen nach dem Warum, sie beschäftigen Borussia Dortmund nicht erst seit dieser Woche. Sie sind seit vielen Monaten ein treuer Begleiter. Warum spielte die Mannschaft erst so schwach, um dann kurze Zeit später wieder ihr Leistungsvermögen zur Schau zu stellen? Warum geht das nur phasenweise? Warum nicht in jedem Spiel? Antworten darauf zu finden fällt schwer, immer noch. Insofern ist es ein Stück weit verständlich, wenn die Vertreter des BVB auf diese Fragen inzwischen zunehmend genervt reagieren. Sie wüssten ja selbst gern, woran es liegt - damit sie es endlich abstellen können.

Zu beobachten war all das im Nachgang des Viertelfinalhinspiels der Champions League bei Manchester City. Dortmund hatte zwar am Dienstagabend mit 1:2 verloren, aber eine taktisch reife und charakterlich einwandfreie Vorstellung geliefert. Mit einer konsequenteren Chancenverwertung und etwas mehr Schiedsrichter-Glück hätte der BVB vielleicht sogar den haushohen Favoriten besiegen und damit für eine faustdicke Überraschung sorgen können. Auch so aber war den Dortmundern internationale Anerkennung gewiss - zumal die Chance aufs Halbfinale aufgrund des von Marco Reus erzielten Auswärtstreffers weiterhin lebendig ist.

"Wenn wir wüssten, woran das liegt, würden wir es ändern"

Unter das allgemeine Lob allerdings mischten sich auch wieder besagte Warum-Fragen - nachvollziehbar angesichts der enttäuschenden Vorstellung gegen Frankfurt (1:2) in der Bundesliga am vergangenen Samstag. "Wir reden nicht erst seit einem Jahr davon, dass wir Kontinuität in unser Spiel bringen wollen. Wir haben insgesamt zu wenige Spiele wie in Manchester, in denen wir unser Niveau zeigen. Wenn wir wüssten, woran das liegt, würden wir es ändern", sagte Kapitän Marco Reus, der mit seinem 18. Champions-League-Treffer nicht nur das so wichtige Auswärtstor erzielte, sondern zugleich einen neuen Klubrekord aufstellte. "Das Spiel sollte uns dennoch Vertrauen geben. Wir haben die Tugenden auf den Platz gebracht, die man braucht - und die man auch bringen sollte."

Eine Erklärung, warum es gegen Manchester besser klappte als zuvor gegen Frankfurt, lieferte die Ausrichtung beider Teams. Die Gastgeber wollen am liebsten immer den Ball haben, jede Phase ohne Ball ist für Trainer Pep Guardiola eine verlorene. Dortmund konnte abwarten, reagieren, auf Umschaltmomente setzen. Anders als in der Bundesliga, wo der BVB oft selbst das Spiel machen muss und der Gegner lauert.

Hummels' These passt zu Terzics Ansatz im Training

Doch das ist nur ein Teilaspekt, der nicht vollständig erklärt, warum im Alltag oft die Schärfe fehlt, die Dortmund international an den Tag legt. Zumindest gibt es dafür Indizien. Das Stichwort lautet Leistungskultur - und die stimmte beim BVB in den vergangenen Monaten zu selten. "Das Thema bei uns ist, vorne zu bleiben, was Einsatz und Seriosität angeht. Wir müssen zeigen, dass das nicht nur auf der großen Bühne geht, sondern auch an einem Samstag gegen Frankfurt oder in Köln", forderte Abwehrchef Mats Hummels, der den Blick konkret aufs Training unter der Woche legte. Nur wer dort Leistung abrufe, könne das auch in den Spielen tun, lautete seine These - die Trainer Edin Terzic teilt.

Ganz bewusst hat der 38-Jährige seit seinem Amtsantritt im Dezember wieder aufs Gewinnen angelegte Spielformen und kleine Wettkämpfe in die Trainingsroutinen eingepflegt, um die tägliche Schärfe seiner Spieler zu erhöhen und ihnen die Bequemlichkeit auszutreiben. Es ist ein längst nicht abgeschlossener Prozess, der mutmaßlich zu spät begann, um bereits in dieser Saison zu wirken. Zu schlecht sind die Aussichten, erneut in die Champions League einzuziehen, schließlich beträgt der Abstand auf Rang vier seit der Niederlage gegen den direkten Konkurrenten aus Frankfurt bereits sieben Punkte.

"Wir müssen am Samstag unbedingt drei Punkte holen", forderten Reus und Hummels nach dem Spiel in Manchester unisono. Um die klitzekleine Chance auf die Königsklasse am Leben zu erhalten - und die Warum-Fragen zu verhindern.

Matthias Dersch

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